Lörrach „Der Beruf liegt mir im Blut“

Lörrach - Ein halbes Jahrhundert schneiden, waschen, färben: Sascha Welzel feiert am Samstag das 50-jährige Jubiläum seines gleichnamigen Friseursalons in Stetten, der von seinem Vater Peter gegründet wurde. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt der heutige Besitzer von der Friseur-Dynastie der Welzels und wie sich der Beruf über Jahrzehnte hinweg verändert hat. 

„Mein Vater, mein Großvater, mein Urgroßvater, mein Bruder, meine Onkels und Cousins – alle waren Friseure. Der Beruf liegt mir im Blut“, erzählt Sascha Welzel von seiner traditionsreichen Familie.

Nach der Eröffnung erster eigener Salons, zunächst in Bayern, dann in Herten, zog sein Vater Peter Welzel mit dem Betrieb im Juli 1970 in das Gebäude in der Basler Straße um. Dort befindet sich das Geschäft auch heute noch. „Das Haus war damals schon bekannt für Friseurbetriebe. Seit es gebaut wurde, gab es immer einen Salon im Erdgeschoss“, sagt der jetzige Besitzer.

Als Kind habe er in der Wohnung über dem Geschäft gewohnt, oftmals im Salon gespielt und er durfte sogar an den Haaren einiger Stammkunden „herumfrisieren“. Auch deshalb sei bereits in Jugendjahren das Interesse am Friseurberuf in ihm geweckt worden.

30 Jahre lang leitete Peter Welzel – der seit 2012 den diamantenen Meisterbrief besitzt und den Eisernen schon bald erhalten soll – den Salon, in dem stets ein weiterer Friseurmeister und drei Auszubildende beschäftigt waren. Der erste Lehrling seines Vaters sei mittlerweile sogar schon im Ruhestand, erzählt Welzel, der ebenfalls von seinem Vater ausgebildet wurde: „Früher waren so viele Dinge anders. Das Geschäft war nicht nur ein Friseursalon. Kunden kamen auch häufig vorbei, um Parfum oder Drogerieartikel zu kaufen.“

Bis in die 80er Jahre habe es zudem deutlich mehr Stammkundschaft gegeben. Welzel: „Viele hatten jede Woche einen bestimmten Termin zum Legen, Waschen oder Föhnen. Heute liegt der Fokus mehr auf dem Schneiden, was nicht so oft nötig ist.“

Außerdem sei die Konkurrenz durch Billigbetriebe und ehemalige Friseure, die schwarz arbeiteten, heutzutage weitaus größer geworden. „Das ist der ganzen Branche ein Dorn im Auge“, sagt Welzel.

Die damaligen Frisurtrends – beispielsweise die Dauerwelle oder die Langhaarfrisur bei Männern in den 70ern – seien aufgrund der häufigeren und längeren Behandlung ebenfalls „besser für die Kasse“ gewesen, sagt Welzel. Heute dominieren bei Männern die Kurzhaarfrisuren: Für einen Friseur war es immer wichtig, mit der aktuellen Mode zu gehen. „Bei Besuchen haben sich meine Onkels immer neue Schnitttechniken und Frisuren vorgeführt, und ihre Frauen mussten als Versuchskaninchen herhalten“, erzählt Welzel schmunzelnd.

Nach einem Schlaganfall im Jahr 2000 gab Peter Welzel den Salon an seine Söhne Sascha und Mario ab. Sie leiteten das Geschäft gemeinsam, bis Mario ebenfalls krankheitsbedingt aussteigen musste und leider im Oktober 2019 verstarb.

Sascha Welzel blickt dennoch zuversichtlich in die Zukunft. Nachdem er den Salon nun über ein Jahr lang alleine betrieben hat, arbeitet er seit dem 1. Juli wieder mit einer Partnerin zusammen, die den Salon ebenfalls als Unternehmerin nutzt. Der Zusammenschluss mit der Friseurmeisterin Teresa Giaccone läutet das nächste Kapitel der langen Geschäftsgeschichte ein.

Eine große Eröffnungsfeier kann aus gegebenem Anlass nicht veranstaltet werden, am morgigen Samstag soll jedoch ein Empfang mit Neueinweihung und einer kleinen Jubiläumsfeier im Salon in der Basler Straße stattfinden.

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