Für das städtische Fernziel Klimaneutralität sind große Anstrengungen nötig. Nicht nur die Stadt auch die Bürger sind gefordert. 32 „Klimafreundliche Familien“ wollten mit gutem Beispiel vorangehen und nahmen am gleichnamigen Projekt teil. Die Bilanz nach einem Jahr zeigt: Einsparungen beim CO2-Fußabdruck sind nicht immer einfach aber machbar.

Von Kristoff Meller

Lörrach. Für rund elf Tonnen Treibhausgase  ist jeder Deutsche im Durchschnitt pro Jahr verantwortlich. Etwas mehr als eine Tonne davon ist der deutschlandweite Grundstock und für den Einzelnen nicht reduzierbar. Er fällt beispielsweise für die städtische Infrastruktur an. Bei der eigenen Mobilität, Ernährung, Konsum sowie bei Heizung und Strom gibt es hingegen Einsparpotenziale.

Die Teilnehmer 
Viele der  32 Familien  waren bereits vorher klimabewusst unterwegs. Allerdings meist nur in einem Bereich – beispielsweise bei der Mobilität, wie  Amandine Tupin, die das Projekt gemeinsam mit Claudia Salach, Doreen Czensny und Tanja Lorenz betreut hat,  im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert. Deswegen sei der Austausch untereinander sehr interessant gewesen. Eine deutliche Verbesserung des eigenen CO2-Fußabdrucks sei aber deutlich schwieriger zu erreichen: „Wir wollten ursprünglich gerne verschwenderische Bürger als Teilnehmer, aber die machen bei so einem Projekt offenbar leider nicht mit und wir können niemanden zwingen“, sagt Tupin.  

Kleine Schritte
Doch auch wer bereits umweltbewusst lebt, kann seinen CO2-Fußabdruck weiter reduzieren: „Viele Details zusammen machen sich auch bemerkbar“, erklärt Tupin. Vor allem wenn die Änderungen nicht nur in einem Haushalt vollzogen werden. Die 32 Familien, von denen die meisten in Stetten wohnen, seien dabei wie Multiplikatoren gewesen, da auch der Freundeskreis von der Teilnahme erfahren habe.   

Großes Angebot, geringe Nachfrage
Zu den vier Themenschwerpunkten (siehe Kurzinfo) gab es ein Übungsheft mit Tipps und Adressen sowie Vorträge und  Workshops. „Wir haben uns sehr viel vorgenommen“, erklärt Tupin. Ein Dämpfer für sie und ihre Mitstreiterinnen war jedoch die teils schwache Resonanz. Lediglich neun der 32 Familien lauschten beispielsweise den Worten der bekannten „Stromrebellin“ Ursula Sladek (Elektrizitätswerke Schönau) sowie den Hinweisen von Jan Münster ( Energieagentur).

Einige Teilnehmer entschuldigten sich im Nachhinein dafür, dass sie den Zeitaufwand für das Projekt unterschätzt hätten. „Am Ende war die Luft bei vielen ein bisschen raus“, sagt Tupin. „Wir haben auch den Fehler gemacht, manche Sachen zu  wissenschaftlich zu betrachten. Die Leute wollen lieber einfache Tipps für den Alltag.“ So sei beispielsweise das Projekt zur Reduzierung des eigenen Verpackungsmülls ein großer Erfolg gewesen: „Die Teilnehmer waren kaum zu bremsen.“

Bewusstsein geweckt
Das Ziel, das Bewusstsein der Teilnehmer für Klimaschutz im Alltag, für einen bewussten Umgang mit Ressourcen und für einen nachhaltigen Lebensstil zu wecken, sei   bei vielen erreicht worden. Wer einmal zwei Wochen komplett auf das Auto verzichtet habe,  überlege anschließend  genau, welche Autofahrten notwendig seien. „Man muss das als einen Gewinn an Lebensqualität und nicht nur als Verzicht sehen“, beschreibt sie die Umstellung der Gewohnheiten.

Für diesen Prozess brauche es jedoch Zeit oder den passenden Moment:  Bei einer Familie ging während des Projekts eines der beiden Autos kaputt. „Sie haben  es nicht ersetzt, weil sie so begeistert von den geliehenen E-Bikes mit Anhänger waren, mit denen sie in der Stadt viel schneller ans Ziel kamen“, erzählt Tupin.

Zukunft
Das Projekt ist abgeschlossen. Im neuen Jahr ist laut Tupin aber geplant, sich am monatlichen „Fairbrauchertreff“ im Nellie Nashorn zu beteiligen. „Wir möchten die Plattform nutzen, um jeweils ein Thema zu bearbeiten und den Austausch über eigene Erfahrungen zu fördern.“ 

Mehr Infos unter https://klimafreundliche.wordpress.com

Klimafreundliche Familien
Ziel des Bürgerbeteiligungsprojekts  der „Klimafreunde Lörrach“ in Kooperation mit der Stadt Lörrach war es, 30 Familien aus Lörrach und Umgebung für konkrete Klimaschutz-Aktionen zu gewinnen. Mit dem Projekt sollte das Bewusstsein der Teilnehmer für Klimaschutz im Alltag, für einen bewussten Umgang mit Ressourcen und für einen nachhaltigen Lebensstil geweckt werden. Im Rahmen des Projekts wurden vier Bereiche – Ernährung, Mobilität, Konsum und Wohnen – innerhalb eines Jahres für jeweils drei Monate genau unter die Lupe genommen.


Zitate der Teilnehmer - Müllvermeidung
„Nachdem wir bei Milch, Sahne, Saft und Joghurt auf Flaschen umgestiegen sind, konnten wir den gelben Sack erheblich verkleinern.“ 

„Weniger Plastik zu verbrauchen, ist weitaus schwieriger als ich dachte.“ 

„Ich finde es nach wie vor schwierig bis sogar unmöglich, beim Einkaufen verpackungslos zu werden. Die meisten Sachen in den üblichen Lebensmittelgeschäften sind in Plastik verpackt.“  

„Ich konnte auf dem Wochenmarkt problemlos Brot, Käse, Waie und Gemüse ohne Verpackung bekommen.“


Konsumverhalten
„Die hiesige Wirtschaft ist nicht darauf ausgelegt, dass wir für Produkte Ersatzteile kaufen können. Man hat nur die Möglichkeit, ein komplett neues Gerät oder Produkt zu kaufen.“

„Wir waren schon im Repair-Café. Mein Sohn konnte dort unter Anleitung eines Elektrikers einen Toaster und ein Radio auseinandernehmen und beim Reparieren helfen. Meinen zehn Jahre alten Wecker hat der Uhrmacher für acht Euro wieder zum Laufen gebracht. Bei all diesen Gelegenheiten gab es nette Begegnungen und interessante Gespräche.“


Fazit nach Projektende
„Den gelben Sack haben wir deutlich reduziert. Ich drücke auch kaum einen Anschalter ohne mir bewusst zu sein, dass damit bereits der Strom läuft. Auf manches verzichte ich inzwischen – ohne das Gefühl zu haben, dass ich verzichte.“ 

„Das Jahr hat uns  neue Blickwinkel auf unsere Gewohnheiten und unseren Alltag ermöglicht. Wir haben ein Auto nicht wieder angeschafft und gemerkt, dass es auch nur mit einem gut geht. Viele Dinge haben an Wichtigkeit verloren und uns ist aufgefallen, dass man eigentlich zu viel davon besitzt.“
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