Lörrach Bürger gestalten Zukunft

Die Oberbadische
Skizze mit Nutzungsoptionen für das Areal gegenüber der Villa Schöpflin. Im Hintergrund ein künstlerisch gestalteter Zaun, der die Form benachbarter Dächer aufnimmt. Er schirmt das Areal von der Baustelle für die neue Sporthalle ab. Skizze: zVg Foto: Die Oberbadische

Die Schöpflin-Stiftung geht neue Wege: Bei der Entwicklung ihrer Brombacher Brache in der Franz-Ehret-Straße bildet der Prozess als solcher eine Säule des Konzepts – hin zu einem noch nicht definierten Ziel. Dieser Prozess kann – muss aber nicht – in gebaute Architektur münden. Auch andere Formen der Nutzung dieses Raums sind denkbar.

Lörrach (bk). Die Stiftung möchte, entgegen ihrer ursprünglichen Pläne, kein ausgearbeitetes Modell für die Themen Wohnen, Arbeiten und Begegnen vorlegen – im Gegenteil: Die Bürger selbst sollen in Zusammenarbeit mit Künstlern zentrale Themen mit Ideen und Leben erfüllen. Dabei sollen ausdrücklich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ein wichtiges Wort mitreden.

Der erste Projekt-Anlauf, so Stifter Hans Schöpflin während der gestrigen Pressekonferenz im Werkraum Schöpflin, sei zu statisch gewesen. Nun soll ein neuer, dynamischer Prozess des Austauschs beginnen. Geschäftsführer Tim Göbel ergänzt: „Wir wollen weniger in Stein denken, sondern in sozialen Fragestellungen.“

Unter dem Titel „Fabric“ hat der Hamburger Konzeptkünstler Christoph Schäfer eine Strategie für die Entwicklung des Areals erabeitet. Er hat bereits vergleichbare Projekte unter anderem in Hamburg umgesetzt. Der Name „Fabric“ (engl. „Gewebe“) verweist zum einen auf die Geschichte der Textilindustrie in der Region. Zum anderen stehe der Name für das „vernetzte und zunehmend komplexe Gewebe aus Sozialem, Politik, Arbeit, unternehmerischem Handeln, Kunst, aus globalem und lokalem Kontext, in dem die Stiftung – aber auch die Region - sich bewegt“, erläutern die Initiatoren.

„Fabric arbeitet daran, ein Gewebe aus Ideen und Zielen der Stiftung, ihren Zielgruppen und dem urbanen Kontext in und um Brombach zu spinnen“, so Schäfer. Ein experimenteller Ansatz, der mit künstlerischen Eingriffen, „Testnutzungen“ und Workshops, flankiert von Vorträgen und Diskussionen, Schritt für Schritt die künftige Nutzung des Areals in Nachbarschaft zur neuen Sporthalle klar herausarbeiten soll. Angestrebt wird demnach die Entwicklung des Geländes als „Lernprozess, als Plattform des Austauschs zwischen Gesellschaft und Stiftung“, die Ideen „möglichst direkt umsetzt“, erklärt Schäfer. Schöpflin betont: „Es wird Ergebnisse geben, die von Dauer sind.“ Sicher sei ebenso, dass künftig rund 60 Parkplätze auf dem Gelände für Veranstaltungen der Stiftung verbleiben werden – auf einer Fläche, etwa halb so groß wie der gegenwärtige Parkplatz.

Am Montag wurde bereits den Brombacher Ortschaftsräten und Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats das Konzept erläutert. Die Kommunalpolitiker hätten sich offen und interessiert für dieses Modell gezeigt, sagte Schöpflin, der den Prozess transparent gestaltet und sorgfältig dokumentiert sehen möchte. Auch mit Oberbürgermeister Jörg Lutz seien sehr gute Gespräche geführt worden.

In mehreren Schritten soll das Areal in den kommenden Monaten bespielt werden. Im ersten wird Fabric mit Künstlern und Nutzern der Stiftung und des Geländes – vor allem mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen – arbeiten. In diesem Sommer gehe es darum, die Fläche nutzbar und die Brache als „Möglichkeitsraum“ erlebbar zu machen, so Planerin Lisa Marie Zander. Gemeinsam mit den Künstlerinnen Margit Czenki und Daniela Palimariu schafft sie für Fabric Elemente, Spielmöglichkeiten und einen neuen Durchgang zum Brunnen an der Schopfheimer Straße. Das dort gelegene marode Haus wird abgerissen, alle wiederverwendbaren Materialien wandern in ein temporäres Schaulager. Daraus baut Fabric im Sommer etwa einen langen großen, vielfältig nutzbaren Tisch, der sich durch das Gelände zieht.

Im Herbst 2018 werde, so Göbel, „gesichtet und verdichtet.“ n  Am Freitag, 2. Juni, ab 15 (für Kinder) und ab 17 Uhr (für alle) startet Fabric und stellt mit einem Fest und ersten in der Brache platzierten Elementen beteiligte Künstler vor. Alle Lörracher sind hierzu eingeladen.

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