Lörrach Barrierefreiheit hat viele Hürden

Von Guido Neidinger

Lörrach. Behinderte Menschen sollen am gesellschaftlichen Leben von der Geburt an teilhaben können. Ab dem Schuljahr 2015/16 haben Eltern das Recht, behinderte Kinder auf Regelschulen zu schicken.

Die Schulträger stellt das allerdings vor große Herausforderungen, wie am Donnerstag in der Sitzung des Hauptausschusses deutlich wurde. Ilona Oswald, die stellvertretende Fachbereichsleiterin Jugend/Schulen/Sport, erläuterte die Problematik anhand der Lörracher Schulen.

Die Gesamtkosten für Baumaßnahmen an den städtischen Schulen, um die Inklusion (gemeinsame Beschulung behinderter und nicht behinderter Schüler) zu gewährleisten, bezifferte sie auf 3,5 Millionen Euro.

Dazu gehören Rampen, Aufzüge, automatische Türöffner, WC-Anlagen, spezielle Lichtschalter, Rückzugsräume, akustische Signale, Räume für Kleingruppenarbeit, zum Beispiel für Sprachheilschüler. „Barrierefreiheit bedeutet nicht nur, dass Schulgebäude rollstuhlgerecht sind“, betonte Oswald.

Die Lörracher Schulen sollen nach und nach barrierefrei gestaltet werden oder bei Bedarf, wie zum Beispiel die Astrid-Lindgren-Grundschule in Hauingen. Sie erhält demnächst einen Treppenlift und ein Behinderten-WC. Kosten: 50 000 Euro. Weitere Maßnahmen sind geplant. Dazu gehören: ein Aufzug am Hans-Thoma-Gymnasium für 500 000 Euro, behindertengerechte Baumaßnahmen an der Schlossbergschule für 120 000 Euro sowie Rampe und WC an der Grundschule Salzert für 40 000 Euro. Große finanzielle Brocken sind auch die künftig erforderlichen Baumaßnahmen an der Neumattschule (490 000 Euro), Hellbergschule (550 000), Fridolinschule (400 000) und Grundschule Tumringen (350 000).

Weitere, noch nicht abschätzbare Anforderungen,hängen von der Art der Einschränkung künftiger Schüler ab, zum Beispiel Seh- oder Hörbehinderung.

Trotz dieser enormen Anstrengungen sind sich die Mitglieder im Hauptausschuss darin einig, dass unsere Gesellschaft hier in der Pflicht steht.

Jutta Krauel (SPD) hofft auf Zuschüsse. Eine Spezialisierung der Schulen auf bestimmte Behinderungen, wie von Doris Jaenisch (CDU) vorgeschlagen, lehnt Krauel ab, da dies zu Gettobildungen führe. Birgit Schmolinske (Freie Wähler), die als Leiterin der Schlossbergschule immer wieder behinderte Kinder unterrichtet, betonte, dass die Inklusion nicht in allen Fällen sinnvoll sei. Je mehr Eltern diese aber einforderten, desto teurer werde es für die Stadt.

Margarete Kurfeß (Grüne) hob das Recht behinderter Kinder auf den Besuch einer Regelschule hervor. Dies gehöre zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm betonte, dass die Inklusion in Lörrach nicht neu sei. Bisher habe man immer Lösungen gefunden. „Niemand musste bei uns abgewiesen werden“. Allerdings sei davon auszugehen, dass die Zahl der behinderten Kinder in Regelschulen deutlich zunehmen werde.

Nicht einfach ist laut Ilona Oswald die Zuschussfrage. Bei Sanierungen von Schulen werde dies berücksichtigt, bei Einzelmaßnahmen seien Zuschussbewilligungen eher schwierig.

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