Lörrach Das Leben ist im Fluss

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Den zahlreichen Besuchern der Literatur-Matinee des Hebelbunds gefielen die Wort- und Musikbeiträge von Helen und Frieder Liebendörfer sehr gut. Foto: Schennen

Lörrach (chs). Die Fährmänner standen an Sonntag im Mittelpunkt einer vom Hebelbund Lörrach organisierten Matinee. Helen Liebendörfer las im Hebelsaal des Dreiländermuseums Auszüge aus Büchern, in denen die Erlebnisse der Flussüberquerer beschrieben werden.

Ein Großteil stammte aus „Dr Fährima verzellt“ von Karl Städeli, der laut Liebendörfer 50 Jahre Fährmann in Basel war. Das Buch ist 1970 erschienen und heute – wenn überhaupt – nur noch antiquarisch erhältlich.

Städeli hat im Lauf seiner Arbeit mehrmals Leute aus dem Wasser gezogen und einmal sogar einen Selbstmord einer Frau im Rhein verhindert. Während der Überfahrt von einer auf die andere Seite des Flussufers musste Städeli manchmal „innerhalb von einer Minute 20 Personen erledigen“, also das Fahrtgeld kassieren, wie er in seinen Erinnerungen schreibt. Eine Dame habe immer mit einem 50 Franken-Schein bezahlt, worauf Städeli ihr das Fahrtgeld erlassen habe. Eines Tages gab er ihr Rückgeld, das lediglich aus Zähnerli, Zwanzigerli und Fünferli bestand, so dass die Hosentasche der Dame voll mit Münzen war.

Literatur- und Musikbeiträge im stimmigen Wechsel

Gleich vier Bücher mit Fährengeschichten schrieb der Schweizer Schriftsteller Rudolf Graber. In einer Geschichte, die Liebendörfer vorlas, geht es um das Baden im Rhein. Als die Arbeiter sich den Besuch von Badeanstalten noch nicht leisten konnten, sprangen sie einfach in Basels größtes Gewässer. Bürger missbilligten die Lautstärke, die dabei entstand und riefen die Polizei. Ein Polizist notierte sich die Namen der Personen, die im Rhein badeten. Immer mehr strömten auf ihn zu und zeigten sich an, was den Polizisten überforderte. Er verließ das Flussufer genervt mit dem Worten „Leckt mich doch am Arm“.

Zu hören waren auch die Gedichte „Fährilied“ von Blasius, „Rheinrauschen“ von Dominik Müller und „I bin der Fäärimaa“ von Heidy Würth.

Zwischen den Wortbeiträgen spielte Frieder Liebendörfer am Klavier jeweils ein Musikstück – neben dem „Album für die Jugend“ von Robert Schumann auch das „Loreley“-Lied und „Z’Basel am mym Rhy“.

Neben amüsanten Geschichten schilderte Liebendörfer kurz, wann welche Fähre in Basel ihren Betrieb aufnahm, mit welcher Technik sie betrieben werden und dass die Basler Künstlergesellschaft eine „Fliegende Brücke“ zwischen der Harzgrabenschanze und der Baarmatte initiierte, um mit deren Erlösen ein Kunsthaus (heutige Kunsthalle) bauen zu können.

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