Lörrach „Das wird ein turbulentes Jahr“

Der Citymarkt 2016: „Die Händler, die wir früher beim Jahrmarkt hatten, sterben langsam aus“, sagt Anja Busse. Archivfoto: Kristoff Meller Foto: Die Oberbadische

Lörrach. Aufgrund der Sanierung der Rathaustiefgarage wird es im kommenden Jahr keine Jahreskarten und kein Kinderareal auf dem monatlichen Flohmarkt geben. Der Platz vor dem Rathaus steht nur eingeschränkt zur Verfügung. Sollten aufgrund der Umbauarbeiten keine geeigneten Flächen gefunden werden, kann auch ein Termin komplett entfallen (wir berichteten). „Das wird ein turbulentes Jahr werden“, erklärte Marktmeisterin Anja Busse bei der städtischen Pressekonferenz am Dienstag. Denn der Mensch sei ein Gewohnheitstier: „Das ist das größte Problem.“ Feste zugewiesene Plätze für das ganze Jahr oder verlässliche Angaben, wie viele Plätze im kommenden Monat angeboten werden können, kann Busse für 2020 aber nicht bieten. Mal könnten es 100 sein, wenn die Bagger anrücken aber vielleicht auch nur mal 50. „Wir müssen von Monat zu Monat schauen“, hatte sie schon im Hauptausschuss erklärt.

Eine wirkliche Alternative gebe es nicht: „Keiner will ins Grütt“, stellte Busse klar. Dort fehle vor allem auch die Laufkundschaft. Und Oberbürgermeister Jörg Lutz betonte, dass der Hebelpark als Alternative nicht in Frage komme, da er bei beiden Wetterextremen – Hitze im Sommer, Nässe im Winter – extrem unter der Belastung leiden würde. „Der Park wäre zerstört“, so Lutz.

Der ebenfalls im Hauptausschuss vorgeschlagene Platz hinter der Stadtkirche als Ausweichstandort komme auch nicht in Frage, da die Parkplätze nicht genutzt werden könnten und die restliche Fläche zu klein sei.

Zur Bezeichnung „Stadt der Märkte“ für Lörrach, den die ehemalige Marktmeisterin und CDU-Stadträtin Petra Höfler im Hauptausschuss aufgegriffen hatte, erklärte Lutz: Die Lerchenstadt habe mit den Wochenmärkten, dem Weihnachtsmarkt und dem – wenn auch nun „gerupften“ Flohmarkt – noch immer viele Märkte. „Ich behaupte, der Rummel würde heute auch nicht mehr laufen.“ Die Menschen seien verwöhnt von Attraktionen im nahen Europapark oder – wenn sie das nötige Kleingeld haben – von der Herbstmesse in Basel. „Mit einem Kettenkarussell oder einem Autoscooter kann man heute niemand mehr locken“, sagte Lutz. Das seien eher nostalgische Gedanken an frühere Zeiten. Auch die traditionellen Krämermärkte funktionieren laut Lutz heute nur noch in kleineren Orten, in denen die Dorfgemeinschaft bei diesen Veranstaltungen zusammenkommt.

„Die Händler, die wir früher beim Jahrmarkt hatten, sterben langsam aus“, ergänzte Marktmeisterin Busse. Denn spezielle Artikel, die man sonst nur einmal im Jahr auf dem Markt habe kaufen können, seien nun im Internet verfügbar. Busse: „Die Händler leben am Existenzminimum und empfehlen ihren Kindern, auf keinen Fall weiterzumachen.“

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