Von Walter Bronner

Lörrach. Womöglich hat Felix Mendelssohn-Bartholdy noch von der Erfindung des Saxophons erfahren. Denn schon ein Jahr vor dessen Tod (1847) hatte der kreative Belgier Adolphe Sax „sein“ Instrument zum Patent angemeldet. Und seither hat kein anderes im 19. Jahrhundert erfundenes Blasinstrument je größere Verbreitung und Bedeutung weltweit erlangt.

Dass solche Popularität nicht von ungefähr kommt, wurde am Mittwoch im Lörracher Burghof wieder einmal faszinierend nachgewiesen. Denn das gastierende Quintett „Alliage“ (zu Deutsch: Legierung) mit Daniel Gauthier (Sopran-), Magdalena Lapaj (Alt-), Asya Fateyeva (Tenor-) und Sebastian Pottmeier (Bariton-Saxophon) plus Jang Eun Bae (Klavier) demonstrierte mit adaptierten und makellos interpretierten Referenzstücken zwischen Hochromantik und klassischer Moderne die faszinierend vielfältigen Klangeigenschaften dieses Instruments.

Und da waren die sozusagen mit musikantischer Goldlegierung und überzogenen vier Sequenzen („Ouvertüre“, „Lied mit Chor“, „Intermezzo“ und „Tanze der Rüpel“) aus Mendelssohns genial erfundener Schauspielmusik zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ der ideale Einstieg. Denn dieses Intro offenbarte sogleich die Stärken des famosen Ensembles: ein absolut kontrolliertes und die Feinheiten der Partituren äußerst exakt auslotendes Spiel, untadelige Übereinstimmung aller fünf Musizierenden, hinreißende Imitationen anderer Instrumente (etwa Streicher) oder gar von Singstimmen, vibrierende Lebendigkeit der Interpretation, die über weite Strecken orchestrale Klangpracht entfaltete; und nicht zuletzt eine immer wieder aufleuchtende Virtuosität von atemberaubender Brillanz.

Dass das Gastkonzert auf den 25. Todestag von Leonard Bernstein fiel, war triftiger Grund für eine kleine Programmänderung. Das erst nach der Pause vorgesehene berühmte „Adagio“ von Samuel Barber – das als „traurigste Melodie der Musikgeschichte“ apostrophierte Rührstück – erklang als Gedenkmusik gleich nach den Mendelssohn-Burlesken.

Fesselnd war alsdann die Wiedergabe der „Liverpool Fantasy“ des tonschöpferisch ideenreichen Pianisten und Kompositions-Coachs Johannes Meyerhöfer, der hier ein auf den Hit-Motiven „Let it be“, „Hey Jude“, „Yesterday“ und „Help“ basierendes Beatles-Medley in ein kompositorisches Klanggewand à la Johannes Brahms kleidete.

Nach der Pause dann folgte eine weitere Hommage an den großen Leonard Bernstein mit dem fulminant zelebrierten Arrangement von dessen kapriziöser „Candide“-Ouvertüre. Ausschnittweise präsentierte Alliage des Weiteren Michael Nymanns Film-Soundtracks zu „Das Piano“ (das rhapsodische Klaviersolo inbegriffen) und ein wunderbar verdichtetes Potpourri von George Gershwins „Ein Amerikaner in Paris“. Bereichert wurde die berückende Klangwanderung zu Sehnsuchtsorten dieser Erde und sagenhaften Gefilden, einschließlich der besten aller Welten (Candide) mit den Zugaben von Bernsteins „America“ aus dem Musical „West Side Story“ und dem wundervollen zweiten Walzer aus der zweiten Jazz-Suite von Dmitry Schostakowitsch.