Lörrach Die Stadt Lörrach baut auf Holz

Die Oberbadische

Auf dem Gelände des ehemaligen Textilunternehmens Lauffenmühle will die Stadt Lörrach das deutschlandweit erste klimaneutrale Gewerbegebiet in Holzbauweise schaffen. Über dieses Vorhaben sowie die Bedeutung des Baustoffs Holz in Zeiten des Klimawandels ging es bei der ersten Lörracher Nachhaltigkeitskonferenz am Samstag.

Von Adrian Steineck

Lörrach. Der Lörracher Oberbürgermeister Jörg Lutz machte gleich zu Beginn deutlich, dass ein Umdenken erforderlich ist. „Wenn wir alles so machen wie bisher, wird es nichts mit dem Klimaschutz“, zeigte sich das Stadtoberhaupt überzeugt. Zugleich drückte er mit einem Zitat aus dem Kinderbuch „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren Zuversicht aus: „Das haben wir noch nie gemacht, also wird es bestimmt gut gehen.“

Die Zuhörer im Werkraum Schöpflin, unter ihnen Vertreter von Handwerk, Wirtschaft, Verwaltung und Politik, bekamen in der Folge Impulsreferate und Gesprächsrunden zum Thema Holz, Wald und deren Bedeutung für nachhaltiges Bauen zu hören. Jürgen Bauhus, Leiter der Professur für Waldbau an der Universität Freiburg, legte dar, dass die Klimaschutzziele des Landkreises Lörrach – die angepeilte Klimaneutralität bis 2040 – nicht allein dadurch erreicht werden könne, dass weniger Kohlenstoffdioxid (CO2) produziert wird. „Wir müssen auch das vorhandene CO2 aus der Luft aufnehmen“, legte er dar. Dafür gebe es bisher nur ein Mittel: Funktionierende Ökosysteme wie den Wald.

In Bezug auf die Klimaschutzwirkung von verarbeitetem Holz ging Bauhus darauf ein, dass diese auch mit der Langlebigkeit der Produkte zu tun hat. Beim Holzbau werde eine durchschnittliche Lebensdauer von 50 Jahren angenommen. Mitunter sei Totholz im Wald langlebiger und damit wirksamer für den Klimaschutz als Bauholz. Hier gelte es anzusetzen und langlebige Gebäude aus Holz zu fertigen.

Modulbauweise als Vorteil

Diana Wiedemann, promovierte Architektin, Energieberaterin für Baudenkmale und Vorsitzende des Vereins Bauwerk Schwarzwald, ging darauf ein, was regionale Baukultur, Holz und Design mit Klimaschutz zu tun haben. Sie ging dabei auf den sogenannten Internationalen Stil ein, der sich in der Architektur weltweit seit den 1920er-Jahren verbreitet hat. Diesen gelte es als Grundlage zu verwenden und für den Bau mit Holz als heimischer Ressource regional abzuwandeln. Damit forderte sie den Widerspruch von Frank Hovenbitzer, Kreisvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten (BDA) und stellvertretender Vorsitzender der Architektenkammer im Kreis Lörrach, dar, der den Internationalen Stil nicht als Gegenbewegung zum regionalen Bauen, sondern als dessen Ergänzung verstanden wissen wollte.

Digital zugeschaltet war der dritte Referent der Nachhaltigkeitskonferenz: Tim Siemens, Koordinator der Holzbau-Offensive Baden-Württemberg, einer Initiative des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR), ging auf die Vorteile des Bauens mit Holz ein. „Wenn ein Autobauer mit 50 Einzelteilen zu Ihnen kommt und vor Ihren Augen das Auto zusammenbaut, werden Sie vermutlich nicht an ein qualitativ hochwertiges Produkt glauben“, wählte er einen Vergleich. Gerade diese Modulbauweise mit Fertigbauteilen sei aber ein Vorteil des Bauens mit Holz, wenngleich dadurch auch im Vorfeld mehr beachtet werden muss als bei anderen Baustoffen. „Wir bauen uns aus dem Klimaproblem heraus“, legte er dar.

Auf dem 7,4 Hektar großen Lauffenmühle-Areal soll das erste klimaneutrale Gewerbegebiet Deutschlands in Holzbauweise entstehen. Das Vorhaben wird vom Wirtschaftsministerium mit rund 7,5 Millionen Euro gefördert. Noch dieses Jahrzehnt sollen Flächen für Produktion und Dienstleistung entstehen.

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