Lörrach „Bedrückende Zahlen“ präsentiert

„Niemand muss in Lörrach draußen schlafen“, sagt Stefan Heinz. Foto: Archiv Foto: Die Oberbadische

Die Fachstelle Wohnungssicherung, die Notschlafstelle und auch die mobile Obdachlosenbetreuung werden angesichts der angespannten Situation auf dem Lörracher Wohnungsmarkt dringend benötigt. Das wurde bei der Vorstellung der Jahresberichte 2017 am Donnerstag im Ausschuss für Umwelt, Technik, Bildung und Soziales deutlich.

Von Kristoff Meller

Lörrach. „Die Fallzahlen stagnieren auf hohem Niveau“, sagte Stefan Heinz, Leiter der AGJ-Wohnungslosenhilfe, in seinem Bericht. Die Fachstelle hat im Jahr 2017 120 Haushalte erreicht, bei 95 wurde die Beratung abgeschlossen und immerhin in 45 Prozent der Fälle konnte der Wohnungsverlust verhindert werden; für knapp 30 Prozent konnte eine neue Wohnung gefunden werden. Doch „Nischen auf dem Wohnungsmarkt seien immer seltener: „Der Wohnungsverlust geht oft einher mit dem Verlust einer günstigen Wohnung“, erklärte Heinz.

Unter den Betroffenen liegen die alleinstehenden Männer (37,6 Prozent, plus zehn Prozent) an der Spitze, gefolgt von Paaren mit Kindern (21,5 Prozent). Hauptgrund für den drohenden Wohnungsverlust sind Mietschulden (70,6 Prozent), aber auch der Eigenbedarf (16,8 Prozent) habe zugenommen. „Viele haben den Job verloren, suchen eine neue Stelle und haben Angst vor dem Wohnungsverlust“, erläuterte Heinz. Das sei eine sehr belastende Situation und habe oftmals psychische Beeinträchtigungen zur Folge.

Grundsätzlich sei es aber positiv, dass viele Mieter selbst die Initiative ergreifen und an die Fachstelle herantreten. Deutlich angestiegen sei dabei die Zahl der Vermieter. „Hier gibt es einen erhöhten Beratungsbedarf, und wir versuchen, Mieter und Vermieter an einen Tisch zu bringen.“ Bewährt habe sich indes „die enge Vernetzung“ der Fachstelle im Sozialwesen sowie die Verzahnung mit dem Amtsgericht und dem Fachbereich Bürgerdienste.

Notschlafstelle ­

Die Notschlafstelle ­ im Erich-Reisch-Haus wurde auch 2017 stark nachgefragt. Insgesamt wurden 1384 Übernachtungen durch 155 Personen registriert.

Gerade in den Wintermonaten sei die Notschlafstelle primär „ein Erfrierungsschutz“, erklärte Heinz und betonte: „Es wird niemand weggeschickt.“ Gemeinsam mit der Polizei habe man zudem ein Konzept für Personen erarbeitet, die aufgrund von „massiven Konflikten“ in der Vergangenheit ein Hausverbot haben. „Niemand muss draußen schlafen“, so Heinz. Es gebe aber Personen, die einen Platz im Freien vorziehen, diese würden aber mit Schlafsäcken sowie warmen Jacken „maximal“ ausgestattet.

Mobile Betreuung

109 Haushalte sind derzeit im Stadtgebiet ordnungsrechtlich untergebracht. Seit Februar 2016 sucht die mobile Obdachlosenbetreuung den Kontakt zu ihnen. 2017 wurden 60 Haushalte (2016: 63) erreicht, 19 Haushalte haben seit 2016 einen Mietvertrag erhalten. „Das kann sich sehen lassen“, bilanzierte Heinz und verwies auf die gute Kooperation mit der Wohnbau Lörrach.

Herausforderungen

Im laufenden Jahr soll die Präventionsarbeit dank einer Stellenaufstockung weiter intensiviert werden, ebenso wie die Vernetzung mit der Suchthilfe und Sozialpsychiatrie. Weiterhin dringend benötigt wird Wohnraum für besondere Bedarfsgruppen.

Lob von Lutz und Politik

„Es besteht viel Bedarf, und diese Einrichtungen sind wirklich wichtig“, betonte Oberbürgermeister Jörg Lutz angesichts der präsentierten „bedrückenden Zahlen“. Gleichwohl gab es von ihm viel Lob für die „tollen Erfolge“ der Fachstelle, die durch ihre Arbeit zumindest „das Schlimmste“ verhindere.

Auch die Fraktionen würdigten die Leistung der Fachstelle. Hubert Bernnat (SPD) und Gerd Wernthaler (Grüne) beklagten allerdings das „gesamtgesellschaftliche Phänomen“, dass selbst Menschen mit Einkommen immer öfters der Gefahr der Obdachlosigkeit ausgesetzt seien, weil sie die steigenden Mietkosten in der wohlhabenden Region nicht bezahlen können. Wernthaler: „Lörrach ist eine schöne Stadt mit einem Januskopf.“

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