Lörrach „Der Immobilienmarkt ist eingefroren“

Lörrach - Der Betrieb auf den Baustellen der Wohnbau Lörrach läuft bislang auch in der Corona-Krise nahezu uneingeschränkt weiter, gleiches gilt für die Baugenossenschaft Lörrach. Indes übt Wohnbau-Geschäftsführer Thomas Nostadt Kritik an der aktuellen Regelung zur Stundung von Mieten.

Auf dem Areal der Weberei Conrad sei der Fortgang der Arbeiten ebenso im Plan wie auf den Baustellen der Wohnbau in der Austraße, in Tumringen und am Schopfheimer Eisweiher. Lediglich der ein oder andere „kleinere Hänger“ sei aufgrund der personellen Besetzung von Handwerksbetrieben zu verzeichnen gewesen.

Für die Baugenossenschaft Lörrach bestätigte deren Geschäftsführer Andreas Seiter ebenfalls den geregelten Gang der Dinge beim Projekt „Lerchenhof“.

Mitunter ziehe die Baugenossenschaft aktuell hier und da Handwerksaufträge vor, um das Handwerk in der Region zu stützen.

Die Wohnbau Lörrach betreut rund 4000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten in Lörrach, Schopfheim und Weil am Rhein, rund 3000 befinden sich in ihrem Eigentum. Dass die Bundesregierung ein Gesetz beschlossen habe, „das Vermietern den Atem nehmen kann“, sieht Nostadt mit Sorge. Die Option für Mieter, in den Monaten April bis Juni gegebenenfalls die Stundung ihrer Mietzahlungen beanspruchen zu können, sei letztlich eher schädlich als hilfreich. Denn: Rund zwei Drittel der Mietwohnungen gehörten nicht etwa Großkonzernen sondern Privatpersonen, und diese könnten durch den Ausfall von Mieteinnahmen in erhebliche Schwierigkeiten geraten. Nostadt: „Drei Monate Mietausfall kann für manch einen Vermieter verheerende Folgen haben.“ Zudem sei das Miteinander zwischen Mietern und Vermietern in der Regel „vernünftig“, so Nostadt mit Blick auf in der Krise eventuell entstehende Härtefälle.

Hinzu komme, dass gesetzliche Möglichkeiten zur Aussetzung von Mietzahlungen womöglich auch von Mietern genutzt würden, für die diese Regelung nicht geschaffen wurde, etwa – wie zuletzt öffentlich debattiert – von Großunternehmen wie Adidas.

Dabei gebe es durchaus Alternativen zur gegenwärtigen Regelung, die Sicherheit für Mieter und Vermieter schaffen würden, etwa einen staatlichen Sicherungsfonds, der Mietzahlungen gewährleisten könnte, so Nostadt.

Mit Blick auf die Mieter der Wohnbau Lörrach rechne er mit einer „sehr besonnenen“ Reaktion. Bislang sehe er „keinerlei Auffälligkeiten“, sagte er.

Seiter zeigte sich in dieser Frage ebenfalls zuversichtlich. Auch die Baugenossenschaft werde im Übrigen „niemanden im Regen stehen lassen, der durch Corona in wirtschaftliche Schieflage gerät.“

Dies, so Seiter, sei allerdings auch schon vor Corona der Fall gewesen: „Man muss immer den Einzellfall anschauen“, sagte er.

Natürlich gleiche eine Einschätzung über die Entwicklung des regionalen Immobilienmarkts derzeit noch „einem Blick in die Kristallkugel“, betonte Nostadt. Was aber jetzt schon deutlich zu bemerken sei: „Der Immobilienmarkt ist eingefroren. Jeder bleibt, wo er ist. Wer nicht muss, bewegt sich nicht. Die Leute wissen ja noch nicht mal, ob sie in zwei Monaten umziehen können.“

Bei aller Vorsicht wagt Nostadt doch eine Prognose: „Ich gehe davon aus, dass die zu erwartende wirtschaftliche Rezession zu einer deutlichen Beruhigung auf dem Immobilienmarkt führen wird – auch in der Region.“

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