Lörrach Die Menschen wollen reisen

Gabriele Hauger
Die Menschen wollen reisen. Foto: Pixabay

Wir sind mitten in den Sommerferien. Viele Menschen sind verreist, viele wollen dies noch tun. Wie sieht die Situation in Lörracher Reisebüros aus?

Von Gabriele Hauger

Lörrach. Deutlich mehr Buchungen als in der Corona-Hochzeit verzeichnet Floyd Fischer vom Reisebüro Sonnenschein-Fischer. „Der Nachholbedarf ist da. Die Leute wollen weg“, erzählt der Inhaber. Nachgefragt sind bei ihm vor allem die Klassiker rund ums Mittelmeer: Mallorca, Griechenland, die Türkei, Italien, Spanien. Die Nachfrage nach Reisezielen in Deutschland halte sich bei ihm indes in Grenzen. Besonders beliebt: Pauschalreisen. Das Sicherheitsbedürfnis der Menschen zeige sich hier deutlich, erklärt Fischer. denn eine Pauschalreise beinhalte Garantien, wenn irgendetwas schief läuft oder nicht funktioniert.

Vom Flughafen-Chaos hätten seine Kunden indes gar nichts gespürt. Ohnehin starten die meisten von Schweizer Flughäfen.

Bei ihm gehen schon Buchungen für das nächste Jahr ein. Wer aktuell noch fliegen möchte, sollte indes Flexibilität mitbringen. Die Zeiten billiger Last-Minute-Angebote seien schon seit vielen Jahren vorbei. Daheimbleiben müsse aber niemand – es gebe noch Angebote, versichert Floyd Fischer.

Vorsichtiger Optimismus

Was das nächste Jahr betrifft ist er vorsichtig optimistisch. Ob die Menschen aufgrund von Inflation und steigenden Energiepreisen am Reisen sparen, vermag er nicht zu prognostizieren. „Das bleibt ein großes Fragezeichen.“

Julia Kaitinnis, Büroleiterin des Reisebüros Seilnacht in Lörrach, freut sich, dass es wieder läuft. In der Corona-Zeit hätten ja manche die Sinnhaftigkeit von Reisebüros in Frage gestellt. Jetzt aber schätzten Kunden die fachliche und persönliche Beratung sehr. Und: „Die Menschen sind reisefreudig – das waren sie schon immer.“ Viele Online-Bucher fänden zurück ins Reisebüro, darunter auch Neukunden erzählt sie. Die Menschen schätzten es, kompetent beraten zu werden, ein Gesamtpaket geschnürt zu bekommen, und beispielsweise über Einreisebedingungen klar informiert zu werden. Besonders gefragt auch bei ihr: die Mittelmeerländer. Was noch nicht wieder so gut laufe, seien Kreuzfahrten. Julia Kaitinnis vermutet, dass die Zurückhaltung zum einen an der relativen Enge auf einem Schiff liege – Stichwort Corona – zum anderen an dem etwas angekratzten Image der Branche – Stichwort Umwelt.

Frühbuchen lohnt sich

Nachhaltigkeit sei indes bei den Kunden meist keine Buchungsbedingung, weiß sie aus Erfahrung. „Die Reiselust steht im Fokus. Allerdings stellen sich viele Veranstalter eigeninitiativ in Richtung Nachhaltigkeit um. Auch die aktuelle Trockenheit verbunden mit Waldbränden sei bei den Reisewilligen kein Thema.

Es kämen aktuell einige Kunden, die kurzfristig buchen wollen. „Hier haben wir noch schöne Angebote vermitteln können.“ Allerdings rät die Büroleiterin zu Frühbuchungen: „Das lohnt sich.“

Für ihre Branche ist sie zuversichtlich. Teuerungen umfassten ja alle Lebensbereiche. Sie baut indes auf die Reiselust der Deutschen – und Schweizer. Ein Gutes habe Corona zudem bewirkt: „Wir haben die Zeit gut genutzt, uns digital noch besser aufzustellen.“ Neben persönlicher Beratung vor Ort gibt es telefonische und Video-Beratung, gerne nach Termin. Sie ist überzeugt: Die Branche hat Zukunft.

Profi-Arbeit ist gefragt. Das erlebt Aron Stiefvater, Geschäftsführer des Lörracher Traditionsunternehmens in zweiter Generation. Verstärkt habe sich der Wunsch nach kompetenter Hilfe bei der Buchung. „Egal ob offline oder online, ob telefonisch, per Video-Call oder persönlich: Der Kunde möchte bei der Buchung einen festen Ansprechpartner haben.“ Diese Hilfe leiste sein Reisebüro. „Wir unterstützen die Menschen bei der richtigen Auswahl. Im Internet ist das übrigens keinen Cent günstiger“, rückt er den Irrglauben Vieler zurecht.

Das Sommergeschäft sei weitgehend gelaufen. Besonders nachgefragt sei Griechenland, die vielen Inseln böten große Abwechslung. Besonders bei Familien beliebt: die türkische Riviera mit All Inclusive-Angeboten. Als neue gefragte Destination entwickele sich Montenegro.

Preis und Verfügbarkeit stünden bei den Kunden generell im Vordergrund, Nachhaltigkeit sei willkommen, aber derzeit generell kein Buchungskriterium, weiß der Geschäftsführer. Für den Winter werden gerne die Malediven angefragt. „Generell stehen fremde Länder wieder hoch im Kurs. Die Menschen haben Fernweh“, sagt Stiefvater. Ein Elefant in freier Wildbahn, fremde Kulturen, ein anderes Lebensgefühl – die Lust am Entdecken sei nach der einschränkenden Corona-Zeit besonders groß.

Wert des Urlaubs steigt

Generell glaubt er, dass der Stellenwert der Ferien steige – gerade auch emotional. Dafür seien die Kunden auch bereit zu zahlen. Nach den schweren Corona-Jahren mit all ihren Einschränkungen und Verboten sei die Lust auf freies Reisen groß. „Die Menschen spüren, wie wichtig das ist: die erste Sandburg am Strand, das Verwöhntwerden im Hotel, sich nicht kümmern zu müssen...“ Auch wenn die Belastungen größer werden: „Je mehr Sorgen die Menschen haben, je wahnsinniger die Welt ist, je stressiger das Leben, desto wichtiger und wertvoller wird der Urlaub“, erklärt Aron Stiefvater. Dieser werde auch viel bewusster gelebt – und das sei letztendlich der erste Schritt zu mehr Nachhaltigkeit.

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