Lörrach Bücher wichtiger denn je

Da war die Welt noch in Ordnung: Bibliotheksleiterin Sabine Dietrich. Foto: Gabriele Hauger

Lörrach - Die Corona-Krise hat das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt, und doch wird vielerorts gearbeitet. In einer Serie beleuchtet unsere Zeitung, wie Einrichtungen, Institutionen und Unternehmen mit dieser Situation umgehen. In dieser Folge erzählt Sabine Dietrich, wie es in der Stadtbibliothek Lörrach derzeit zugeht.

Gesteigerte Bedeutung für digitale Angebote

Eigentlich ist jetzt die beste Zeit für Bücher und andere Medien. Kontaktsperre, keine Termine mehr, kein Kino, kein Theater, endlich Muse für ein gutes Buch – um es positiv zu formulieren. Ausgerechnet jetzt sind Bibliotheken und Büchereien geschlossen. „Da wird unser digitales Angebot um so wichtiger“, sagt die Leiterin der Lörracher Stadtbibliothek, Sabine Dietrich. Über die Onleihe ist das schon lange möglich. Nun, in Corona-Zeiten, kommt diesem Angebot eine ganz neue Bedeutung zu.

Die Nutzer können auf der Homepage „Onleihe“ anklicken, zwischen den Angeboten eBook, eAudio und ePaper wählen und dann den entsprechenden Themenbereich nutzen: Belletristik, Sachmedien und Ratgeber, Jugend- und Kinderbibliothek und – in diesen schulfreien Zeiten ganz wichtig – der Bereich Schule/Lernen. „Wir haben aktuell rund 12 000 digitale Medien im Bestand der Onleihe Dreiländereck“, erklärt Sabine Dietrich. Da sollte doch für jeden etwas dabei sein.

Team stellt Angebote aus dem Netz zusammen

Das Team ist zudem dabei, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene und Lehrer Angebote wie digitale Lesungen, Hörspiele, Lehrmaterialien für Pädagogen aus dem Netz für die Homepage zusammenzustellen und diese immer wieder zu erweitern und zu aktualisieren.Viele Verlage, Fernsehsender oder Anbieter wie „Stiftung Lesen“ böten aktuell tolle Angebote, die das Team gern zusammentragen möchte. Beim NDR liest beispielsweise jeden Tag ein bekannter Kinderbuchautor live aus seinem Buch – immer um 16 Uhr, erklärt Dietrich.

Natürlich werde die Zeit der Schließung auch genutzt, um Ordnung ins Haus zu bringen. „Es wird erst mal geputzt und geordnet. Das ist auch nötig. Schließlich hatten wir lange genug die Dauerbaustelle vor der Tür“, erinnert Dietrich. Auch die Regal-Ordnung muss immer wieder überprüft werden, interne Umarbeitungen werden erfolgen. 50 Prozent der Mitarbeiter sind nicht vor Ort, altersbedingt oder weil sie einer Risikogruppe angehören. Die verbliebenen Kollegen können sich darum besser geschützt auf Abstand im Haus und an den Arbeitsplätzen verteilen.

Veranstaltungsplanung liegt auf Eis

In puncto Veranstaltungsplanungen liegt alles erst mal auf Eis. Dietrich hofft, dass zumindest ab Herbst die terminierten Lesungen wieder stattfinden können. Falls diese nicht mit Publikum erfolgen können, denkt sie über Ersatzlösungen nach.

So könne man beispielsweise den geladenen Autor bei seiner Lesung aufnehmen und das Video anschließend auf der Homepage oder als Live-Stream anbieten. „Schließlich hängt ja auch die Existenz vieler Kulturschaffenden an solchen Veranstaltungen.“

Bei allem Krisenbewusstsein hofft Dietrich doch, dass die Pandemie unsere Gesellschaft nachhaltig positiv beeinflussen wird. Dass die Menschen ihre Werte hinterfragen, bewusster leben. „Vielleicht schafft die Pandemie ja auch ein neues Bewusstsein für den Wert von Kultur und öffentlichen Kultureinrichtungen.“ Die Bibliothek als Ort der Begegnung sei in den vergangenen Jahren zusehends wichtiger geworden. „Wir können hier die breite Gesellschaft erreichen, können dringend benötigtes Wissen, Information und Anregungen vermitteln. Es ist ein guter Ort, um über die Zukunft, über Visionen nachzudenken.“

Kraft aus Büchern

Im Moment befindet sie sich noch immer in einer Art Unruhe-Modus. Kraft schöpfen könne man da in Büchern. Dietrich empfiehlt „Einfach mal spazieren gehen“ von Titus Müller. Sonst verlaufe das Leben ja meist durchgetaktet und zielgerichtet. Jetzt sei die Zeit, um darüber zu reflektieren. Egal ob über Onleihe oder hoffentlich bald wieder traditionell: Literatur spendet Trost und Anregung.

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