Lörrach Die Zeit drängt

 Foto: Regine Ounas-Kräusel      

Lörrach - Das Projekt „Lörrach verkleinert seinen CO2-Fußabdruck“ startete am Montagabend. Bei der Schöpflin Stiftung und auch online trafen sich mehr als 90 interessierte Menschen.

Drei heiße trockene Sommer in Folge, Trockenschäden im Stadtwald, vermehrter Starkregen – auch in der Region Lörrach ist der Klimawandel zu spüren. Um die Folgen zu begrenzen, haben die Staaten 2015 bei der Klimakonferenz von Paris beschlossen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Die Stadt Lörrach will im Jahr 2050 klimaneutral sein.

Die Stadt bemühe sich seit 30 Jahren um einen geringeren CO2-Ausstoß, sagte Oberbürgermeister Jörg Lutz zur Begrüßung. Sie habe Gebäude gedämmt, ein Solarkataster und eine Energieberatung eingerichtet und deshalb den European Energy Award in Gold gewonnen: „Doch nur zwei Prozent des CO2-Ausstoßes kann die Stadt selbst beeinflussen.“

Lutz ermutigte daher die Bürger, ihren Teil beizutragen: Warum nicht einmal in die Nähe reisen oder vegetarisch essen, fragte er. Es gebe noch viele Dächer ohne Solaranlage. 39 Prozent des CO2-Ausstoßes in Lörrach komme von Unternehmen und 59 Prozent aus Verkehr und dem privaten Bereich, präzisierte später Britta Staub-Abt, Fachbereichsleiterin Umwelt und Klimaschutz im Rathaus.

Um die Bürger mitzunehmen, starten die Stadt und der Runde Tisch Klima nun das Projekt zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks. Sie laden 500 Menschen – ein Prozent der Bevölkerung Lörrachs – ein, in Klimateams ein Jahr lang gemeinsam einen CO2-ärmeren Lebensstil ausprobieren. Zehn Klimateams haben sich bereits gebildet.

Zum Auftakt haben sie ihre Emissionen über den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes ermittelt. Dabei geht es um die Lebensbereiche Wohnen, Strom und Heizung, um Ernährung, Mobilität, Reisen und Konsum. Im Laufe des Jahres können die Klimateams den Effekt ihrer Bemühungen am Klimarechner feststellen.

Dass dabei die Lebensfreude nicht zu kurz kommen soll, war am Montag zu spüren. Zum Projektstart durchschnitten Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic, Britta Staub-Abt und Mechthild Beucke-Galm vom Runden Tisch gut gelaunt ein Band mit zwei symbolischen Füßen. Der Schüler Felix Hofmann unterhielt mit einem Klimasong.

Professor Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung machte in einem Online-Vortrag deutlich, dass die Zeit drängt. Als Beitrag zum 1,5 - Grad Ziel solle Deutschland seine CO2-Emissionen bis 2038 auf Null bringen, forderte er. Die Bundesregierung peilt 2045 an. Rahmstorf empfahl, die erneuerbaren Energien zügig auszubauen, den CO2-Preis auf knapp 200 Euro pro Tonne anzuheben und weitere Maßnahmen. Er sprach von Kipp-Punkten, von unumkehrbaren Entwicklungen und erklärte, dass der Klimawandel auf physikalischen Gesetzen beruht: Starkregen nähmen zu, weil wärmere Luft mehr Wasser aufnehme, sagte er zum Beispiel.

In der Diskussion würdigte Rahmstorf die Bemühungen Einzelner. Er selbst besitze zum Beispiel kein Auto. Aber entscheidend sei, dass die Politik den ordnungspolitischen Rahmen setze. Er rief die Menschen auf, „Klimaschutz“ zu wählen. Betone man die Verantwortung des Einzelnen zu stark, führe das eher zu Widerstand, warnte er: Wer wolle schon mit schlechtem Gewissen in den Urlaub fliegen? „Wir wollen uns nicht schuldig fühlen, sondern kleine Erfolge feiern“, betonte Lutz Knakrügge vom Runden Tisch Klima.   Infos und Kontakt für Interessierte: https://rtk-loerrach.de, Mail: info@rtk-loerrach.de

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