Lörrach Die Facetten der eigenen Stimme

Die Oberbadische, 11.06.2018 22:22 Uhr

Jodeln lernen, ja klar! Acht Frauen und drei Männer haben sich am Samstagmorgen im Burghof eingefunden, um sich von Franziska Wigger in zwei Tagen in die Kunst des Jodelns einführen zu lassen.

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Das Glück, das diese Gesangsart mit sich bringt, ist hier schon nach der ersten halben Stunde zu sehen und zu spüren. Nach Lockerungsübungen und kurzem Einsingen zu Beginn – „Jo, jo, jo, jo, jooo … nai, nai, nai, nai, naaai....“ führt die Kursleiterin die Teilnehmer erst mit Geräuschen, dann mit Klängen zu einem ersten dreistimmigen Gesang zusammen.

Hörend, singend und summend lassen sich die Singbegeisterten in den zwischen ihnen allen entstandenen Zusammenklang ziehen – und die Gesichter strahlen.

Manche Teilnehmer haben einen langen Weg auf sich genommen, um an diesem Workshop im Rahmen des Stimmen-Festivals in Lörrach teilnehmen zu können, etwa Judith, die am Bodensee wohnt. Und während die einen aus therapeutischer Sicht neue Erkenntnisse sammeln wollen im Umgang mit der menschlichen Stimme, erfüllen sich andere mit dem Entschluss, Jodeln zu lernen, einen lange gehegten Wunsch.

Nicht nur im Alpenraum, auch in Afrika hat Jodeln eine lange Tradition

An Wanderungen in der Kindheit im Thüringer Wald muss Barbara denken, wenn sie jodelt. Für ihre Tante sei das damals eine Ausdrucksform gewesen, um ihr Glück über die sie umgebenden Berge und die Natur auszudrücken, meint sie.

Wer denkt, nur in den Alpen werde gejodelt, liegt übrigens falsch: In vielen Mittelgebirgen, aber auch auf anderen Kontinenten, etwa in Afrika, hat diese Art des Gesangs eine lange Tradition. Nicht alles davon kann Jodel-Expertin Franziska Wigger an den zwei Tagen aufgreifen. Sie beschränkt sich auf Tonfolgen, die sie besonders liebt, wie es danach weiter geht, ist den mit der Grundtechnik ausgestatteten Teilnehmern dann selbst überlassen. Und sie warnt davor, sich zu verausgaben: „Ich vergleiche das mit einem Sport“.

Eine Stimmen-Werkstatt ist immer auch ein Stückweit eine Begegnung mit sich selbst. Das liegt daran, dass die Stimme als unmittelbares Ausdrucksmittel jedem Menschen so nah ist. Beim Jodelworkshop geht es neben dem Lernen einer uralten Ausdrucksform der Menschen vor allem darum, verschiedene Facetten der eigenen Stimme kennenzulernen. Besser gesagt: die verschiedenen Register der Stimme. Denn ähnlich der Orgel, so die Kursleiterin, lassen sich beim Menschen verschiedene Register zum Einsatz bringen, wenn natürlich auch längst nicht so viele. Durch Wechsel zwischen Bauch- und Kopfregister entsteht der typische, zwischen Dunkel und Hell changierende Klang des Jodelns, das in den Bergen übrigens auch immer der Kommunikation untereinander diente.

Der Kopfstimme auf die Spur kommen

Einen Schritt weiter in der Erforschung ihrer Stimme gehen dabei die Männer, denn da, wo die Frauen die Kopfstimme einsetzen, steht bei ihnen der Wechsel ins Falsett, so dass sich Männer- und Frauenstimmen zumindest in der Tonhöhe zuletzt gar nicht mehr unterscheiden. Um der Kopfstimme auf die Spur zu kommen, fordert Wigger die Teilnehmer auf zu einem Juchzer. „Aber bitte: ganz hemmungslos!”, präzisiert sie. Mit „Jo, jo, du, du” erscheint dann kurz darauf der Wechsel zwischen den beiden Registern verblüffend einfach.

Beachtliche Tonhöhe

Ein Workshop ist hierfür das ideale Format. Die Gruppe gibt den Männern die Sicherheit, sich gewissermaßen im geschützten Rahmen auf dieses Wagnis einzulassen. Immer mehr lassen sich die Herren unter den Augen der beharrlich auf Höhe insistierenden Kursleiterin auf dieses Experiment ein, so dass sie schon nach kürzester Zeit eine beachtliche Tonhöhe erreichen.