Lörrach Corona lässt die Fallzahlen sinken

Gabriele Hauger
 Foto: Gabriele Hauger

Rheinfelden - Es ist das erste „Corona“-Jahr, dessen Kriminalstatistik beim gestrigen Pressegespräch im Polizeirevier Rheinfelden analysiert wurde. Fazit: Aufgrund der Pandemie sind die Fallzahlen in fast allen Bereichen gesunken.

Um 15,5 Prozent gingen die Straftaten im Revierbereich zurück, stärker als im Landkreisvergleich, der niedrigste Wert seit 2011. 2575 Straftaten wurden begangen, 281 weniger als im Vorjahr. In der Stadt Rheinfelden sind die Taten mit -18,5 Prozent besonders stark rückläufig. Ein positiver Effekt der Corona-Zeit, so Revierleiter Bernhard Weis, der gemeinsam mit Dieter Wild die Zahlen präsentierte. „Pandemiebedingt sind nur wenige unterwegs – das wirkt sich aus.“ Nicht schönzureden aber bleibe: Das Kriminalitätsniveau insgesamt ist im Landkreis Lörrach hoch.

Die Rückgänge sind in fast allen Bereichen deutlich. So wurden im Revierbereich 21,3 Prozent weniger Diebstähle begangen, Ladendiebstähle gingen sogar um 24 Prozent zurück. Verständlich, da ja viele Geschäfte lange Zeit über geschlossen blieben. Erstaunlicherweise einen Zuwachs gab es im Bereich Gaststätten/Hotel-Diebstähle. Dies sei wohl auf ein bestimmtes „reisendes Klientel“ zurückzuführen, wie Wild vermutet.

Wohnungseinbrüche

Auch Wohnungseinbrüche gab es weniger (-20,9 %). Hier war der Rückgang nicht ganz so groß wie im Landkreisvergleich, bilanziert Weis. Das liege daran, dass man nicht so sehr von der Grenzschließung zu Frankreich „profitiere“ wie beispielsweise das Markgräflerland. Das Thema bleibt indes virulent. „Wohnungseinbrüche sind im Landkreis ein großes Problem, auch wenn sich die Lage in den vergangenen Jahren verbessert hat“, erklärt der Revierleiter. Mehrere Tätergruppen konnten ermittelt werden. „Vielleicht können wir diese Tendenz auch nach Corona halten“, hofft er.

Die Zahlen der Sachbeschädigungen (319) sind auf dem niedrigsten Niveau seit zehn Jahren. Mehr Kontrollen im ÖPNV seien ein Grund dafür, führt Weis aus.

Mehr Partnergewalt

Beim wichtigen Bereich Körperverletzung ergibt sich indes ein zwiespältiges Bild: Einerseits nahmen die Fallzahlen ab (-10,5 %). Andererseits hat die Partnergewalt um ein Drittel zugenommen – ein bundesweit festzustellendes Phänomen, betont Wild. Die Gründe dafür seien bekannt: Paare und Familien verbringen mehr Zeit auf engem Raum, sind auf ihr Zuhause beschränkt. Das löst Konflikte aus. Dabei komme häusliche Gewalt in allen Orts- und Stadtteilen vor, auch in so genannten „guten Wohngebieten“, betont Dieter Wild.

Keine „Land-Idylle“

„Auch auf dem Land herrscht nicht nur Idylle“. Allerdings liege der Schwerpunkt mit 40 Fällen in der Kernstadt. Zugenommen hat auch sexuelle Belästigung, sie stieg auf 50 Fälle.

Besonders auffällig an der Statistik sind die Rückgänge bei ausländerrechtlichen Verstößen und bei Vermögensdelikten. Sonst häufig auftretende „Tankdiebstähle“ oder Betrug im ÖPNV haben deutlich abgenommen. Mehr Fälle werden im Internet verzeichnet. „Das liegt leider oft an der Leichtgläubigkeit der Menschen“, weiß Bernhard Weis. Gerade wenn es um vermeintlich schnelle Gewinne gehe: „Mehr Hirn einschalten“, so sein Tipp.

Das Thema Rauschgift sei nach wie vor allein aufgrund der Grenznähe virulent.

Deutlich abgenommen haben Fahrraddiebstähle (91) und Autoaufbrüche (9), während der Auto-Kennzeichendiebstahl weiterhin hoch sei, fokussiert auf Kennzeichen mit aktuellem TÜV.

Insgesamt ist die Kriminalitätsbelastung im Landkreisvergleich unterdurchschnittlich, außer eben in den Bereichen Körperverletzung und Rauschgift. Und es gibt erfreulicherweise relativ wenig Jungtäter. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtige ist zudem rückläufig, wenn auch immer noch hoch im Vergleich zur Gesamtbevölkerung.

Weis und Wild sind sich einig: Corona soll keinesfalls bleiben, die niedrigeren Fallzahlen aber gerne.

Fallzahlen

Körperverletzung: 357 (-42); Gewalt: 68 (-17); Diebstahl: 555 (-150); Einbrüche: 34 (-9); Sachbeschädigung: 319 (-28); Vermögen/Fälschung: 483 (-200); Rauschgift: 357 (-46); Straßenkriminalität: 379 (-22)

Umfrage

Impfung

Was halten Sie von den Forderungen nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht?
Ergebnis anzeigen
loading