Lörrach Den Weg hin zur nachhaltigen Mobilität ebnen

Marco Fraune
 Foto: Kristoff Meller

Lörrach hat unter 36 verglichenen Kommunen im trinationalen Oberrhein-Gebiet die meisten Bushaltestellen pro Quadratmeter, doch deshalb noch nicht den besten ÖPNV. Das ist nur eine Erkenntnis aus einer Vielzahl von Daten, die nun über eine neue Internetseite für alle Bürger abrufbar sind. Bei diesem Projekt geht es um nachhaltige Mobilität.

Von Marco Fraune

Lörrach. Ziel ist dabei, die Gemeinden am Oberrhein beim Auf- und Ausbau grenzüberschreitender, nachhaltiger Verkehrssysteme zu unterstützen. „Wenn man es nicht messen kann, kann man es nicht steuern“, schilderte Projektkoordinator Markus Hofmann von der Uni Freiburg den Ansatz des Unterfangens, Diskussionen mehr auf der Grundlage von Fakten als auf emotionalen Einschätzungen zu führen. „Wir müssen zu einer nachhaltigen Form der Mobilität kommen“, steht für Barbara Koch, Professorin für Fernerkundung und Landschaftsinformationssystem der Uni Freiburg, fest. Der Verkehr sei hier Schlüssel und Problem zugleich.

Mobilität messbar machen

Aspekte wie die politischen Rahmenbedingungen, der Mobilitätsbedarf sowie die Entwicklung eines Indikatorensystems liegen der Analyse zu Grunde, aus der Info-Systeme für Kommunen entwickelt werden. Wichtig sei zugleich, dass hier auch eine Fortführung des Systems erfolgen soll, um künftige Veränderungen aufzuzeigen. Diese Weiterentwicklung als Planungswerkzeug und die Dynamisierung sind als Interreg-II-Projekt das angestrebte Ziel. Nur dann sei es zukunftsfähig.

Die zurückliegende Hauptarbeit war laut dem wissenschaftlichen Mitarbeiter von Koch, Janusch Jehle, die kommunale Mobilität messbar zu machen. Mit Unterstützung des Online-Geodatendienstes „Here“ konnten entsprechende Daten wie Fahrpläne, Verkehrsinfrastruktur oder Unfallstatistiken, erstmalig in dem kommunalen Informationssystem für nachhaltige Mobilität zur Verfügung gestellt werden, hieß es bei der Vorstellung am Mittwoch. Über ein umfangreiches Indikatorensystem werden Aspekte wie Fußgängerfreundlichkeit, Emissionen oder Flächenverbrauch der Kommunen dargestellt und vergleichbar gemacht.

So hat Lörrach, aber auch Kommunen wie Weil am Rhein und Rheinfelden, systematisch verknüpfte Daten, um Zusammenhänge herauszuarbeiten und Prioritäten zu setzen, wie Hofmann unterstrich. Es handelt sich hier erst einmal um den „ersten Wurf“. Dies könne weiter modifiziert werden, was auch angestrebt wird.

Für Versachlichung

Erst einmal bewertet Bürgermeister Monika Neuhöfer-Avdic die Bewertung als „Beitrag zur Versachlichung der Debatte“. Die Stadtspitze und weitere Stadtverantwortliche sehen nun beispielsweise, dass die Betriebsfrequenz an den vielen Bushaltestellen nicht sehr hoch ist. Doch 80 Prozent der Bürger lebten in Laufdistanz zu Haltestellen (weiterer Bericht zu den genauen Zahlen folgt). Die Bürgermeisterin regte hier die grundsätzliche Betrachtung an, ob nicht weniger Bushaltestellen, aber dafür stärkere Linie mit besserer Frequenz zielführend seien. Die Stadt wolle Rad- und Fußgänger-freundlicher werden. Doch hier müsse man eben messen, um steuern zu können.

Lörrach. Das „Nachhaltige-Mobilitäts-Projekt“ lief von Juli 2018 bis Ende Dezember 2021. Die Gesamtkosten betragen rund 2,8 Millionen Euro. Die Stadt Lörrach hat keinen direkten finanziellen Beitrag geleistet, sondern ihren Beitrag in Form von Arbeitsstunden in das Projekt eingebracht, die anteilig durch das Interreg Programm in einer Höhe von 35 000 Euro bezuschusst wurden.

Das im Rahmen des „Sumo-Rhine“-Projekts entwickelte System wurde unter Federführung von der Professur für Fernerkundung und Landschaftsinformationssystem der Uni Freiburg in Zusammenarbeit mit den Deutschen und Französischen Partnern des „Sumo-Rhine“-Projektkonsortiums entwickelt. Dazu gehören unter anderem das Karlsruher Institut für Technologie, die Universitäten Koblenz-Landau, Strasbourg und Haute-Alsace sowie die école d´architecture Strasbourg.

Das Kommunale Informationssystem für Nachhaltige Mobilität (Kinamo) ist ab sofort in einer Betaversion für alle Interessierten im Internet unter https://kinamo-3ec0e.firebaseapp.com/home verfügbar. Das Kinamo soll Kommunen ermöglichen, die bestehenden regionalen Mobilitätssysteme zu bewerten. Die Gemeinden am Oberrhein sollen so beim Auf- und Ausbau grenzüberschreitender, nachhaltiger Verkehrssysteme unterstützt werden.

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