Lörrach Die Weitgereisten

Die verdiente Stärkung zwischen den Begegnungen: die Jungen vom FC Barcelona beim Mittagessen. Foto: Beatrice Ehrlich

Lörrach - Die Spannung steigt beim PS-Immo-Cup am Samstagnachmittag auf dem Fußballgelände im Grütt. Alle drängen sich vor dem großen Bildschirm mit den Spielergebnissen der ersten Partien neben dem Büro der Turnierdirektion. Unter ihnen auch die Katalanen vom FC Barcelona, erkennbar an ihren Jacken in dunklem Violett.

Beim 8:0 gegen Schopfheim hat die Aleví-B-Mannschaft mit ihrem Trainer Jordi Pérez gezeigt, dass sie in einer anderen Liga spielt. Jetzt geht es hinter Teambetreuer Denis Mandieta zur Mannschaftsverpflegung. Es gibt Pasta Bolognese, zum Nachtisch ein Joghurt. Die Zeit ist knapp, denn bereits in 20 Minuten beginnt die nächste Begegnung.

Im blau-roten Trikot zu spielen, ist eine Ehre

Dennoch nimmt sich Trainer Pérez Zeit, um über die Philosophie des katalanischen Clubs zu informieren. Handverlesen sind die Schüler, die Jahr für Jahr in „La Masia”, die berühmte Fußballschule des FC Barcelona, aufgenommen werden. Dreimal in der Woche werden Schüler aus allen Teilen Kataloniens nach Barcelona zum Trainieren gebracht.

Im blau-roten Trikot zu spielen, ist eine Ehre für die Jugendlichen, mit der aber auch Pflichten einhergehen. In jeder Hinsicht seien die jungen Fußballer Botschafter ihres Clubs, betont Pérez. Neben Technik und Kondition und dem spezifischen, von Ausnahmetrainer Pep Guardiola geprägten typischen Barça-Technik werden dort vor allem die ehernen Werte der Fußballschule gelehrt, aus der schon Superstars wie Lionel Messi und Andrés Iniesta hervorgegangen sind: Respekt, Leistung, Siegeswillen, Mannschaftsgeist und Bescheidenheit.

Schulische Leistungen sind dem Verein wichtig

Im Mittelpunkt steht die Ausbildung der Persönlichkeit, auch wenn aus den jungen Talenten später keine Profi-Fußballer werden sollten. Schulische Leistungen sind dem Verein wichtig und eine Bedingung für die Aufnahme in die Talentschmiede. Wer Begabung zeigt, aber einen weiten Anfahrtsweg hat, wird mit zwölf oder 13 Jahren ins Fußballinternat aufgenommen. Auch Trainer Pérez führt ein Leben neben dem Fußballplatz. Vormittags unterrichtet der Mann aus Manresa an einer Barceloneser Grundschule, erst nachmittags schlüpft er ins Trainertrikot.

Die Reise zum Turnier ins Dreiländereck ist für die U12- und die U10-Mannschaft alljährlich eine Herausforderung. Sind sie es doch von zu Hause gewohnt, statt mit neun Spielern pro Mannschaft wie in Lörrach und Weil am Rhein am Wochenende, stets sieben gegen sieben zu spielen.

Dazu kommt die ungewohnte Kälte. Mit Borussia Dortmund stehen die „Azulgranas” („Blau-Rot“ nach den Farben ihrer Trikots) im letzten Gruppenspiel einem ebenbürtigen Gegner gegenüber. Groß und kräftig sind die Jungs aus Dortmund, doch Xabi, Tobi und die anderen schenken ihren Gegnern nichts. „Auf geht’s, Barça, auf geht’s!“ Am Spielfeldrand stehen die stolzen Eltern, Opas und Geschwister und feuern die jungen Spieler auf Spanisch oder Katalanisch an. Die Familienangehörigen sind privat ins Dreiländereck gereist und müssen sich abseits des Spielfelds fernhalten von der Mannschaft.

Schnelle und geschickte Pässe im Mittelfeld

Trotz der Unterstützung vom Spielfeldrand fällt kein Tor. Die Spielweise der beiden Mannschaften ähnelt sich, nach schnellen und geschickten Pässen im Mittelfeld gelingt der Sturm auf das gegnerische Tor nur selten. Kein Wunder: Ihre stärksten und größten Spieler stehen in der Verteidigung. Das Spiel endet torlos. Für die B-Mannschaft aus Barcelona ist das ein sehr achtbarer Erfolg.

Kurz darauf geht es für die Spanier auf Platz 1 weiter ins Viertelfinale. Dort wartet der FC Bayern München. Deren Fans sind nun in der Überzahl, die Anfeuerungsrufe der spanischen Fans gehen im allgemeinen Lärm unter. Auch in dieser Begegnung spielen die beiden Mannschaften auf Augenhöhe, lassen insbesondere vor dem Tor nichts anbrennen, so dass die Partie erneut unentschieden endet und die Katalanen sich schließlich nach einem spannenden Elfmeterschießen den Bayern mit 4:3 geschlagen geben müssen.

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