Lörrach Ein Changieren zwischen den Welten

Jürgen Scharf
Tanzkunst voller Emotion, Energie und Durchschlagskraft: die Vertigo Dance Company aus Israel.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  Foto: Rune Abro

Von Jürgen Scharf

Lörrach. Die internationale Tanzszene ist breit aufgestellt. Am Montag gastierte mit der Vertigo Dance Company eines der wichtigsten israelischen Ensembles in Lörrach. Das neue Tanzstück „One. One & One“ der Choreografin Noa Wertheim entstand zum 25. Geburtstag der in Jerusalem beheimateten Kompagnie, die als Botschafter für Israels Tanzkultur durch die Welt tourt. Sie zeigte im Burghof in gerade mal sechzig Minuten die ganze Leidenschaft, Energie, Glut und Wucht des zeitgenössischen Tanzes.

Gewitter, Donner, prasselnder Regen, in der Ferne Hundegebell: eine düstere, beklemmende Szenerie. Männer sitzen auf Mauern, schauen in die Ferne oder auf eine Frau, eine laute Stimme ruft nach „Rick“. Bald nach Beginn wirkt die Bühne wie eine graue Staubwüste, denn es wird ständig aus Eimern staubige Erde auf dem Boden verstreut. Auf diesem nährenden „Humus“ bewegen sich einige Tänzer in Bodennähe, wälzen und rollen sich, robben über das Tanzfeld. Einige Tanzpaare fallen einander in die Arme, taumeln, stürzen. Mensch und Natur vereinen sich kreativ. Es ist ein kraftvoller Tanz, der die Außen- und Innenwelt reflektiert, ständig wechselnd zwischen einer explosiven Körperpräsenz und meditativen zarteren Einschüben.

Reiche Bewegungssprache

Man sieht eine reiche Bewegungssprache voller Dramatik und leisen Untertönen, die unterschiedliche Perspektiven zwischen Nähe und Ferne, dem Einzelnen und dem Anderen suggeriert. Die Welt, das Individuum und die Gemeinschaft, das Einssein und die Masse wird aus ganz verschiedenen Blickwinkeln gesehen.

Sehr oft wird man an die Einsamkeit des Menschen erinnert, an Momente von Angst vor Konformität, das Alleinsein, an das Verlangen nach Zugehörigkeit, an Berührungen und Beziehungen, aber auch an Mobbing, Leid, Tod und Verzweiflung. Immer wieder brechen Einzelne aus der Menge aus. Die Choreografie versammelt soziale Aspekte in einem Wechselspiel und in Spannungsmomenten zwischen Kollektiv und Einzelperson.

Grandiose Szenen

Da gibt es grandiose Szenen des Aufbegehrens, zwischen Anziehung und Abstoßung, manchmal wird herrlich lässig und schlaksig getanzt, dann wieder mit geradezu gymnastischen und artistischen Elementen, unterbrochen durch kontemplative Ruheinseln.

Auch vom Soundprofil her changiert das Stück zwischen lauten Hammerschlägen, verträumten Cellokantilenen und wilden Techno-Rhythmen mit arabischem Einschlag. In der Choreografie der Vertigo Company kann der Betrachter durchaus eine Verbindung zwischen dem zeitgenössischen Tanz und dem klassischen Ballett entdecken. Vor allem ist sie eine Tanzkunst voller Emotion, Energie und Durchschlagskraft.

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