Lörrach Die Beherrschung aller Materialien

Umgeben von seinen Werken: Rudolf Scheurer Foto: Ursula König Foto: Die Oberbadische

Von Ursula König

Lörrach-Brombach. Skulpturen, wohin das Auge reicht: Am Ortsausgang von Brombach, auf der Höhe, weist der Skulpturenweg mit Großplastiken wie „die große Familie“ die Richtung zum Anwesen des Lörracher Bildhauers Rudolf Scheurer, der am Wochenende zu den Tagen des offenen Ateliers einlud. Neben Führungen standen auch Diskussionen mit dem Künstler auf dem Programm.

Es sei ein Querschnitt seines Schaffens erklärt dieser die Werke aus Stein, Metallgüssen, Holz oder Terrakotta. Traditionelle Bildhauerkunst aus klassischen Materialien hat er sein Leben lang geschaffen. Die meisten seiner weit über 1000 Werke sind freie Arbeiten, etwa ein Drittel davon Auftragsarbeiten. 1998 gründete er mit seiner Frau Rosmarie „Die Bildhauer Rudolf-Scheurer Stiftung“, um bereits zu Lebzeiten einen Zugang zu seinen Arbeiten zu ermöglichen. Das sei unter Künstlern selten, bemerkt Scheurer dazu. Den 2003 erstellten Skulpturenturm inmitten des Gartens hat er selbst nach seinen Vorstellungen entworfen. Er dient als weiterer Ort im idyllisch gelegenen Anwesen, um einen repräsentativen Querschnitt seines Schaffens vorzustellen. Wirft man einen genaueren Blick auf Scheurers Arbeiten, wird deutlich, dass sich die klassische Ausbildung, sein Studium sowie seine Reisen in anderer Kulturen ebenso spiegeln wie seine Weigerung, sich einem Trend anzupassen. Er bleibt in seiner Kunst autark; zeigt sich keinen Modeströmungen unterworfen und prägt seine Werke mit einer für ihn typisch individuellen Note. Der Querschnitt seiner Arbeiten wird so zum ausgefeilten Ausdruck seiner Lebenserfahrungen.

„Oben auf dem Berg“ in Brombach kann Scheurer eines seiner zentralen Ziele verwirklichen und präsentieren: Die souveräne Beherrschung aller klassischen Bildhauermaterialien. Die während des Studiums erworbenen Anatomiekenntnisse fließen in den Schaffensprozess mit ein – seine Werke zeichnet eine organisch-stimmige Gesamtform aus, die für einen individuellen „Stempel“ steht.

Mit ambivalenten Gefühlen erzählt Scheurer im Gespräch von seinem nächtlichen Studium der Anatomiebücher. Organisch geformte Figuren sind seither für ihn aus seinem Inneren heraus abrufbar. Er sei spezialisiert auf „ein großes Formenverständnis“.

Und was inspiriert Rudolf Scheuerer? Er sammle Themen, die ihn berühren und meint damit eine weite Skala von Gefühlen und Eindrücken. Diese, so erklärt er, bahnen sich zunächst einen Weg nach innen und: „Sie sind abrufbar, wenn es Zeit ist, sie umzusetzen“. Sein persönlicher Maßstab dabei sei das Zeitlose in allen Kulturen. Scheurer hat auf seinen Reisen „viele wunderbare Orte erlebt“. Ihn faszinierten die Verbindungen Religion, Kunst, Natur und soziale Studien. Doch er wusste immer, dass er dauerhaft nur in seiner Heimat leben wolle. u  Die Rudolf Scheuerer Stiftung kann besichtigt werden. Anmeldung: Tel. 07621/ 52101 oder E-Mail an info@ rudolf-scheurer.de

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