Lörrach Der Frosch in Vorderösterreich

Gerhard Breuer
Eine Gruppe von 30 Teilnehmern nahm am Spaziergang durch Stetten teil. Foto: Gerhard Breuer

Den historischen Kern von Stetten erkundeten am Donnerstag 30 Senioren. Eingeladen hatten das Heimatstüble und der Weltladen. Der Spaziergang wurde organisiert durch das Projekt „Gutes Älterwerden in Lörrach“.

Von Gerhard Breuer

Lörrach. Neben den Erläuterungen von Stadtführerin Ute Schönbett wurden Geschichten von Einheimischen vorgetragen. „Willkommen in Vorderösterreich“, so pflegte Ute Schönbett ihre Besucher zu überraschen. Aber die Mehrzahl der Teilnehmer wusste es: Bis zum Jahr 1806 war Stetten vorderösterreichische Enklave und gehörte zur Ober-Gerichtsbarkeit des Damenstifts von Säckingen, verwaltet seit dem 12. Jahrhundert von der Herrschaft auf Rötteln. Die Gemeinde war zehntpflichtig. Das hieß in Zahlen: 860 Liter Roggen, 700 Liter Wein sowie zwei Schweine. Das Gebiet umfasst 461 Hektar und erstreckt sich vom Schädelberg im Osten bis zur Neumatt an der Wiese.

Frosch auf einem Brunnen

Der Frosch, der auch auf einem der Brunnen (Oberdorf, Hinterdorf oder Emmabrünnle) thront, ist das heimliche Wappentier. Wenn das Quaken der Frösche die Nacht erfüllte, machten sich die Männer des Ortes mit Stangen bewehrt auf zu den zahlreichen Teichen an der Wiese und brachten die Tiere nach Hause. Dort wurden sie zubereitet und die Schenkel als Delikatesse in den örtlichen Gaststätten sowie vor allem in Basel verkauft; ein ebenso lukratives „Export“-Geschäft wie der Wein.

Wer von den Teilnehmern die historischen Orte mit älteren Bildern und Aufnahmen vergleichen wollte, konnte dies mit Hilfe eines Albums mit Fotos und Reproduktionen von Hans Brogle tun. Er ist einer von 42 Landwirten, war einer der letzten mit Viehzucht und neuerdings wieder einer der Weinbauern im Ort.

Bei allen Vorhaben, sagte er, zeigte sich, dass die „Stettemer“ zusammenhielten. Ein Beispiel waren die Verhandlungen zur Eingemeindung nach Lörrach, die vier Jahre beanspruchten. Am 1. April 1908 war es soweit.Vorher kam es auch intern zu heftigen Wortgefechten im Gasthaus „Zum Adler“, einem stattlichen Haus im Zentrum, in dem die Sitzungen abgehalten wurden. Ein weiteres Beispiel ist der Turn- und Sportverein Stetten, mit rund 2000 Mitgliedern die Nummer eins unter den Vereinen Lörrachs.

Einige Anekdoten

Beim anschließenden Vesper im „Heimatstüble“ im zweiten Stock des früheren Rathauses wurden Anekdoten ausgetauscht. Unter der Decke schwebt die Glocke des Rathauses, die vor dem Umbau in einem Türmchen auf dem Gebäude untergebracht war. Dieser war baufällig und entfernt worden.

Helmut Ruser, von Tüllingen gebürtig, aber mit Stettener Angelegenheiten wohlvertraut, berichtete von einem „innerkirchlichen Vorfall“. Der Eisenbahntunnel zwischen Stetten und Weil entstand um 1880 mit Hilfe von italienischen Arbeitern aus dem Mezzogiorno. Einer von ihnen hantierte unsachgemäß mit dem Sprengstoff und kam ums Leben. Der katholische Pfarrer in Stetten wurde gefragt: Was machen wir mit ihm? Gegenfrage des Geistlichen: Hat er was? Nein, er hatte natürlich nichts. „Dann begrabt ihn“, so der Spruch des Stettener Pfarrers, „auf dem Berg (im protestantischen Tüllingen). Das alles ist Gottes Erde.“

  • Bewertung
    0

Umfrage

Altkanzler Gerhard Schröder

Was halten Sie davon, dass Alt-Kanzler Gerhard Schröder SPD-Mitglied bleiben darf?

Ergebnis anzeigen
loading