„Das, was uns verbindet ist größer, als das, was uns trennt“. Diese Aussage stand im Vordergrund des ökumenischen Pfingstgottesdienstes in der Kirche St. Peter.

Von Ursula König

Lörrach. Organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) stand der Gottesdienst am Montag unter dem Motto „Auf dem Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft.“

Die beiden Pfarrer Michael Spath (katholisch) und Luca Ghiretti (evangelisch) sowie der evangelische Gastprediger Michael Hoffmann spannten einen Bogen von der Reformation in die heutige Zeit. Vor 500 Jahren hätten Vertreter beider Konfessionen nur das Trennende im Blick gehabt. Machtansprüche, Krieg und Folter gehörten zur „Last der Schuld der Vergangenheit“ des Mittelalters.

Dass Christen unterschiedlicher Konfessionen sich dies angetan haben, werde heute offiziell bedauert. So erinnerte Pfarrer Hoffmann in seiner Predigt an die Zeit, als die Unterschiede gepflegt wurden und erklärte: „Diesen Zeiten trauert niemand nach“. Den Pfingstmontag nahm er zum Anlass, die „gemeinsamen Wurzeln“ zu betonen. Dankbarkeit sei angebracht, auch wenn das Ziel noch nicht ganz erreicht sei, denn: „Die ökumenische Freundschaft ist uns wichtig und wird gepflegt.“

Dazu zählt auch ein Lörracher Projekt: Die Heilige Schrift wird von verschiedenen Gemeinden abgeschrieben. So gab Spath den Auftrag an die Matthäusgemeinde weiter, die in der Stadtkirche eine Schreibstube einrichten will.

Auf dem Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft seien beide Konfessionen ein gutes Stück vorangekommen, hieß es. Als Vermächtnis der Reformation stehe der Mur zur selbstständigen Auslegung der Bibel und die damit verbundene Vielfalt und Meinungsfreiheit. Dass um die Bedeutung eines jeden Wortes Gottes gestritten werden könne und dürfe, stünde im Gegensatz zu einem Fundamentalismus, der vorgebe, Gottes Wort zu kennen. So würden christliche Kirchen heute für Dialog, Offenheit und Begegnung einstehen. In diesem Kern seien sich alle Konfessionen einig, der allerdings nicht mit einer Toleranz verwechselt werden dürfe, die an Selbstverleugnung grenze. Dies bezog Hoffmann darauf, dass jeder religiösen „Berufung“ widersprochen werden müsse, die Gewalt rechtfertige. Hoffmann bezog sich in seiner Predigt auf das Evangelium nach Johannes mit dem Vers: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Diese Bibelstelle trage für Christen den Auftrag, Menschen zu helfen. Als erfreuliches lokales Beispiel hob er das Projekt „Kitchen on the run“ hervor, bei dem gemeinsam mit Flüchtlingen gekocht werde. Hoffmann betonte die „eindeutige Stellung beider Kirchen“ gegen Menschen, die Flüchtlinge abwerten wollen. Im Geiste Jesu stünde Barmherzigkeit an erster Stelle. So wird mit dem Erlös der Kollekte Opfern der Umweltkatastrophe in Peru geholfen.

Beim abschließenden Apéro bot sich für Gläubige beider Konfessionen und Interessierte die Möglichkeit zum anregenden Austausch.