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Lörrach Die Kunst der leisen Stimmen

Tonio Paßlick
Bestens gelungener Auftakt mit den Sängern des Calmus-Ensembles Foto: Tonio Paßlick

Konzert: Auftakt der „Stimmen im Advent“ mit dem Calmus-Ensemble in der Röttler Kirche

Traumhaft schwebend, schnörkellos, leise und bezaubernd zugleich: Diese Kraft wird dem kurzen Roman des norwegischen Autors Jon Fosse zugeschrieben, der in „Morgen und Abend“ den großen Bogen zwischen Geburt und Tod in den Empfindungen des Fischers Olai zeichnet. Zu erleben war dies am Sonntag bei „Stimmen im Advent“.

Von Tonio Paßlick

Lörrach. Olai kommt bei den Schreien seiner gebärenden Frau ins Grübeln über Sein oder Nichtsein. Die Schauspielerin Doris Wolters las in fünf knappen Einschüben zwischen dem Konzert des Calmus-Ensemble am Sonntag prägnante Sätze aus der Welt der Fjorde, die sich dem Mysterium des Advents annäherten, während das Calmus-Ensemble in neuer Besetzung eine faszinierende musikalische Entsprechung mit Werken von Bach über Schütz bis Purcell schuf. Eine präzise und ergreifende Dramaturgie, die Marion Schmidt-Kumke entworfen hatte.

Stimmiger Rahmen

Mit dem Auftakt der „Stimmen im Advent“ fand der Burghof mit der Röttler Kirche nicht nur einen akustisch hervorragenden Ausweichort für die Stadtkirche, sondern auch einen atmosphärisch stimmigen Rahmen. Wer das Calmus-Ensemble kannte, durfte gespannt sein. Denn das für seine Homogenität und Transparenz gepriesene Ensemble hat einen Umbruch vollzogen. Drei Stimmen des Quintetts wurden ersetzt. Nach der letzten CD „Bach for five“ stellen sich die jüngeren Nachfolger seit September einem internationalen Publikum vor. Wie Tenor Friedrich Bracks nach dem ersten Teil in launigen Worten beweist, durchaus mit dem Humor, der die Vorgänger auszeichnete. Die Wollsocken nach überstandener Corona-Erkrankung und den geliehenen Frack nach dem Verlust der Kleidertische im ICE waren nicht nur Beleg für authentisches Auftreten, sondern auch für ein unverkrampftes Selbstverständnis. Elisabeth Mücksch (Sopran) Maria Kalmbach (Alt), Jonathan Saretz (Bariton), Michael Gernert (Bass) überzeugten mit Bracks mit den speziell fürs Ensemble geschriebenen Arrangements.

Aus fünf Jahrhunderten

Das Calmus Ensemble brachte Musik aus fünf Jahrhunderten mit – von der Renaissance bis zum Barbershop Song von Frederic Austin „The twelve days of Christmas“. Calmus-Gründungsmitglied Ludwig Böhme hatte die zwölf Tage in zwölf Tonarten arrangiert.

Mit Bravour demonstrierte das neue Quintett, was die Vorgänger bereits ausgezeichnet hatte: eine außergewöhnliche Transparenz und Leichtigkeit und vor allem die Kunst der leisen Töne. Es grenzte fast an Magie, wie alle Ensemble-Mitglieder selbst höchste Tonlagen in zartestem Pianissimo ausklingen ließen. Bei „Hush, no more“ wurden Pausen als Spannungselement eingesetzt. Ein faszinierender Kontext zu den Gedanken des Fischers Olai. Minimalistisch und beredt zugleich. Facettenreiche Schattierungen, komplizierte und dennoch so leicht erscheinende vielfältige rhythmische Farben ließen das Publikum selbst dann spontan applaudieren, wenn der Spannungsbogen den ganzen Raum einnahm. Stilsicher bei Motetten und präzise bei zeitgenössischen Arrangements. Der Calmus-Sound hat durch die Verstärkung mit einer Alt-Stimme noch einmal an Brillanz gewonnen.

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