Lörrach „Die Geselligkeit geht flöten“

Bei der Hauptversammlung der Stadtmusik (v.l.): Jörg Lutz, Daniel Gramespacher, Alexander Ziegler, Ellen Ernst, Mathias Venker und Benedikt Walter Foto: Foto: Die Oberbadische

Von Willi Vogl

Lörrach. „Eigentlich hätte jetzt zu Beginn unserer Hauptversammlung die Musik spielen sollen“, begrüßte der Vorsitzende Daniel Gramespacher die etwa 40 anwesenden Vereinsmitglieder im Haus der Musik. Bereits die tonlose Eröffnung, die künstlich reduzierte Zahl der Versammlungsteilnehmer, die komprimierte Berichterstattung allein durch den Vorsitzenden und den Kassenwart Benedikt Walter sowie der Verzicht auf eine feierliche Ehrung von verdienten Mitgliedern spiegelten die Einschränkungen in der derzeitigen Vereinsarbeit wider.

Die aktuelle Lage

Die Stadtmusik ist 2019 dem Stadtjugendring beigetreten. „Sie macht vieles richtig. Anregungen, was besser werden könnte, sind zum Teil bereits in Umsetzung“, ist das vorläufige Fazit Gramespachers.

Nils Faltum wird Lörrach für sein Studium verlassen und hat sich aus seiner Arbeit mit den Orchesterkids verabschiedet. Ellen Ernst wird mangels Nachwuchs vorläufig die Orchesterkids zusammen mit den Orchester-Teenies in einem gemeinsamen Ensemble betreuen. Auf Initiative von Ulrich Winzer ist die City-Band entstanden, die inzwischen auf einige Auftritte zurückblicken kann.

Wahlen

Der neue Vorstand ist weitgehend der alte: Daniel Gramespacher (Vorsitzender), Benedikt Walter (Finanzen, stellvertretender Vorsitzender), Alexander Ziegler (Organisation), Ellen Ernst (Jugendarbeit) und Mathias Venker (Marketing).

Finanzen

„In der Vermögensverwaltung läuft es besser als im musikalischen Bereich“, stellte Benedikt Walter fest und verwies auf einen Überschuss von 12 500 Euro für 2019. 2020 erwarte man eine schwarze Null.

Folgen der Pandemie

Die Hauptversammlung bezog sich formal auf das Jahr 2019, war jedoch durch die erzwungene Verlegung auf dem September hauptsächlich auf die aktuelle Situation fokussiert. Ein großer Teil der Veranstaltungen fiel der Corona-Pandemie zum Opfer: Das Unterhaltungskonzert zum Jubiläumsfest des Musikvereins Brombach, das Muttertagskonzert im Rosenfelspark, die Teilnahme an der Kulturnacht Lörrach- Weil und fünf weitere Konzerte. Besonders schmerzlich waren die Absagen des Bläserklassen-Meetings Lörrach 2020 und des Quartierfests, da gerade diese Veranstaltungen für eine zukunftssichernde Jugendarbeit und eine verortete Identifikationsbildung auf Dauer unverzichtbar seien. „Die Geselligkeit geht weitgehend flöten“, brachte Gramespacher eine Konsequenz aus den pandemiebedingten Einschränkungen auf den Punkt.

Problematische Proben

Probentechnisch herrschen dramatische Zustände. Mit einem Mindestabstand von zwei Metern könne man im Haus der Stadtmusik nur in einer reduzierten Besetzung proben und das sei besonders für ein Amateurorchester im Bläserbereich eine nahezu unüberwindliche Hürde

Das Ausweichen in die Halle 9, dem ehemaligen TÜV-Halle böte zwar genügend Platz, fordert jedoch mit den darin abgestellten Autos die Musiker zu außermusikalischer Improvisation heraus. „Hier mit 40 Musikern vor 30 Zuhörern zu spielen, mag man sich nicht wirklich vorstellen“, stellt Gramespacher fest.

„Die Musikvereine hat es sehr hart getroffen“, ist sich Oberbürgermeister Jörg Lutz auch in seiner Funktion als Präsident der Stadtmusik der ernsten Situation bewusst und verspricht kurzfristige Anstrengungen der Stadt, um die noch nicht abgerissene Alte Halle in Brombach auch für die Probenarbeit zu reaktivieren. Der politische Wille ist da, nun ginge es darum, auch für die Sicherheitsfragen allseitig akzeptable Lösungen zu finden.

Würdigung

Die Arbeit der neuen Hausmeisterin im Haus der Stadtmusik, Annamaria Callara, wurde vom Vorsitzenden bereits vor Beginn der Hauptversammlung mit einem Blumenstrauß gewürdigt.

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