Die Verbindung Hamburg-Lörrach gilt als Klassiker unter den Autoreisezugrouten. Doch in wenigen Jahren könnte die 900 Kilometer lange Strecke endgültig Geschichte sein. Denn die Deutsche Bahn plant, den Fernbahnhof Hamburg-Altona abzureißen und durch einen Neubau auf der grünen Wiese zu ersetzen – ohne Verladeterminals für Autos.

Von Kristoff Meller

Lörrach. Im Rahmen der europaweiten Aktionswoche zur Förderung der Nacht- und Autozüge machte der Fahrgastverband Pro Schiene Dreiland kürzlich am Verladeterminal in Lörrach mit einer Flyeraktion auf die „besorgniserregende Entwicklung in Hamburg“ aufmerksam. Nach Plänen der Deutschen Bahn und der Stadt Hamburg sollen der Fernbahnhof Hamburg-Altona abgerissen und dafür in einigen Kilometern Entfernung bis zum Jahr 2023 neben der bestehenden S-Bahn-Haltestelle „Diebsteich“ drei Fernbahnsteige angelegt werden.

Das großes Problem dabei: „Eine Verlademöglichkeit für Autos und Motorräder ist in Diebsteich bisher nicht vorgesehen“, erklärt Pro Schiene-Vorsitzender Karl Argast. Zwar habe die Bahn auf Initiative diverser Bürgerinitiativen und den Betreibern der Autoreisezüge eine „Machbarkeitsstudie“ für ein Verladeterminal in „Diebsteich“ in Auftrag gegeben, gebaut sei dieses dadurch aber noch lange nicht, betont der Pro Schiene-Vorsitzende.

Und auch andere Alternativen blieben laut Argast wegen des systematischen Rückbaus der Autozuganlagen in den vergangenen Jahrzehnten durch die Deutsche Bahn rar gesät: „In Hamburg und Umgebung gibt es weit und breit kein einziges Verladeterminal mehr.“ Deshalb befürchtet Pro Schiene, dass mit einem Abriss des Bahnhofs Hamburg-Altona auch der Autoreisezug nach Lörrach gefährdet sein könnte.

Nachdem die Deutsche Bahn den Betrieb der Route zwischen der Hansestadt und Lörrach zum 30. Oktober 2016 eingestellt hatte, weil sie das Autoreisezug-Geschäft für nicht mehr rentabel hielt, übernahm der Bahntouristikexpress (BTE) aus Nürnberg die Route. Nach einem zunächst eher verhaltenen Start im Dezember 2016 baute das Unternehmen sein Angebot im vergangenen Jahr für die Sommermonate aufgrund der Nachfrage sogar aus. Der zweite Anbieter „Train4You“ mit seinem „Urlaubs-Express“ lässt hingegen in diesem Jahr nach nur einer Saison keine eigenen Züge auf der Strecke mehr fahren, bietet aber weiterhin Verbindungen zwischen Lörrach und Hamburg in Kooperation mit BTE an.

Was die Pläne der Bahn in Hamburg für BTE bedeutet? Der BTE-Geschäftsführer Matthias Wolf war gestern für eine Stellungnahme telefonisch leider nicht erreichbar.

Ob der Zeitplan der Bahn eingehalten werden kann, ist unterdessen unklar. Denn in der Hansestadt hat sich inzwischen vielfältiger Protest gegen das 360 Millionen Euro teure Großprojekt formiert. Bereits vier Klagen liegen vor. Zuletzt reichte der Verkehrsclub Deutschland Klage beim Oberverwaltungsgericht ein: „Wir befürchten mit Aufgabe des Fernbahnhofs gravierende Verschlechterungen für Fahrgäste im Hamburger Westen und auch Schleswig-Holstein. Mittelfristig sehen wir den Bestand des Fernverkehrs für Schleswig-Holstein gefährdet“, schreibt der VCD.

Das Hamburger Abendblatt bezeichnete das Projekt in einem Artikel bereits „als Todesurteil“ für den Autoreisezug. Laut dem Artikel suche die Bahn aber zusammen mit den Betreibern der Autozüge – in Hamburg starten drei private Anbieter auf sechs Routen – nach Alternativen für die Verladung.

Auch die Stadt Hamburg beschäftigt sich laut Abendblatt mit dem möglichen Ende der Autoreisezüge. Christian Füldner von der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation sagte der Zeitung: „Das Angebot wird von zahlreichen Kunden genutzt, fällt aber vor dem Hintergrund des Gesamtverkehrsaufkommens nicht ins Gewicht.“ Gleichwohl sei der Autoreisezug „eine wünschenswerte Ergänzung zum Verkehrsangebot“.