Lörrach Dramatische Dialoge in Schopfheim

jb
Ein Wiedersehen im Schwarzwald hat ungeahnte Folgen und führt in die Vergangenheit. Foto: Pixabay

Ein Psychothriller der leisen Art mit Bezug zu einem Bergdorf bei Schopfheim ist neu erschienen. Die Autorin Elsa Zett entfaltet ein dramatisches, lange zurückliegenden Geschehen – voller Tiefgang.

Nein, auch wenn in dem Buch der Ortsname Schopfheim vorkommt: Elsa Zett hat keinen Regionalkrimi geschrieben. In Schopfheim, genau gesagt in einem nahe gelegenen, von hier aus mit dem Bus erreichbaren Schwarzwalddorf, ereignet sich nur die Rahmenhandlung des Romans. Die ist zwar auch sehr spannend erzählt, aber die Haupthandlung, in der es um ein dramatisches, lang zurückliegendes Geschehen geht, spielt in einem kleinen südfranzösischen Ort.

Der Schriftsteller und Journalist Luc Dubois begegnet in einem Hotel in besagtem Schwarzwalddorf unversehens einer alten Bekannten – und am liebsten würde er sofort wieder abreisen. Isabelle war vor 20 Jahren, während der Sommerferien in der Drôme, das Kindermädchen der Familie Dubois. Damals verschwand die kleine Anouk spurlos.

Erinnerung an Tragödie

Luc hat sich nach der Tragödie in einem neuen Leben eingerichtet und will nicht an die Vergangenheit erinnert werden. Aber die Tischgespräche mit Isabelle drehen sich alle um das mutmaßliche Verbrechen und um die Frage, was damals wirklich geschah.

An drei langen Abenden entwerfen die beiden ein Bild des Dramas um das verschwundene Kind und erinnern sich an die Menschen, die darin verwickelt waren und bis heute nicht davon loskommen. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart treffen sie auf überraschende Erkenntnisse und verwirrende Ungereimtheiten. Der „Fall Anouk“, glaubt Luc Dubois am ersten der drei Abende mit Isabelle, wird nie gelöst werden. Bis das Gespräch am dritten Abend eine unerwartete Wendung nimmt.

Der Roman ist eigentlich ein Psychothriller. Aber ein ganz leiser, subtiler, der ohne schrille Töne und reißerische Passagen auskommt.

Spannungsbogen

Die Autorin baut einen Spannungsbogen auf, der den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält. Das mitreißend geschriebene Buch glänzt durch glaubwürdige Figuren, treffende Dialoge, eine überzeugende Dramaturgie und liebevolle, mit feinem Humor durchwirkte Milieuschilderungen. Und durch einen fulminanten Schluss.

Elsa Zett, Der Fall Anouk, 312 Seiten, Taschenbuch 14 Euro, E-Book 10,99 Euro im Buchhandel und online

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