Lörrach Der Star ist die Mannschaft

Lörrach - Bühne frei für die Narrenzunft! Am morgigen Mittwoch fällt in der Alten Halle Haagen der Vorhang für die Premiere der Zunftabendreihe 2020. Im Interview mit Bernhard Konrad sprach Oberzunftmeister Andreas Glattacker über den närrischen Abend, die finanzielle Situation der Zunft und das Miteinander der Zunftmeister.

Herr Glattacker, demnächst ist Zunftabendpremiere: Wie laufen die Proben?

Wir proben in dieser Phase alle zwei Tage, nebenbei müssen Aufbauarbeiten in der Alten Halle organisiert werden. Diese ist zwar bereits angemietet, aber wir geben den Vereinen bis vor der Zunftabendwoche die Möglichkeit, die Halle zu nutzen. Das schränkt uns ein bisschen ein, und manchmal geht es drunter und drüber: Aber wir bekommen das schon hin!

Wann beginnen die Zunftmeister mit den Proben, und wie baut sich der Probenverlauf Richtung Zunftabend auf?

Wir treffen uns im Laufe des Jahres immer wieder mal, aber die Arbeitssitzungen beginnen in der Regel Mitte September. Dann werden erstmals Themen für den 11.11. und den Zunftabend erörtert. In den folgenden Wochen können die Zunftmeister zum einen ihre Vorträge für den 11.11. entwickeln, zum anderen werden die Zunftabend-Diskussionen konkreter. Das heißt: Die Themenauswahl wird verdichtet, und wir überlegen, welche Nummern sich besonders gut für musikalische Begleitung eignen. Im nächsten Schritt werden auch Melodie-Ideen gesammelt.

Werden die Zunftabend- Nummern in den folgenden Monaten weiterentwickelt? Bis wann wird aktualisiert?

Sie werden im Grunde ständig weiterentwickelt. Gelegentlich müssen wir Passagen streichen, in anderen Fällen fügen wir Neues hinzu. Mitunter kommt letztendlich die Version acht, neun oder zehn auf die Bühne. Wie ist die Zunft derzeit schauspielerisch aufgestellt? Wir sind acht Spieler und als Gruppe gut aufgestellt. Mit Blick auf die Altersstruktur könnten wir durchaus etwas Verstärkung durch jüngere Spieler gebrauchen. Aber es muss halt passen, denn die Aufgaben gehen bei uns übers Spielen hinaus: Wir entwickeln unsere Stücke komplett selbst.

Wie ist die Aufgabenverteilung innerhalb der Zunftmeister-Gruppe? Muss jeder alles spielen können?

Nein, jeder hat irgendwo seine Stärken, und die versuchen wir bestmöglich herauszukitzeln. Den einen liegt eher die Kreativität in Form von Bühnengestaltung, andere sind eher dem Entwickeln von Texten oder der musikalischen Umsetzung zugetan – entsprechend bringen sich die Kollegen ein. Daneben muss auch der Ablauf der närrischen Saison als Ganzes organisiert werden, hinzu kommt noch die Vereinsarbeit, wie sie überall ansteht. So steuern alle ihren Teil bei – wichtig bei uns ist: „Es gibt keine Stars – die Mannschaft zählt.“ Zum Zunftabend-Team gehören indes nicht ausschließlich die Akteure auf der Bühne.

Wer gehört noch dazu?

Über die Schauspieler hinaus haben wir zwei Souffleusen, zwei Maskenbildnerinnen, mehrere Mann für den Kulissenbau, einen Kulissenmaler und Leute für Licht und Ton, Kartenmanagement sowie Gastronomie. Maske, Kostüme und die Qualität der Kulissen sind beachtlich.

Wie viel Arbeit steckt in den Bühnenbildern?

Wolfgang Krell ist professioneller Maler und bekommt für seine Kulissenmalerei ein Honorar. Wir möchten keine allzu statischen Bilder, die eine Szenerie quasi eins zu eins wiedergeben. Wir brauchen den Wiedererkennungswert, aber auch eine gewisse Tiefe in den Bildern – ich denke, dass wir das gut hinbekommen. Früher mit Dieter Roth, dann mit Hanspeter Goldian und heute mit Wolfgang Krell.

Wie ist die Alte Halle als Spielort?

Zum Spielen klasse. Die Bühne ist nicht zu hoch, wir sind nah an den Gästen. Das ist für die Schauspieler schön – und für’s Publikum auch. Die Bühne ist nicht ganz so groß, aber für uns absolut ausreichend. Hinter der Bühne ist es zwar recht eng, aber das macht’s irgendwie auch aus: Man bekommt alles mit, wir sind beieinander. Ein kleiner Nachteil ist, dass wir nur knapp 220 Leute in die Halle bekommen. Wir spielen neun Zunftabende in zwei Wochen. Optimal wäre es, wenn wir rund 100 Gäste mehr in der Halle hätten und dafür auf sechs, sieben Zunftabende reduzieren könnten.

Wie werden die Zunftabende finanziert?

Und: Wie ist die Zunft insgesamt finanziell aufgestellt? Eine Zunftabendproduktion kostet mit allem drum und dran rund 30 000 Euro, inklusive Live-Musik, Hallenmiete, Veranstaltungs- und Haftpflichtversicherung, Gema-Gebühren sowie Kosten für Kostüme, Bühnenmaterialien und -bilder. Den Großteil dieses Betrags holen wir mit den Eintrittskarten wieder rein, eine weitere Einnahmequelle sind die Inserenten in unserem Programmheft. Darüber hinaus bekommen wir den ein oder anderen Zustupf von Lörracher Institutionen wie etwa lokalen Banken – und nicht zu vergessen, die Einnahmen über Passivbeiträge. Wir benötigen zudem eine bestimmte Summe an Rücklagen, damit – falls tatsächlich aus irgendwelchen Gründen etwas schief laufen und Zunftabende kurzfristig ausfallen sollten – nicht gleich alles auf der Kippe steht und zusammenbricht.

Ich weiß, Sie halten den Deckel drauf, aber ich frag’ trotzdem: Kann man thematisch schon etwas verraten?

(schmunzelt) Ja, also... wir bleiben thematisch überwiegend bei uns in der Gegend. Aber natürlich werden wir auch national. Und international. Aber runtergebrochen auf Lörrach.

Ah ja... – vielleicht noch ein klein wenig konkreter?

Noch konkreter?! Eine Nummer trägt jedenfalls den Titel: „S’würd knapp“... Ach ja – sicher ist: auch Weil am Rhein kommt vor.

Mitwirkende:
Kulisse: Hans-Werner Schuldt und Andi Kühn
Kulissenbau: Fabian Weis
Kulissenmalerei: Wolfgang Krell
Maske: Lilo Benz und Mary Fazis
Soufleuse: Ellen Quercher und Andrea Rümmele
Kartenmanagement: Susanne Grussenmeyer und Peter Quercher
Licht & Ton: Lukas Grussenmeyer und Nico Vogt
Bar: Bärbel Jung
Catering: Ralf Buser
Bühne: Karlheinz Sterzel (Regie), Philipp Buser, Andreas Kuck, Thomas Wagner, Ralf Buser, Klaus Ciprian-Beha, Nico Vogt, Peter Quercher, Andreas Glattacker sowie Claudia Stiegeler mit den Zundelgirls, Rolf Hauser mit den „Nightshadows“ und etliche fasnächtliche Musik-Formationen aus dem In- und Ausland

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