Lörrach Die gute Stube von Stetten

Die Oberbadische
Hans Brogle kennt Geschichte und Geschichten der Heimatstube. Foto: Michael Werndorff Foto: Die Oberbadische

Von Michael Werndorff

Lörrach. Der Weg in die Vergangenheit führt über die knarrende Holztreppe des Alten Rathauses, hinauf bis zum ehemaligen Speicher des Gebäudes. Dieser beherbergt die Heimatstube, in der jeder entdecken kann, wie das Leben in Stetten früher war.

Nachdem die Lörracher Bürgerstiftung durch die Übernahme und Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes das „Alte Rathaus Stetten“ für die Öffentlichkeit gerettet hatte, entstand mit viel ehrenamtlicher Arbeit auch das Kleinod Heimatstube: heute ein kultureller Treffpunkt, der Raum für etliche Veranstaltungen bietet.

In der Heimatstube gibt es viel zu sehen: Alte Urkunden, historische Fotografien und Postkarten sowie landwirtschaftliche Geräte zeugen von einer längst vergangenen Epoche, die Hans Brogle noch heute am Herzen liegt. „Vor zehn Jahren wurde unser Museum eingeweiht, seither kommen immer neue Exponate hinzu, die ich in der Region aufstöbere“, erzählt er. Hin und wieder bringen ihm auch Lörracher Bürger Dachbodenfunde, die sein Sammlerherz höher schlagen lassen. Allerdings kann er nicht alles der Öffentlichkeit präsentieren, denn das kleine Museum platzt schon jetzt aus allen Nähten. Sein Steckenpferd ist die Landwirtschaft: „Als Sprössling einer Bauernfamilie sammle ich eben alles, was ich auf den Höfen finde.“

Trotz der Fülle an Ausstellungsstücken verliert er nie den Überblick und weiß zu jedem Gegenstand eine kleine Geschichte zu erzählen. Der Gong etwa, dem Hans Brogle einen Ehrenplatz eingeräumt hat, wurde 1945 von einem französischen Besatzungssoldaten aus Lörrach als Souvenir nach Frankreich mitgenommen, fand aber in den siebziger Jahren den Weg zurück in die Lerchenstadt.

Zeigen möchte er den Besuchern, wie das Leben in Stetten einst war: „Besonders Kinder sind begeistert, wenn ich von den Bauern erzähle, die mit Rechen und Laterne am Grottenweiher auf nächtlichen Froschfang gingen.“ Verkauft wurde der Fang an die reiche Basler Gesellschaft, die auch den Stettemer Wein abnahm, um ihn mit importiertem Wein aus Südosteuropa zu mischen und somit haltbar zu machen.

Zu den Offerten rund um die Heimatstube gehören auch Bannwanderungen und Ortsbegehungen, die Hans Brogle von Zeit zu Zeit anbietet, gerade für Neubürger seien diese Entdeckungstouren interessant. Denn: Brogle und seine Helfer „legen großen Wert darauf, mit Zugezogenen ins Gespräch zu kommen“.

Das nächste Projekt, an dem er arbeitet, dreht sich um Kleindenkmäler in Stetten West und am Tüllinger Berg. Vielleicht wird es zu diesem Thema auch einen Stadtrundgang geben. Doch jetzt stehen erst einmal die Vorbereitungen der Heimatstube für das Straßenfest am ersten Wochenende im September auf dem Programm, denn, so Brogle: „Es wird natürlich eine Ausstellung geben.“

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