Lörrach Die tragende Säule der Fasnacht

Klaus Breitenfeld

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg gegen erhebliche Vorbehalte der Besatzungsmacht Frankreich (wieder-)gegründet, ist die Lörracher Narrenzunft bis heute die tragende Säule der Lörracher Saalfasnacht. Ein Blick zurück auf die ersten Jahrzehnte einer bald 75-jährigen Erfolgsgeschichte.

Von Klaus Breitenfeld

Lörrach. Unmittelbar nach Ende des Krieges fanden sich einige der „alten“ Narren im Haus des früheren Zeremonienmeisters heimlich zusammen, um die Fasnacht erneut aufleben zu lassen. Um den Neustart unter veränderten Vorzeichen zu signalisieren, gab sich die Gruppe die Bezeichnung Narrenzunft – im Unterschied zu der der zwischen 1936 und 1939 existierenden Narrengilde. Nach einer Interimszeit von mehreren Monaten wurde Egon Leible 1947 offiziell zum Oberzunftmeister gewählt.

In Anbetracht der Skepsis, welche die französische Besatzungsmacht allen Versuchen zur Neuorganisation von Vereinen und Verbänden entgegenbrachte, war die Wiederbelebung der Lörracher Fasnacht kein leichtes Unterfangen. So ging am 15. Januar 1949 vom Kulturamt des Kreises Lörrach ein Schreiben an die Stadt Lörrach, in dem diese angewiesen wurde, die Narrenzunft darauf aufmerksam zu machen, dass eine Gründungsversammlung frühestens am 1. Februar 1949 stattfinden könne – falls es vom Gouvernement Militaire bis zum 31. Januar 1949 keinen Einspruch gebe.

Neugründung im „Lasser“

Max Rinkenburger und Egon Leible gelang es schließlich am 3. Februar 1949 im Brauereihauptausschank Lasser, der damals erstmals nach der Beschlagnahmung durch die Besatzungsmacht als öffentliche Gaststätte wieder zur Verfügung stand, die Lörracher Fasnacht unter dem Namen ,Narrenzunft Lörrach’ zu gründen.

Der frühere Elferrat konnte aus verschiedenen Gründen nicht mehr wie bisher zusammentreten. Die Ranzengarde und die Zundelschar hatten keine Verbindung mehr und, und nicht zuletzt fehlten sämtliche Kostüme, die Lörrachs Narren in den 30er Jahren auszeichneten.

Vor diesem Hintergrund wurden nun also junge Lörracher zu Zunftmeistern bestellt: Sie sollten mithelfen, die alte Narretei mit viel Schwung wiederaufleben zu lassen. Egon Leible wurde als Oberzunftmeister bestätigt, Albert Albiez zum Stellvertreter und Franz Leible zum Kassierer gewählt. Unter der Leitung von Zunftmeister Hermann Vogt wurden die verbliebenen Zundelkostüme erfasst und eine neue Zundelgruppe aufgebaut. Die Ranzengarde wurde als Ranzengarde-Trommler neu formiert.

Von einer Wiederherstellung der damaligen Gildengarde allerdings nahm man Abstand – und gab statt dessen einer neuen Mädchengruppe den Vorzug, „welche bald die Zunft selbst und die vielen Angehörigen und Zuschauer durch ihre frische Jugend, ihre Anmut und ihre hervorragende Kostümierung eroberte, die Pagen“, wie Max Rinkenburger in der Chronik 1950 festhält.

Unter dem Eindruck der Paraden während der Kriegs- und der NS-Zeit tat sich die französische Besatzungsmacht bis Herbst 1949 allerdings äußerst schwer mit der die Straßenfasnacht. Umzüge von Erwachsenen waren zunächst grundsätzlich nicht erlaubt. Am 28. Februar 1949 lief deshalb ein Kinderumzug durch Lörrach, der faktisch zum ersten Umzug nach dem Krieg avancierte.

Am 4. und 5. Februar 1950 war dann das erste öffentliche Auftreten der Narrenzunft Lörrach am Oberrheinischen Narrentag in Zell im Wiesental.

Am 20. Februar 1950 gab es dann wieder einen Kinderumzug in Lörrach sowie den ersten Zunftabend in der Stadthalle. Ebenfalls wurde die Schnäggepost von Max Rinkenburger gegründet, die 1959 redaktionell von Hans-Rudi Müller übernommen wurde. 1975 wurde die Schnäggepost durch eine im Format kleinere Broschüre – den Lörracher Narrenspiegel – ersetzt, der allerdings nur einmal erschien.

Erster großer Umzug zieht 1951 durch Lörrach

Im Jahre 1951 wurde mit „Nonemol, wer weiß was chunnt“ die erste Losung bekanntgegeben und der erste große Umzug am 4. Februar 1951 durchgeführt. Auch 1952 gab es wieder einen großen Umzug.

1953 wurde dann unter dem Vorwand des mangelnden Interesses seitens der Bevölkerung der Umzug abgesagt. Kurzerhand stellte die damalige Fätze-Clique Stetten einen eigenen Umzug auf die Beine, der allerdings nur durch Stetten führte.

Im Jahr 1954 wurde dann, da die Narrenzunft mit zu viel Terminen und Arbeit belastet war, das Umzugscomité der Narrenzunft Lörrach ins Leben gerufen. Zu ihrem Sprecher wurde Fritz Heinzmann gewählt, der von Hermann Koppmann und Hartwig unterstützt wurde. Mit vertreten in diesem Comité waren jeweils die Cliquenführer. Um den Umzug finanzieren zu können, wurden zum ersten Mal Plaketten verkauft.

Im Jahr 1956 übernahm der Begründer der ursprünglichen, 1936 gegründeten Lörracher Narrengilde, Johann Maier-Muser, die Leitung und Organisation des Umzuges. Im Jahre 1957 waren es dann die Herren Martin, Roser und Sallacher (MAROSA) und 1958 sowie 1959 die Herren Martin, Roser und Braun (MAROBRA).

Für die Jahre nach 1960 zeichnete sich dann wiederum eine neue Lösung ab: Unter dem Vorsitz von Hans-Rudi Müller übernahmen die Cliquenvertreter(innen) Walter Traub, Heiner Pfaff, Leo Strittmatter, Dieter Stiefvater und Ella Schaber die Organisation des Umzuges unter dem Namen Vereinigte Lörracher Fasnachtscliquen (Cliquen-Comité). Das Jahr 1965 sah dann einen Generationswechsel bei der ‚Narrenzunft Lörrach: Hans-Rudi Müller übernahm nun auch das Amt des Oberzunftmeisters und führte fortan die beiden Ämter in Zunft und Cliquen-Comité in Personalunion.

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