Lörrach Bekenntnishaft und überzeugend

Selen Schaper bezaubert mit Ermanno Wolf-Ferraris Concertino für Englischhorn und Orchester. Foto: Willi Vogl

Lörrach - „Es gibt nur drei Orte, an denen Sie sich heute Abend aufhalten können: Der häusliche Garten, das Freibad oder unsere wohltemperierte Schalterhalle“, begrüßte der Gastgeber André Marker launig das Publikum zur sonntäglichen Premiere der diesjährigen Sommerkonzertreihe in der Sparkasse.

Dirigent Stephan Malluschke hatte ein Programm zusammengestellt, das mit Gabriel Fauré, Wolfgang Amadeus Mozart, Ermanno Wolf-Ferrari und Peteris Vasks einen weiten Repertoirebogen spannte. Eröffnet wurde das Konzert mit Gabriel Faurés Orchestersuite Masques et Bergamasques. Dieser vielfarbigen Ballettmusik liegen Szenen aus der Commedia dell’arte zu Grunde, deren berühmteste Figur des Arlecchino gleichsam als Symbol für den spitzbübischen kompositorischen Umgang Faurés mit tradierten Formen gelten kann. Höfische Tänze erklingen kontrastreich instrumentiert und angereichert durch schillernde Harmonien und polyphone Verdichtungen. Das Orchester inszeniert die herrlichen Manierismen mal elegant schreitend im Menuett oder auch in flexibler ausdrucksbefördernder Tempoführung im hymnischen Duktus der Pastorale.

In Ermanno Wolf-Ferraris Concertino für Englischhorn und Orchester trafen sich das besondere Faible des Dirigenten für dieses Soloinstrument mit seinem sonoren Klang und der Repertoireschwerpunkt der Solistin Selen Schapers auf diesem Instrument. Schaper bezauberte im Preludio durch elegante Kantilenen über gezupften Begleitmustern, musizierte temperamentvoll die exaltierten Motive im Capriccio, erzeugte im Adagio in schöner Korrespondenz mit dem Orchester eine schwebende Atmosphäre und inszenierte im Finale souverän die abrupten Stimmungswechsel zwischen zupackender Rustikalität und expressivem Melos. Trotz andersartiger musikgeschichtlicher Entwicklung wurde so das 1947 entstandene Concertino mit all seinen historischen Anleihen als glaubwürdiges Werk eines fantasiebegabten Komponisten erlebbar.

„Auch wir als Amateurorchester sind aufgerufen, uns mit aktuell entstandenen Werken zu befassen“, so Malluschkes Credo. Dabei bot Peteris Vasks’ Viatore für Streicher nicht nur dem Orchester ein lohnendes Ausdrucksfeld, sondern auch dem aufgeschlossenen Publikum spannende Einblicke in eine eigenwillige wie faszinierende Klangsprache. Aus dem anfänglichen Flirren im Diskant schälte sich eine Choralmelodie heraus, die in sonore Kantabilität der Bässe mündet. Über mehrere Etappen schraubt sie sich im Wechsel mit einer in beißender Kälte insistierenden Rhythmusgestalt hoch zu expressiver Helligkeit. Konzentriert, bekenntnishaft und überzeugend von den Streichern musiziert erschienen diese scheinbar vertrauten Elemente des musikalischen Erbes in Vasks fantasievoller Transformation frisch. Malluschkes vorangestellte Bitte, zwischen Vasks’ Viatore und der folgenden Haffner-Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart nicht zu klatschen, bot die Möglichkeit, der Klangrede des estnischen Komponisten ungleich intensiver nachzulauschen.

Mozarts Sinfonie Nr. 35 bestach im Allegro durch lebendig musizierte Kontraste, im Andante durch weich intonierte Kantilenen und im Menuett mit seiner tanzgewordenen Energie. Die Bläser verliehen vor allem den Ecksätzen plastische Konturen. Mit differenzierter, und wo nötig auch impulsiver Zeichengebung wusste Stephan Malluschke das Orchester allzeit zu konzentriertem Spiel zu animieren.

Als Zugabe erklang mit einem Allegro aus einer Sinfonie von William Boyce ein Zuckerl für die Streicher und das begeisterte Publikum.

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