Lörrach Beteiligungskultur ermöglichen

Die Oberbadische, 11.01.2018 22:10 Uhr

Mit dem „Zukunftsforum“ haben die Initiative „fairNETZt“ und die Schöpflin Stiftung ein offenes, unabhängiges Bürgerbeteiligungsformat ins Leben gerufen. Im sechsten und letzten Teil unserer Serie berichten Frank Leichsenring (fairNETZt) und Lukas Harlan (Schöpflin Stiftung) über die Ergebnisse des ersten Durchgangs - und die Erwartungen, die mit dem zweiten verknüpft sind.

Von Veronika Zettler

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Lörrach. „Eine Beteiligungskultur in Lörrach ermöglichen“, das ist für Frank Leichsenring und Lukas Harlan der Zweck des Zukunftsforums. Die Stadtgemeinschaft soll gestärkt, regionale Vernetzung vorangebracht, die Mitgestaltung möglichst vieler angeregt werden, ohne Fronten entstehen zu lassen. Bald startet das Zukunftsforum in die zweite Runde. Ziel sei es, die bürgerschaftliche Beteiligung zu verankern: im Idealfall als fester Bestandteil kommunaler Entscheidungsfindung.

Den Auftaktprozess 2017 verbuchen die Initiatoren als Erfolg. Mit dem Jahresthema „Wohnwandel: zukunftsfähig leben und arbeiten“ haben sich rund 150 Lörracher in Denkwerkstätten und Projektgruppen auseinandergesetzt. Einige sporadisch, andere mit viel Engagement und Ausdauer.

Konkrete Planungs- und Bauvorschläge wurden ebenso erarbeitet wie visionäre Zukunftsszenarien. Mehrgenerationenhäuser, Baugemeinschaften, lebendige Quartiere, weniger Raumbedarf und günstiges Bauen waren einige der Arbeitsfelder. Eine weitere Gruppe bearbeitete das Konzept eines Beteiligungskonvents aus Gemeinderat, Bürgern und Delegierten der Stadtverwaltung. Der Konvent hätte wiederum die Aufgabe, Regeln für die Bürgerbeteiligung in Lörrach festzulegen.

Inwieweit die Ideen und Vorschläge aus den Gruppen Gehör finden oder umgesetzt werden, könne man noch nicht sagen, meint Frank Leichsenring: „Wir wünschen uns natürlich, dass sie in den Fraktionen und Ämtern aufgenommen und angeschaut werden“. Einige Teilnehmer der Projektgruppen bleiben jedenfalls dran an ihren Themen und treffen sich weiterhin. Geplant ist auch ein „Wohnwandel-Stammtisch“ im Nellie Nashorn, zudem stellte die Schöpflin-Stiftung kürzlich einen Fördertopf mit 5000 Euro für die bestehenden Gruppen zur Verfügung.

Zwar sei die erste Auflage ein „Testjahr“ gewesen, erklärt Lukas Harlan, „aber wir glauben, wir haben ein professionelles Format aufgestellt“. Wie sich dieses zusammensetzte, wie in den Teams gearbeitet wurde und was dabei herauskam, sollte der „Zukunftstag“ im Oktober veranschaulichen. Mit rund 270 Besuchern und „etlichen Rückmeldungen sowie sehr vielen guten Gesprächen im Kontext Stadtentwicklung“ ziehen Harlan und Leichsenring eine positive Bilanz dieser Präsentationsveranstaltung im Burghof. Der Zukunftstag kommt folglich auch 2018 ins Programm.

Ein neues Jahresthema muss noch gefunden werden. Fest steht bereits, dass mehr Jugendliche angesprochen und Digitalisierung sowie Interdisziplinarität größere Rollen spielen werden. Auch eine „Bewusstseinsförderung zur Bürgerbeteiligung“ haben Leichsenring und Harlan im Blick. Mit einem konkreten Thema will man „die Leute breit ansprechen“ und bürgerschaftlichem Partizipationsbedürfnis entgegenkommen.

Das Zukunftsforum entstand im Herbst 2016 als Kooperationsprojekt von „fairNETZt“ und Schöpflin Stiftung. Im vergangenen Jahr hat die Stiftung 30 000 Euro für das Projekt aufgewendet, 2018 wird sie es in ähnlichem Umfang finanziell und organisatorisch unterstützen. Harlan: „Das Zukunftsforum passt zum unternehmerischen Anspruch der Schöpflin Stiftung, das Gute zu multiplizieren“.