Lörrach Das große Baumleiden

Gabriele Hauger
 Foto: Fotos: Gabriele Hauger

Braune, eingerollte Blätter, kahle Äste, auf den Grünstreifen kein Grün: Einen traurigen Anblick bieten viele Bäume und Grünflächen in Lörrach. Schuld sind Hitze und die andauernde Trockenheit.

Von Gabriele Hauger

Lörrach. „Die Situation ist extrem“, bilanziert der Leiter Eigenbetrieb Stadtgrün und Friedhöfe, Jens Fondy-Langela. „Wir schaffen es einfach nicht mehr, all das genügend zu wässern, was nötig wäre“, bedauert er. Dabei hätten es besonders Stadt-Bäume gerade in diesem Sommer dringend nötig – bei vielen, vor allem jüngeren Exemplaren, sei regelmäßiges Wässern gar eine Frage des Überlebens. Der Eigenbetrieb Stadtgrün komme indes kaum hinterher. Früher mussten Baum-Neuanpflanzungen lediglich drei Jahre lang gewässert werden – inzwischen sind es mindestens fünf Jahre. Die Trockenheit ziehe sich schon über mehrere Jahre hin. Seit zwei Jahren arbeitet der Eigenbetrieb mit Wassersäcken, die um die Baumstämme gebunden werden und so effizienter Wasser abgeben. Diese Methode spart zwar Zeit; aber es müsse regelmäßig kontrolliert werden, ob Risse – beispielsweise durch Tiere wie Mäuse und Ratten herbeigeführt – einen Ersatz nötig machten.

Auch an Wochenenden wird gewässert

Zu den Bäumen kommen Beetpflanzen und bepflanzte Kübel. Selbst am Wochenende sind Mitarbeiter mit Wassertanks unterwegs, weil es die Pflanzen zwei Tage lang ohne das lebensspendende Nass nicht schafften, erzählt der Betriebsleiter. Dabei muss sein Eigenbetrieb derzeit mit vier Mitarbeitern und zwei großen (Fassungsvermögen bis zu 8000 Liter) sowie einem kleinen Fahrzeug mit Wassertank auskommen. Zum Team zählen noch vier Baumpfleger, zwei weitere Stellen sind ausgeschrieben, aber noch nicht besetzt. Natürlich wären mehr Geld und mehr Personal nötig und wünschenswert, dies müsse indes angesichts der künftigen Haushaltsplanungen realisierbar sein, weiß der Eigenbetriebsleiter.

Dabei wurde in den vergangenen Jahren einiges getan. Neue Baumpflanzungen – bis zu 150 pro Jahr auf Stadtgebiet – werden mit möglichst einheimischen, vor allem aber hitzeresistenteren Arten getätigt: darunter Ahornsorten, Elsbeere, die in Deutschland gezüchtete Purpurerle, Traubeneiche oder der aus Südeuropa stammende Zürgelbaum. „Es kann aber leider nicht überall gepflanzt werden, wo es wünschenswert wäre, wie zum Beispiel in der Fußgängerzone.“ Zu viele Leitungen und Kabel machten hier den Wurzeln unterirdisch Konkurrenz. Um mehr kühlendes Grün in die Stadt zu bringen, werde künftig sicher auch auf die Begrünung an Fassaden und Dächern gesetzt. Hier allerdings müsse die Stadt an Bürger und Bauherren appellieren, Eigeninitiative zu ergreifen. „Die Stadt sind wir schließlich alle“, zitiert Jens Fondy-Langela Alt-OB Heute-Bluhm.

„Schottergärten sind ein No-go.“

Und so könne auch jeder Gartenbesitzer einen Beitrag leisten. „Schottergärten sind ein No-go, jeder Stein mehr heizt die Umgebung auf“, erklärt er. Klimaresiliente Pflanzen zu pflanzen und lieber den Garten statt einen Pool zu wässern, sieht er als wünschenswert. Auch einen braunen Rasen sollte man im Hochsommer wegstecken können, das kostbare Nass lieber für die anderen Pflanzen verwenden.

Wie es wohl in 30 Jahren in Städten wie Lörrach aussieht? Der Eigenbetriebsleiter ist kein Hellseher, rechnet aber mit großen Veränderungen, was die Pflanzenwelt betrifft. Dass in der Lerchenstadt eine Palmenallee wächst, hält er denn aber doch für unwahrscheinlich.

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