Lörrach „Deshalb bin ich Ärztin geworden“

Lörrach - Über das deutsche Gesundheitssystem beklagt sich manch ein Bürger und Politiker. Vor allem in Anbetracht der Corona-Pandemie werden Probleme immer deutlicher. Doch im internationalen Vergleich sind viele deutsche Standards weit vorne. Iris Hausmann, Anästhesistin und Notfallmedizinerin, zieht es trotzdem in ein paar Tagen zum zweiten Mal weg von ihrem eigentlichen Arbeitsplatz am St. Elisabethen-Krankenhaus.

Sie wartet auf den Einsatzbefehl von „Ärzte ohne Grenzen“. Wohin es gehen wird, weiß Hausmann derzeit noch nicht. Auch noch nicht, wie lange sie benötigt werden wird. Das entscheidet sich in den nächsten Tagen, oder Wochen, wie sie im Gespräch erläutert. „Die Organisation geht dahin, wo die Not am größten ist. Das gehört zu den Grundprinzipien des internationalen Netzwerks.“

Ob Katastrophen oder bewaffnete Konflikte, die Mediziner helfen vielseitig weltweit, unparteiisch und neutral. Dabei ist neben der direkten medizinischen Versorgung auch die Präventionsarbeit ein wichtiger Baustein des Wirkens. Ferner unterstützt „Ärzte ohne Grenzen“ bei der Errichtung regionaler Infrastrukturen im Gesundheitswesen und leistet damit Hilfe zur Selbsthilfe.

Dem Einsatz gehen Aufnahmeprüfungen und Schulungen voraus

Bereits im vergangenen Herbst war Hausmann erstmals für den internationalen Verein tätig und leistete ihren Dienst mit der spanisch verwalteten Sektion drei Monate lang in Äthiopien. Dem gingen verschiedene Aufnahmeprüfungen und Schulungen voraus, bei denen die Bewerber medizinisch, psychologisch als auch sprachlich bewertet werden.

„Reich wird man dabei nicht. Es gibt eine Aufwandsentschädigung und freie Unterkunft. Aber genau wegen solcher Einsätze bin ich überhaupt Ärztin geworden“, erzählt Hausmann. „Man nimmt jede Einschränkung in Kauf, weil man ein höheres Ziel hat.“

Dabei müsse man sich auch bewusst sein, dass die politische Lage in einem Land kippen kann, wie sie selbst erfahren musste. „In den letzten Wochen in Äthiopien entwickelte sich ein Bürgerkrieg im Norden des Landes. Es ist ein seltsames Gefühl, wenn plötzlich zahlreiche Panzer durch die Stadt fahren und einfach mal das Mobilfunknetz durch die Regierung abgeschaltet wird.

Dabei sei weniger die Sorge um sich selbst im Fokus, als mehr die Gedanken der Angehörigen, wenn das Telefon nicht mehr erreichbar sei.

Zu Iris Hausmanns Aufgaben gehörten viele beratende Aufgaben, da das Spital kurz vor dem Übergang in die Selbstverwaltung stand. Im Bereich der Anästhesie arbeitete sie zusammen mit einheimischen Fachkräften in der Optimierung der Aufgabenfelder. Hierzu erstellten sie anhand der Vorgaben von „Ärzte ohne Grenzen“ ein Guidelines-Buch und gaben diverse Unterweisungen.

Da für die Wiederbelebungsfortbildung keine Übungsphantome wie im deutschen Erste-Hilfe-Kurs verfügbar waren, kaufte Hausmann nach langer Suche einen fast ein Meter langen Kuschelbären, der für die verschiedenen Übungen herhalten musste.

Ziel: kostenfreien Grundversorgung

„Das Ziel der Einrichtung ist der Aufbau einer kostenfreien Grundversorgung, da die Menschen dort nicht krankenversichert sind“, berichtet Hausmann. Allerdings ist offen, ob das in dem armen Land so bleiben kann. Für die Anfangsphase der Alleinverantwortung stiftet „Ärzte ohne Grenzen“ noch eine materielle Grundausstattung.

Dennoch ist es eine Mammutaufgabe: Für die Region mit 400 000 Einwohnern ist die Einrichtung das einzige Krankenhaus. Dazu kommen noch einmal 400 000 Flüchtlinge in mehreren Camps der Region.

Auf die Frage, weshalb Iris Hausmann sich auf das Abenteuer einlässt, erläutert sie einige Zahlen: In Äthiopien steht für 100 000 Einwohner ein Arzt zur Verfügung. In Deutschland gibt es durchschnittlich vier Ärzte je 1000 Einwohner. „In Deutschland bin ich auswechselbar. Aber an den Einsatzstellen werden meine Fähigkeiten dringend benötigt. Deswegen möchte ich gerne dort helfen.“

Ermöglicht wird das vor allem durch die Flexibilität des Anästhesie-Teams am St. Elisabethen-Krankenhaus um Chefarzt Falko Harm. So kann Iris Hausmann als Teilzeitkraft zwischen den Einsätzen in Vollzeit arbeiten und wird dann in ihrer Abwesenheit durch die Kollegen vertreten. „Ich bin sehr dankbar, für diese Unterstützung.“

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