Lörrach Drittes Gymnasium kommt vorerst nicht

Foto: Meller Foto: Die Oberbadische

Die Stadt möchte das massiv unter Raumnot leidende Hans-Thoma-Gymnasium (HTG) möglichst zeitnah durch einen Erweiterungsbau entlasten. Dagegen soll das dritte Gymnasium in den kommenden zehn bis 15 Jahren nicht gebaut werden. Am heutigen Donnerstag wird der Gemeinderat das Thema erörtern.

Von Bernhard Konrad

Lörrach. Wie von unserer Zeitung berichtet, plant die Stadt nun doch die Erweiterung der bestehenden Bausubstanz auf dem Campus Rosenfels. Damit soll die ursprünglich durch den Bau des dritten Gymnasiums angestrebte Entschärfung der Situation auf dem Campus – insbesondere am HTG – erreicht werden. Im Grundsatz wird das dritte Gymnasium als Säule der kommunalen Schulentwicklungsplanung zwar nicht verworfen. Ob es allerdings tatsächlich dazu kommen wird, dürfte unter anderem von der Entwicklung der Schülerströme und den finanziellen Möglichkeiten der Kommune abhängen.

Eine erste grobe Schätzung jedenfalls habe für den Bau des dritten Gymnasiums Kosten in Höhe von rund 25 Millionen Euro ergeben. Dies sei, „vor allem angesichts der übrigen anstehenden Aufgaben, mittelfristig nicht zu finanzieren“, so die von mehreren Fachbereichsleitern unterzeichnete Sitzungsvorlage. Damit sei die angestrebte Entlastung des HTG kurz- bis mittelfristig nicht möglich. Auch die Einrichtung einer Außenstelle in der Neumattschule oder an anderen Standorten hätten sowohl das Regierungspräsidium als auch das HTG aus pädagogischen und organisatorischen Gründen abgelehnt.

Deshalb schlägt die Verwaltung in Abstimmung mit der Schulleitung vor, „die Erstellung eines Erweiterungsbaus für zehn Klassenzimmer und Umbaumaßnahmen für die Schaffung zusätzlicher naturwissenschaftlicher Räume im Bestand zu prüfen.“ Dabei seien verschiedene Alternativen angedacht, die in einer Machbarkeitsstudie untersucht werden sollen.

Diese „von der Schulgemeinschaft mitgetragene Vorgehensweise“ führe zwar nicht zu der beim Schulentwicklungsprozess angestrebten Entlastung des Campus durch die Reduzierung der Schülerzahl, sorge aber für eine erhebliche Verbesserung der räumlichen Situation am HTG, so die Stadt.

Mit Blick auf die Priorität genießende Fridolinschule habe die Verwaltung dem Gemeinderat und den Schulleitungen fünf Varianten zur Sanierung vorgestellt. Die Stadt werde diese Optionen nochmals aufarbeiten und dem Gemeinderat noch in diesem Jahr aufzeigen, welche Variante zu welchen Kosten realisiert werden kann.

Dagegen soll der Projektstart für die Arbeiten an der Hellbergschule laut Vorlage um ein Jahr auf Dezember 2021 verschoben werden. Die Begründung: Es sollen denkbare schulpolitische Veränderungen nach der Landtagswahl 2021 abgewartet werden.

Die städtischen Vorschläge zur Vorgehensweise an den Schulen sind auch in Zusammenhang mit grundsätzlichen Überlegungen der Verwaltung zu Projektlisten für Hochbaumaßnahmen zu sehen, mit denen diese unter finanziellen, aber auch weiteren Gesichtspunkten priorisiert werden sollen.

Die Gemeinderatsfraktion der Grünen begrüßt, dass die Verwaltung dieses Verfahren entworfen hat. Sie trete auch für den damit verbundenen Vorschlag ein, dass sowohl die Sanierung der Fridolinschule als auch die Erstellung eines Erweiterungsbaus für das HTG „ohne weiteren Verzug auf den Weg gebracht werden. Beide Projekte erscheinen gegenwärtig alternativlos: Der marode Bauzustand der Fridolinschule ist nicht weiter tragbar, das HTG bedarf dringend einer räumlichen Entlastung. Die Grünen halten auch weiterhin am beschlossenen Bau eines dritten Gymnasiums fest“, so Fritz Böhler für die Fraktion.

Dass die ebenso dringliche Sanierung der Hellbergschule sowohl aufgrund mangelnder Planungskapazitäten seitens der Verwaltung als auch politischer Unsicherheiten bezüglich der Zukunft der Schulform „Werkrealschule“ damit erneut eine Verschiebung erfahre, sei bitter, erscheine aber in der Sache nachvollziehbar.

Die CDU-Stadtratsfraktion begrüßt grundsätzlich die vorgeschlagene Vorgehensweise der Verwaltung. Sie legt aber Wert darauf, dass die Letztverantwortung beim Gemeinderat verbleiben muss. Ebenso wird begrüßt, dass eine Gesamtschau die Grundlage der Entscheidungen bilden soll. Deshalb trage die Fraktion den Verwaltungsvorschlag zu den Investitionen an Fridolinschule, HTG und Hellbergschule so nicht mit.

Denn, so der Fraktionsvorsitzende Ulrich Lusche: „Ungeachtet der Handlungsnotwendigkeit etwa bei der Halle der Fridolinschule muss für diese Schulen eine Gesamtschau erfolgen. Jede Maßnahme an der einen Schule wirkt sich ja gerade auf die Handlungsmöglichkeiten an den anderen Schulen unmittelbar aus. Deshalb ist unbefriedigend, dass für die Planungen bzw. angedachten Lösungen beim HTG immer noch überhaupt keine Größenordnung vorliegt, die eine Bewertung zulässt. Dass wiederum überhaupt kein Zeithorizont festgelegt werden soll, ist inakzeptabel.“

Und weiter: „Der Hellbergschule gar keine Perspektive zu geben, ist ebenso inakzeptabel. Darauf läuft der Verwaltungsvorschlag aber hinaus. Die Begründung mit der offenen Zukunft der Werkrealschule ist keine Begründung dafür, am Standort Brombach überhaupt nicht für die Zukunft zu planen.“

Weder dem HTG noch der Hellbergschule sei vermittelbar, dass zunächst Investitionen für die Fridolinschule isoliert beschlossen werden sollen.

Umgekehrt könnten der Fridolinschule Einschränkungen nur vermittelt werden, wenn diese belastbar begründet würden.

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