Zu einem schwäbischen Liederabend hatte der Hebelbund am Sonntag eingeladen. Pius und Carmen Jauch präsentierten ihr Programm „Wolk am Horizont“.

Lörrach (zet). In Württemberg weiß man das genauso wie in Baden: Die jeweiligen Dialekte enthalten eine Fülle von Begriffen, für die es im Hochdeutschen keine Synonyme gibt. Zu ihrer Definition muss man schon reichlich Worte und Sprachbilder aufwenden und kann selbst damit nicht alles ausdrücken, was an Andeutungen mitschwingt. Gerade in diesen Begriffen scheint etwas vom Wissen, Wesen und Witz der Vorväter und –mütter konserviert zu sein.

Schon viele Mundartdichter hat diese Erkenntnis in den Bann gezogen, und sie fasziniert auch den Liedermacher Pius Jauch, Jahrgang 1983, aufgewachsen in Bösingen, der immer wieder solche vom Aussterben bedrohten Begriffe in seinen Liedern verewigt.

„Hardcoreschwäbisch“ ist ihm einmal attestiert worden. Und wiewohl das Schwäbische zur westoberdeutschen – sprich alemannischen – Dialektfamilie gehört: bei Liedern wie „Miasa will mr nint“ versteht der Hochalemanne aus dem Raum Lörrach nur wenig. „Macht nichts“, sagt Pius Jauch. Das sei wie mit italienischen Opern. Die kann auch genießen, wer des Italienischen nicht mächtig ist. Sprache besitzt im Klang ein Ausdrucksmittel abseits des Inhalts.

So ist Pius Jauch nicht nur Verteidiger vom Aussterben bedrohter Mundartwörter, sondern eben auch Poet und Liedermacher, der den Sound des Schwäbischen einfach schön findet. In der Strophe zumal. Den Dialekt verständigungshalber ins Honoratiorenschwäbische zu verhochdeutschen, das kommt für ihn nicht in Frage.

Am Klavier begleitet ihn seine Schwester Carmen, von ihr stammen die hochkarätigen Bearbeitungen. Die 1975 in Rottweil geborene Kirchenmusikerin, Organistin und Cembalistin ist unter anderem Kantorin der Alpirsbacher Klosterkirche.

Während Pius Jauch im aktuellen Programm nur vereinzelt zur Gitarre greift, versieht Carmen Jauch die Stücke mit lyrisch-virtuoser Wucht. Ihr Bruder präsentiert dazu poetische Momentaufnahmen aus dem schwäbischen Dorf: Erlebtes, Erzähltes, Beobachtetes und Alltagsphilosophisches, manches auch, das an die mittelalterliche Barden- und Schelmentradition anknüpft. Wie im Lied „Pläsier“, in dem einer sein Glück darin findet, in einem Spiegelsaal zigfach nur sich selbst zu begegnen. Oder im Stück „Bliatablätter im Wind“, in dem die Blütenstadien des Löwenzahns den Lebenszyklus widerspiegeln. Hinter jedem Text steckt auch ein Augenzwinkern, was das Zuhören umso vergnüglicher macht. Im Hebelsaal gibt es anhaltenden Applaus für das Duo.

Hebelbund-Präsident Volker Habermaier hatte In seiner unterhaltsamen Einführung die mannigfaltigen Verbindungen Hebels ins Schwäbische gestreift. Eine davon war die zum Verleger Johann Friedrich Cotta, der Hebel 1810 bat, die schönsten Erzählungen des Rheinländischen Hausfreunds als „Schatzkästlein“ herauszubringen.