Lörrach - Nach längerer Abwesenheit kam er wieder nach Lörrach: Der Berliner Sänger, Liedermacher, Autor und Schauspieler Klaus Hoffmann wurde am Mittwoch von seinen Fans im Burghof gefeiert.

„Das ist derselbe Mond ... derselbe Mond...“ Die Zuhörer singen inbrünstig mit, als er das Liebeslied anstimmt. Das ist derselbe Mann, möchte man anfügen. Denn eines ist offensichtlich: Hoffmann ist sich treu geblieben. Seinem Stil, seiner unverbrüchlichen Romantik und seinen Erinnerungen, an denen er die Fans seit über 40 Jahren teilhaben lässt.

Puristisches Bild

Mit Anzug und Gitarre steht der 67-Jährige auf der Bühne – diesmal ohne Band, dafür mit Hawo Bleich am Flügel: Die beiden sind ein eingespieltes Team, das keine Pannen fürchten muss.

Über 40 Alben hat er veröffentlicht. Deren jüngstes mit dem Titel „Aquamarin“ stellt er im Burghof vor. Und packt zur Freude der Fans zwischen neue, hörenswerte Nummern wie die Jimmy Webb-Adaption „Die Mondin ist ein kalter Stein“ viele alte Hits, die sich stilistisch nahtlos einfügen.

Mit rauer gewordener, aber unvermindert sonorer Stimme, singt und erzählt sich Hoffmann durch Kindheit, Karriere und große Lieben. Vor allem die zu seiner Frau, der er gegen Schluss das Lied „Wenn Malene träumt“ widmet.

Doch zunächst geht es weit zurück. Zum Tod des Vaters im Jahr 1961, an den er in so vielen Songs erinnert, zu dem im gleichen Jahr beginnenden Mauerbau, der im Stück „Stein auf Stein“ thematisiert wird, und zum Leben im geteilten Berlin. Mit einem Frühlingslied, das er „mit fünf oder sechs Jahren schrieb“, bekommen die Zuhörer einen unmittelbaren Einblick in die damalige kindliche Gedankenwelt.

1975 – kurz bevor Hoffmann den Edgar Wibeau in Plenzdorfs „Neuen Leiden des jungen W.“ spielte – veröffentliche er unter dem Titel „Klaus Hoffmann“ sein bahnbrechendes Debütalbum. Daraus spielt er im Burghof unter anderem „König der Kinder“ und bringt mit „Weil Du nicht bist wie alle anderen“ vom 1979-Album „Westend“ einen weiteren Klassiker. Nicht der einzige, den die Fans textsicher mitsingen.

„Jetzt kommt eine uralte Kamelle“, kündigt Hoffmann die Nummer „Hanna“ (1978) an. Auch die erkennen die Zuhörer nach drei Akkorden, ebenso „Gerda“ und die Hymne „Für det bisschen Zärtlichkeit“, in der Hoffmann die Sehnsucht nach Liebe allen Stürmen und Moden entgegenhält.

"Ich wäre wahrhaft verstummt"

Das Politische ist – zumindest im Lied – nur die Randnotiz, die für Lebensumstände sorgt. „Wir wollten frei von den ‘ismen’ sein“, erinnert er sich an seine jungen Jahre. Auch 1968 habe er nicht zu den rebellischen Geistern gehört, erzählt er und bekennt: „Hätte ich nicht die Gitarre gehabt, ich wäre wahrhaft verstummt.“

So aber tummelte er sich in den Clubs, entwickelte seinen eigenen Stil und brachte wie kein Zweiter den gefühlvoll-dramatischen Gestus der französischen Chansonniers und italienischen Cantautori in die deutsche Liedermacherkultur. Vom unlängst verstorbenen Charles Aznavour, neben Jacques Brel eines seiner großen Vorbilder, hat er im Laufe der Jahre viele Lieder gesungen. Im Burghof widmet er ihm den Song „Du siehst aus wie Papa“.

Gute zwei Stunden lang verbreitet Hoffmann die Melancholie, die seine Fans lieben. Ein allzeit selbstironisches Augenzwinkern sorgt dafür, dass es nirgends zu süßlich wird. Auch wenn er hier und da nur knapp am Kitsch vorbeischrammt. Kollisionsgefahr droht vor allem da, wo Hawo Bleich, der kongeniale Co-Autor vieler Songs, zusätzlich Streicherklänge aus dem auf dem Flügel platzierten Synthesizer holt. Aber auch da bleibt Klaus Hoffmann sich treu. Und seinen Fans, die ihn gerade für seinen Mut zum großen Gefühl verehren.