Lörrach Besserer Schutz bei Starkregen

An der Nordseite des Hauinger Friedhofs hat der Bau des Regenrückhaltebeckens begonnen. Mit der Fertigstellung wird bis Sommer 2022 gerechnet. Foto: Peter Ade

Lörrach-Hauingen - Schwere Maschinen bohren sich durchs Erdreich. Im Tal und vor allem aus der Vogelperspektive ist klar zu erkennen: An der Nordseite des Hauinger Friedhofs hat der Bau des Regenrückhaltebeckens (RRÜB) begonnen. Auf diesen Moment haben die Hauinger – vor allem die Bewohner im Ortskern – lange gewartet.

Die Maßnahme hat seit etlichen Jahren absolute Priorität im „Dorf an der Sonne“. Ortsvorsteher Günter Schlecht erinnert an das Unwetter vom Juli 2014, das neben großen Schäden viel Ärger und Frust verursacht hat und die Forderung nach einem Rückhaltebecken mehr und mehr in den Fokus rücken ließ.

„Trotz angespannter Haushaltslage gerät das Anliegen nicht ins Schwimmen“, versicherte Oberbürgermeister Jörg Lutz bei einer der zahlreichen Erörterungen des Projekts und bei der Vorlage des Haushaltsplanentwurfs 2017. Auf Drängen des Ortschaftsrates machte der OB das RRÜB zur Chefsache.

Weltin: Eile geboten

„Eine Lösung muss so schnell wie möglich her“, bekräftigte Ortschaftsrat Jürgen Weltin mehrfach unter Hinweis auf die Starkregen der Vergangenheit, zuletzt im April und Mai 2016. Derlei Unwetter könnten sich ständig wiederholen. Deshalb führe am Bau des RRÜB unterhalb des Schützenhauses kein Weg vorbei.

In der Folge wurden der Soormatt-Bypass und Korrekturen am Rechen bei der Kirche realisiert. Zentrale Aufgabe indes: An der Nordseite des Friedhofs wird ein großes Rückhaltebecken gebaut – mit einem Stauvolumen von etwa 11 100 und einem Dammvolumen von 3700 Kubikmetern. Angestrebt wird ein sogenannter Drosselabfluss aus dem Becken von 4,8 Kubikmetern pro Sekunde.

Nach Fertigstellung des RRÜB – so der Beschluss von Gemeinde- und Ortschaftsrat - wird der Gehweg entlang des Beckens an der Rechbergstraße verlängert.

Landkreis stimmt zu

Da Siedlungsflächen in Hauingen in den vergangenen Jahren bei heftigen Niederschlägen immer wieder durch den Soormattbach überschwemmt wurden, soll die Gefahr durch den RRÜB-Neubau zur Pufferung von Abflussspitzen bis zu einem 100-jährigen Hochwasserereignis gebannt werden.

2018 beschloss der Gemeinderat die Entwurfsplanung samt Kostenberechnung. Am 20. August 2020 erlangte der Planfeststellungsbeschluss des Landratsamtes Rechtskraft. Die Tiefbauarbeiten wurden von der Stadt ausgeschrieben. Es gingen neun Angebote ein.

Die Kostenberechnung ergab 840 000 Euro brutto für die erforderlichen Leistungen (ohne Gehweg und Ausgleichsmaßnahmen für das Baugebiet „Am Soormattbach“). Der Kostenanschlag für den ausgeschriebenen Anteil – einschließlich Gehweg und Sohlschwelle – beläuft sich auf rund 923 000 Euro brutto. Letztlich erhielt die Firma Schleith aus Steißlingen den Auftrag für den Neubau des Beckens zum Preis von 760 600 Euro.

Baubeginn war im März. Wenn alles planmäßig voran geht, wird mit einer Fertigstellung der Gesamtmaßnahme bis Sommer 2022 gerechnet.

Parallel zum Bach

Nach geologischen und geometrischen Untersuchungen wurde eine Beckenform gewählt, deren Erddamm oberhalb des Friedhofs auf Höhe der Rechbergstraße beginnt und als überstaubare Dammkrone Richtung Soormattbach läuft. Dort schwenkt der Damm parallel zum Bach nach Norden und steigt maximal 3,25 Meter in die Höhe. Auf Höhe der letzten Häuser der Friedrichstraße springt der Damm über den Bach und läuft in den Gegenhang.

Entlang des Friedhofs wird das Bauwerk überflutbar ausgebildet und bekommt luftseitig zur Verhinderung von Erosion eine Neigung von 1:6, während die anderen Böschungen steiler – mit einer Neigung von 1:3 - ausgebildet werden.

Laut Bodengutachten kann das Aushubmaterial für den Dammaufbau verwendet werden. Eventuell muss die Brunnenwasserleitung, die den Friedhof mit Gießwasser versorgt, umgelegt werden.

Die Steuerung des Beckens erfolgt über die Regelung des Betriebsschiebers und ist abhängig vom Beckeneinstau, vom Beckenabfluss und der Einstauhöhe an der Verdolung bei der Kirche. Sollten sich in der Praxis kritische Wassersituationen ergeben, so könnte das technische Personal der Stadt sofort regulierend eingreifen.

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