Lörrach Bestellt und nicht abgeholt

Blick ins Paketdepot von Edgar Geiger Foto: Nils Straßel

Lörrach -  Die Grenze zur Schweiz ist geschlossen: Die meisten Eidgenossen dürfen nicht mehr einreisen. Das stellt auch zahlreiche Schweizer Bürger im Grenzgebiet vor Probleme, die sich ihre Pakete nach Lörrach und damit an eine deutsche Lieferadresse schicken lassen, und sie hier abholen.

Eine solche Lieferadresse befindet sich an der Wallbrunnstraße. Sie wird von Edgar Geiger betrieben. Hunderte von Paketen kommen hier täglich an und werden von Schweizern abgeholt. Von früh bis spät herrscht Tag für Tag reger Verkehr – normalerweise. Die Grenzschließung ist nicht ausschließlich für die Schweizer Kunden problematisch, sondern auch für die Paketabholdienste selbst. 95 Prozent seiner Kundschaft komme aus dem Nachbarland, teilte der Inhaber im Gespräch mit unserer Zeitung mit.

Durch die Sendung an eine deutsche Lieferadresse und die persönliche Abholung konnten Schweizer Kunden bislang Versand- und Zollgebühren sparen, betont Geiger: Die Schweizer kommen auch deshalb, weil manche Händler generell nicht in die Schweiz liefern – Kunden erhalten ihre Ware nur, wenn sie eine deutsche Lieferadresse angeben.

Obwohl momentan viele Leute zu Hause bleiben und die Geschäfte geschlossen sind, wird nicht mehr bestellt als zuvor. Im Gegenteil: Viel weniger Sendungen werden zum Paketdepot geliefert, berichtet Geiger. Außerdem werden seit der Schließung der Grenze kaum noch Pakete abgeholt: „Ich habe acht Festangestellte, die nicht ausgelastet sind. Ich weiß schlicht nicht, wie ich deren Löhne weiterzahlen soll.“

Nach der Bekanntgabe der Grenzschließung reagierte Geiger schnell und öffnete sein Geschäft bis 23 Uhr und am darauffolgenden Montag schon ab 6 Uhr, um noch möglichst vielen Schweizer Kunden eine Abholung zu ermöglichen.

„Viele hatten das auch schon vorhergesehen und ihre Pakete bereits letzte Woche entgegengenommen. Da war hier so viel los wie an Weihnachten“, erzählt Geiger. Für alle übrigen Sendungen bietet das Paketdepot Lörrach an, sie ohne zusätzliche Gebühren einzulagern, bis die Grenze wieder öffnet.

Der Betrieb steht jedoch nicht komplett still. Schweizer mit zusätzlicher deutscher Staatsbürgerschaft können weiterhin einreisen. Außerdem helfen deutsche Berufspendler ihren Schweizer Kollegen aus, indem sie deren Bestellungen mit zur Arbeit bringen, berichtet Geiger. Gewerbliche Kunden dürfen auch noch durch den Zoll, wenn sie sich zuvor dort angemeldet haben.

Als Postdienstleister ist Geiger sich sicher, von den aktuellen Betriebsschließungen ausgeschlossen zu sein, dennoch bedürfe es einiger Ideen, um den wirtschaftlichen Schaden der Abschottung zu kompensieren: „Wir überlegen, die Pakete als Gewerbe unter normaler Verzollung an unsere Kunden in der Schweiz zu schicken. Das ist dann zwar etwas teurer für sie, doch immerhin bekommen sie ihr Produkt.“

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