Lörrach lässt sich die Fasnacht  vom tristen Schmuddelwetter nicht vermiesen. Unter einem mausgrauen Himmel schlängelte sich gestern Nachmittag ein kunterbunter Umzug durch die Innenstadt.

Von Bernhard Konrad

Lörrach. So ganz konnten die Narren den eiskalten Regen womöglich nicht aus dem Häs schütteln – auf’s Ganze besehen waren Umzugsteilnehmer und Zuschauer schon ausgelassener unterwegs. Gleichwohl präsentierte sich ein facettenreicher Lindwurm: Die Lerchenstadt­ bot für unterschiedlichste Fasnachtsgruppierungen abermals eine schöne Bühne.

Angeführt von der Jugendgugge Ohre-Putzer – eine schöne Geste für den Narren-nachwuchs – die gleich nach Gildenbanner und Vorstandschaft den lautstarken Auftakt bildeten, zogen rund 150 Formationen durchs Zentrum Lörrachs. Darunter natürlich die Lokalmatadoren, aber auch Gäste aus der gesamten Raumschaft – aus Weil am Rhein war eine  eindrucksvolle Abordnung nach Lörrach gekommen – und weit darüber hinaus.

So hatten sich wieder Narren aus dem Hotzenwald, Nordbaden, Württemberg und aus der Schweiz angekündigt. Letztere kamen nicht ausschließlich von den Fasnachtsfreunden aus der Basler Nachbarschaft: die Guggemusik Löli-Tuuter reiste  aus der Nähe von Kreuzlingen  am Schweizer Bodenseeufer an. Sie erzeuge eine „leicht bis mittelschwer durchgeknallte fasnächtliche Geräuschkulisse“, wie der stellvertretende Obergildenmeister Klaus Breitenfeld in seiner kenntnisreichen Umzugskommentierung mit Augenzwinkern bemerkt.

Die Vielfalt der Lörracher Fasnacht – Markenzeichen der hiesigen Narrengilde – spiegelte sich  in den Formationen: klassische Häs-Träger mit kunstvoll geschnitzten Masken uralter Figuren neben jüngeren Formationen in neuen Kreationen, gewaltige Gruppen neben kleinen, fast familiären Ensembles, die omnipräsenten Guggemusiken neben Trommlern und Pfeifern.

Überhaupt die Musik: Mit so  viel mitreißendem Gugge-Sound im Zug kann die Stimmung eigentlich gar nicht in den Keller gehen. Und dazu erstmals ein kompakter Block mehrerer Wagen, die mit ihren Soundanlagen für Furore sorgten. Dabei haben sich diese neuen Elemente der Lörracher Fasnacht nahtlos in die Veranstaltung eingefügt.

Nur bei der fasnächtlichen Gestaltung des ein oder anderen Wagens gibt es noch Luft nach oben. Weiterer kleiner Wermutstropfen am Rande: Die ein oder andere Fußgruppe hätte etwas kompakter unterwegs sein können.

Sehr schön gelungen unter anderem auch die Umsetzung der Sujets. Während sich die Schnägge Clique Düllige dem neuen Kreisklinikum widmete, zeigten sich die Stettemer Frösch als „Smartphone-Zombies“.    Die Zigüner Clique  präsentierte „S Groko us Jamaika“.

Die Schrobbechöpf aus Stetten verknüpften das Anbandeln der politischen Parteien mit dem Ansatz der gängigen Partnerbörsen. In Anspielung auf  egozentrische, machtfixierte Politikerpersönlichkeiten titelten sie über Angela Merkel und Martin Schulz: „Single ohne Niveau“.

Das konnte man von diesem Umzug gewiss nicht behaupten. Schon am Vormittag stimmten Guggemusiken die Gäste  im Narrendorf auf  die Attraktion ein, und auch nach dem Umzug ließen die Formationen auf dem Alten Markt keinen Zweifel daran – an diesem  Wochenende galt: dem Trübsalblasen keine Chance.

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