Lörrach Den Dialog mit den Bürgern befeuern

Lörrach - Bundesweit regt sich unter Landwirten Protest gegen das Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung, das ein Verbot von Herbiziden und biodiversitätsschädigenden Insektiziden vorsieht. Die hiesigen Winzer und Landwirte rund um den Tüllinger Berg entzünden nun am Samstag zwei Mahnfeuer, um dort in den Dialog mit den Bürgern zu treten und ihre Situation zu verdeutlichen.

„Wir möchten die Bevölkerung direkt erreichen und nicht nur Verbände oder Nicht-Regierungsorganisationen diskutieren lassen“, erklärte Johannes Schneider vom gleichnamigen Weiler Weingut beim Pressegespräch am Dienstag die Intension hinter der Aktion. „Es bringt nichts, gegenseitig mit dem Finger auf den anderen zu zeigen, wir brauchen ein faires Miteinander“, forderte Winzerin Susanne Engler aus Haltingen, die sich „zum Teil sehr missverstanden“ fühlt. Wenngleich es bisher – anders als beispielsweise am Kaiserstuhl – nicht zu Anfeindungen gekommen sei.

Mahnfeuer bis Ende März vorgesehen

Oberhalb des Haltinger Friedhofs und beim Bammerthüsli in Tüllingen wird darum um 17 Uhr jeweils ein Holzstoß entzündet. Die Mahnfeuer sollen laut Engler bis mindestens bis März an jedem ersten Samstag im Monat entzündet werden.

Am wärmenden Feuer erhoffen sich die Organisatoren einen regen Austausch: „Es gibt keine Reden und es ist keine politische Aktion, wir wollen den Menschen einfach unsere Situation näherbringen“, betonte Christoph Schneider. „Wir als Winzer haben beispielsweise nicht nur Reben sondern auch andere Flächen, die wir bewirtschaften damit sie gepflegt sind, ohne einen Ertrag zu erzielen.“ Dies sei ein wichtiger Beitrag für die abwechslungsreiche Landschaft sowie die Flora- und Faunavielfalt, die den Tüllinger auszeichne und ihn so beliebt als Naherholungsgebiet mache, ergänzte der Nebenerwerbslandwirt Michael Lindemer aus Tüllingen. Er betonte: „Wir haben Herzblut für die Landschaft, sonst würden wir das nicht machen.“

Sehr strenge Pflanzenschutzrichtlinien

Susanne Engler wies auch auf die „sehr strengen Pflanzenschutzrichtlinien“ und „sehr hohen sozialen Standards“ hin. Diese seien wichtig und sinnvoll, gleichwohl werde Ware aus Übersee oft nicht so kritisch hinterfragt wie die von regionalen Erzeugern. In den vergangenen Jahren habe sich zudem bereits einiges in der konventionellen Landwirtschaft getan: „Früher hat man sich keine Gedanken über Blühstreifen zwischen den Reben gemacht“, erklärte Lindemer. „Wir haben aber vielleicht den Fehler gemacht, das nicht deutlich genug zu kommunizieren“, sagte Engler.

Eine reine Bio-Bewirtschaftung sei am Tüllinger, wo es viele kleine Parzellen gibt, jedoch nicht möglich, sind sich die Mahnfeuer-Organisatoren einig. „Wenn die Grundlage für die Landwirtschaft genommen wird, wird es den Berg so nicht mehr geben“, warnte Christoph Schneider und erinnerte an den „Rattenschwanz“ bestehend aus Gastronomie, Tourismus, Weinfeste und Co. Die aktuelle Situation wirke sich zudem sehr negativ auf den ohnehin nicht gerade üppigen Nachwuchs in der Landwirtschaft und bei den Winzern aus, stellte Johannes Schneider dar: „Viele sind total verunsichert.“

Lebenswandel bei den Verbrauchern gefordert

Das Ziel müsse nicht nur ein Wandel in der Bewirtschaftung sein: „Es braucht auch einen Lebenswandel bei den Verbrauchern“, forderte Johannes Schneider mit Blick auf die Ernährung. Und Michael Lindemer betont: „Die Umstellung eines Betriebs braucht Zeit, genau so wie eine Familie nicht von heute auf morgen ihr Budget für Lebensmittel verdoppeln kann.“

Sie möchten alle Nachrichten aus Ihrer Gemeinde lesen?
Dann testen Sie unser ePaper – 3 Wochen völlig gratis und unverbindlich! Klicken Sie HIER.

  • Bewertung
    0

Newsticker

blank

Umfrage

fafe02b0-19df-11ea-8a47-8b6f47fa27ae.jpg

Beim vergangenen SPD-Parteitag wurden die Außenseiter Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans an die Spitze gewählt. Werden die Sozialdemokraten mit der neuen Personalie an Stärke gewinnen?

Ergebnis anzeigen
loading