Lörrach Chefkoch gesucht!

Günter Roßkopf mit Gudrun Mauvais in der Küche der Alten Feuerwache. Foto: Kristoff Meller

Lörrach - Erst war er 47 Jahre lang Küchenchef im „Kranz“, dann übernahm er die Leitung der Suppenküche der Matthäuspfarrei und nun nimmt Günter Roßkopf die Corona-Zwangspause zum Anlass, um nach fast zehn Jahren einen Nachfolger für die monatlichen soziale Aktion in der Alten Feuerwache zu suchen. Dieser wird aber wohl frühestens 2021 den Suppenschöpfer benötigen.

„Ich suche schon seit einigen Jahren nach einem Nachfolger. Es tut sich aber einfach nichts, solange ich da bin“, erklärte Roßkopf beim Pressegespräch am Dienstag in der Alten Feuerwache.

Ein guter Zeitpunkt, um das Amt abzugeben

Im November wird der gelernte Koch und leidenschaftliche Gärtner 80 Jahre alt, das sei „ein guter Zeitpunkt“ um das Amt abzugeben: „Alles hat seine Zeit und der Abschied fällt mir nicht schwer. Es ist gut, wenn vielleicht mal ein etwas anderer Duft in die Küche käme.“

Doch die Bewerber stehen bislang nicht gerade Schlange: „Günter Roßkopf hat natürlich einen großen Namen in Lörrach“, weiß Gudrun Mauvais, Pfarrerin der Matthäusgemeinde. Sie ist sehr dankbar für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement für den sozialen Zweck: „Er hat sogar seinen Urlaub nach den Terminen der Suppenküche geplant. Natürlich ist es für uns ein Verlust, wir sind aber auch dankbar, dass er es fast zehn Jahre lang gemacht hat.“

Tradition der Suppenküche hat lange Tradition

Die Tradition der Suppenküche im damaligen Armenhaus, der heutigen Alten Feuerwache, hat ihren Ursprung bereits im 19. Jahrhundert und wurde zunächst nach dem Zweiten Weltkrieg und dann von Mauvais’ Vorgänger Martin Abraham im Mai 2011 wiederbelebt. Roßkopf war gleich mit dabei.

Seit der coronabedingten Absage der März-Veranstaltung pausiert die Suppenküche, bei der laut Roßkopf zuletzt im Schnitt rund 300 Personen eine warme Mahlzeit inklusive Nachtisch für einen frei wählbaren Obolus („Jeder zahlt so viel er kann“) erhielten. Wann wieder gekocht werden kann – Mauvais weiß es nicht: „Angesichts der aktuellen Hygiene- und Abstands-Auflagen werden wir dieses Jahr wohl keine Suppenküche mehr veranstalten.“

Eingespieltes Küchenteam und professionelle Infrastruktur

Dabei hatte Roßkopf die Veranstaltungen mit Rezepten und Helfern bereits bis zum Jahresende vorgeplant. Neben dem bewährten Küchenteam des seit 2011 beteiligten Erich-Reisch-Hauses wurde Roßkopf stets von wechselnden Lörracher Vereinen, Firmen und sozialen Einrichtungen unterstützt. Denn die Arbeit beschränkt sich nicht nur auf das Kochen, Servieren und Abwaschen, sondern umfasst auch die Planung, den Einkauf, die Vorbereitungen vor Ort und die Einladungen – Roßkopf hat über 400 E-Mail-Adressen im Suppenküchen-Verteiler. Gleichwohl stünden die freiwilligen Helfer Schlange: „Wir sind immer gleich für das ganze Jahr ausgebucht“, sagt Roßkopf.

Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin würde aber nicht nur ein eingespieltes Küchenteam übernehmen, sondern könnte auch auf eine gute Infrastruktur zurückgreifen. Erst vor einigen Monaten wurde ein gebrauchter Profi-Dampfkochtopf mit einem Fassungsvermögen von 150 Litern zum Schnäppchenpreis für die Industrieküche erstanden, der die Größe eines Kühlschranks hat und viele Abläufe vereinfacht.

„Es ist alles vorhanden was man braucht, das Team steht Gewehr bei Fuß und ich würde natürlich auch eine Übergabe machen“, sagt Roßkopf, um potenziellen Kandidaten die Nachfolge schmackhaft zu machen. Nur bei der eigenen Verabschiedung ziert sich der eher bescheidene Koch noch etwas. Mauvais: „Das gehört dazu, wir sind aber noch in Verhandlungen.“ Sie hofft, spätestens im Mai 2021 zum zehnjährigen Jubiläum nicht nur wieder zur Suppenküche einladen zu können, sondern auch die Stabübergabe an einen Nachfolger durchführen zu können.  

Interessenten können sich bei Gudrun Mauvais unter Tel. 07621/ 5892529 melden

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