Lörrach Die Spur des Menschlichen

„Die Ausstellung macht die damalige Orientierungssuche der Menschen deutlich“, sagt Kurator Tobias Hebel. Foto: Zettler Foto: Die Oberbadische

Die Ausstellung „Zeitenwende 1918/1919“ im Dreiländermuseum zeichnet ein grenzüberschreitendes Bild der letzten Tage und weitreichenden Folgen des Ersten Weltkriegs in Baden, dem Elsass und der Schweiz. Kuratiert hat die Schau der 28-jährige Volontär Tobias Hebel.

Von Veronika Zettler

Lörrach. Verwandtschaftliche Beziehungen zu Johann Peter Hebel? „Nicht, dass ich wüsste“, sagt dessen junger Namensvetter, der seit März 2017 an der früheren Wirkungsstätte des alemannischen Dichters Dienst tut.

Tobias Hebel stammt aus dem thüringischen Mühlhausen und hat in Jena und Oldenburg Volkskunde/Kulturgeschichte und Soziologie studiert, gefolgt vom Masterstudiengang „Museum und Ausstellung“. Nach Praktika in Berliner Häusern wie dem Stadtmuseum und dem Museum der Dinge führte ihn das Volontariat nach Lörrach.

Erster Weltkrieg, Nachkriegsjahre und Weimarer Republik gehören seit ein paar Monaten zu seinen Fachgebieten. Als er vor gut einem Jahr die Ausstellung vorzubereiten begann, betrat er allerdings Neuland. Es galt, sich in Verlauf und Folgen des Kriegs einzuarbeiten und gleichzeitig den Blick auf die völlig unterschiedlichen Gegebenheiten der Nachkriegsjahre in Baden, dem Elsass und der Schweiz zu lenken. Die Sammlung des Dreiländermuseums kannte er dagegen bereits gut, schließlich hatte der Umzug des 50 000-Objekte-Depots aus der Brombacher Straße ins ehemalige Gaba-Gebäude seine ersten Monate in Lörrach bestimmt.

Ein Volontär als Kurator, das sei nicht so ungewöhnlich, meint er und ist gleichwohl Museumsleiter Markus Moehring „sehr dankbar für die schöne Geste“. Hebel, der seine Masterarbeit über „Ausstellungsmodi von Alltagsdingen in ausgewählten Museen Berlins“ geschrieben hat, zeigt in der Schau durchaus eine eigene Handschrift. „Mir geht es darum, die Objekte in den Mittelpunkt zu rücken, im Raum wirken zu lassen und sie zum Sprechen zu bringen, wie wir Museumsleute gern sagen“. Ihn fasziniert es, wenn ein Exponat mit einer Geschichte verknüpft ist und „sich eine Spur des Menschlichen herausschälen lässt“.

Beispiele dafür kann er in der Ausstellung viele zeigen. Etwa die handförmigen Reste einer gezündeten Granate, gefunden am Hartmannsweilerkopf, wo 30 000 deutsche und französische Soldaten starben. Oder der Propeller, den der damalige Tumringer Wirt Friedrich Brunner restaurieren und als Lampe in seinem Gasthaus „Mättle“ anbringen ließ. Das Maschinenteil stammt von dem 1920 in Tumringen in Betrieb gegangenen Flugplatz. Im Juli 1921 wurden die dort für zivile Aufgaben umgerüsteten Kriegsflugzeuge zerstört, um gemäß Versailler Vertrag sämtliches militärisches Gerät unbrauchbar zu machen und eine breite entmilitarisierte Zone rechts des Rheins zu sichern.

Bereits die Einteilung der Ausstellung in verschiedenfarbige Räume (Konzept von Aurea Hardt) soll die Orientierungssuche der Menschen nach einem unvorstellbar grausamen Krieg verdeutlichen.

Indes lässt die große Zahl ausgestellter Plakate erahnen, wie visuelle Medien in den 20er-Jahren an Bedeutung gewannen – auch als Vermittler manipulativer Botschaften. Tobias Hebel zeigt ein Exemplar zur französischen Ruhrbesetzung 1923: Der verzerrte Kopf eines dunkelhäutigen Helmträgers mit einem bluttriefenden Messer zwischen den Zähnen soll Soldaten aus den französischen Kolonien symbolisieren – und Angst vor Barbarei schüren.   Ausstellungsführung mit Tobias Hebel am Sonntag, 15. Juli, um 11.30 Uhr.

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