Lörrach Dynamische Tastenkünstlerin

Gab ein eindrucksvolles Debüt beim „Jungen Podium“ des Burghofs: die 22-jährige Pianistin Magdalena Müllerperth. Foto: Jürgen Scharf Foto: Die Oberbadische

Von Jürgen Scharf

Lörrach. Glenn Gould hat sie gespielt, auch wenige andere Pianisten wie Kalle Randalu. Doch wer von den heutigen Klaviergrößen spielt sie sonst? Die Rede ist von den drei Klaviersonaten des Frankfurter Neutöners Paul Hindemith. Die junge und schon mit Preisen und Auszeichnungen überhäufte Pianistin Magdalena Müllerperth wurde auf diese Sonaten aufmerksam und sieht sich als deutsche Pianistin in der Pflicht.

Jugendliche Kühnheit

Die 22-jährige Tastenkünstlerin aus Maulbronn, die derzeit in Berlin studiert, stellt die dritte Hindemith-Sonate an den Anfang ihres Recitals im Jungen Podium – geradezu ein Akt jugendlicher Kühnheit, dieses diffizile Sonatenwerk als „Einspielstück“ zu platzieren, zumal bei einer Matinee wie der am Sonntag im vollbesetzten, bei geschlossenen Vorhängen abgedunkelten „kleinen“ Saal des Lörracher Burghofs.

Es war nämlich ein ausgewiesenes Abendprogramm mit voller Länge und technisch höchst anspruchsvollen Stücken. Magdalena Müllerperth macht es sich nicht leicht, sondern fährt schwere Kaliber auf. Um es gleich vorweg zu sagen: Es wurde ein beeindruckendes Porträt dieser jungen Pianistin.

Gleich bei Hindemith löst sie die pianistischen Probleme analytisch und strukturell klar. Die komplexe Musik, die mit ihren Fugen an Bach erinnert, spielt sie durchsichtig konturiert, mit elastischer Rhythmik und sicherem Formgefühl. Der zweite Satz („sehr lebhaft“) wird bei ihr zu virtuosen Tastenspielen. Ihre enorme Konzentration, mit der sie ihre flinken Finger koordiniert, lässt staunen. Ihr gelingt ein zwingendes Plädoyer für den einstigen „Bürgerschreck“, das auf eine Ehrenrettung Hindemiths hinausläuft.

Ereignishaft auch die anderen Interpretationen dieser agilen und pianistisch dynamischen Newcomerin. Bei Schuberts großer Wanderer-Fantasie hat sie den Überblick. Ein Spiel, das „singt“, romantisch ist. Die Emotionalität schwingt sich frei aus, mit spontanen Temporelationen. Die Interpretin findet lyrische, ja feminine Töne, bevor es am Schluss spieltechnisch bravourös zur Sache geht.

Oder bei Beethovens „Appassionata“, ohne Zweifel sauber und souverän gespielt; allerdings wirkt der langsame Satz noch etwas unpersönlich (aber vielleicht wäre das auch zuviel erwartet, zumal wenn man an einem Vormittag solche gewichtigen Brocken zu stemmen hat!).

Den ursprünglich angekündigten Liszt (Norma-Paraphrase) hat Magdalena Müllerperth ausgetauscht und klugerweise etwas ganz Konträreres nach der „Appassionata“ einstudiert: die drei Mouvements aus „Petruschka“ von Igor Strawinsky, das spieltechnisch sicher schwierigste Stück des Programms, bei dem Motorik und Sensorik gleichermaßen gefordert sind. Aber dieser hochtalentierten Pianistin gelingt es quasi „mit links“, Strawinskys motorische Unerbittlichkeit mit ihrer rhythmischen Elastizität zu kontern. Schier unglaublich, wie diese zierliche und zartgliedrige Person überhaupt nicht zartfingrig agiert, sondern mit gestählten Knöcheln und hartem Anschlag den Flügel bis in den schrillen Diskant traktiert – bravo!

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