Lörrach Bürgerstiftung ermöglicht weiteres Frauenhaus

Regine Ounas-Kräusel
Ute Lusche mit Frank Hovenbitzer (Bürgerstiftung), Doris Sicklinger, Elisa Müller, Carolin Throm (alle Frauenhaus), Roswitha Bürgin-Wetzel (Bürgerstiftung) und Antje Lauber (v.l.) Foto: Regine Ounas-Kräusel

Das Frauenhaus Lörrach will die Zahl seiner Plätze auf 24 verdoppeln und dafür ein Haus kaufen und umbauen. Um das zu finanzieren, gewährt die Bürgerstiftung dem Trägerverein „Frauen helfen Frauen“ einen zinslosen Kredit in Höhe von 400 000 Euro.

Von Regine Ounas-Kräusel

Lörrach. Beim Pressegespräch am Montag erinnerte Doris Sicklinger vom Frauenhaus-Team daran, wie notwendig die Erweiterung ist: In diesem Jahr mussten bereits mehr als hundert Schutz suchende Frauen und deren Kinder abgewiesen werden, weil das Frauenhaus belegt war, sagte sie.

Das Team bekomme jedes Jahr mehr Anrufe aus ganz Deutschland. Laut einer Studie würden im Landkreis Lörrach 59 Frauenhaus-Plätze benötigt. Das Lörracher Frauenhaus verfügt aktuell über 14 Plätze.

Seit dem Jahr 2020 haben sich das Frauenhaus und sein Trägerverein um Geld für den Kauf einer Immobilie bemüht. Das bestehende Frauenhaus wollen sie barrierefrei umbauen. Voraussichtliche Kosten: knapp 1,6 Millionen Euro. Ein Antrag beim Investitionsprogramm des Bundes „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“ wurde abgelehnt. Der Landkreis finanzierte immerhin die Erweiterung des bestehenden Frauenhauses von zwölf auf 14 Plätze.

Im Spätsommer 2020 habe dann das Land einen 50-Prozent-Zuschuss in Höhe von 779 000 Euro gewährt, berichtete Antje Lauber. Als Rettung sei dann die Bürgerstiftung ins Spiel gekommen, freute sie sich. Diese will dem Frauenhaus und seinem Trägerverein einen zinslosen Kredit von 400 000 Euro aus dem Geschwister-Riehle- Fonds gewähren.

Die Geschwister Riehle aus Lörrach hatten der Stiftung ihr Vermögen vererbt mit der Bedingung, dass ein Großteil des Geldes für Frauen in Not verwendet wird, erläuterte die Stiftungs-Vorsitzende Ute Lusche. Zum Vermögen gehörte auch ein Haus in Steinen, das die Bürgerstiftung nach reiflicher Überlegung verkaufte anstatt es zu vermieten.

Aus dem Verkaufserlös fließt nun das Darlehen ans Frauenhaus. Bei Bedarf ist die Bürgerstiftung außerdem bereit, später weitere Kredite bis zu 250 000 Euro zu gewähren. Man habe vereinbart, auf das Haus, das der Verein „Frauen helfen Frauen“ kaufen wird, eine Grundschuld von 650 000 Euro einzutragen. Ute Lusche war dankbar, dass die Bürgerstiftung das Frauenhaus bei seiner Erweiterung unterstützen kann.

Doris Sicklinger, Antje Lauber und ihre Kolleginnen waren sich bewusst, dass die Kreditaufnahme und die Erweiterung des Frauenhauses auf doppelt so viele Plätze eine große Herausforderung darstellen wird: Die Tagessätze, die das Haus für die Schutz suchenden Frauen erhält, decken nur 70 Prozent der laufenden Kosten ab. Die übrigen 30 Prozent finanziert das Frauenhaus aus Landeszuschüssen, freiwilligen Zuschüssen der Gemeinden, Bußgeldern und Spenden. Diese Einnahmen müsste man verdoppeln, sagte Lauber.

Vor allem aber müsse man weiter daran arbeiten, dass die öffentliche Hand in den Schutz von Frauen vor Gewalt investiert.

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