Lörrach Ein Edelmann, der den Verstand verlor

Claudia Gabler (links) empfing zur Hörspielmatinee am Sonntag die Schauspielerin und Regisseurin Kirstin Petri. Foto: Christoph Schennen

Lörrach - Er ist schon ein komischer Kerl, dieser Don Quijote. Trotz Rückschlägen, die ihn zu Boden werfen und verletzen, gibt er nicht auf, um seinen Traum, ein fahrender Ritter zu sein, zu verwirklichen. Katrin Zipse und Kirstin Petri haben sich die berühmte Geschichte „Don Quijote von der Mancha“ von Miguel de Cervantes vorgenommen und aus ihr ein Familienhörspiel gemacht. Am Sonntag hat Regisseurin Kirstin Petri die Produktion in der VHS-/SWR-Reihe „Mit den Ohren sieht man besser“ vorgestellt.

„Es ist schon etwas besonders, so einen Klassiker zu machen“, sagt die 50-Jährige im Gespräch mit Claudia Gabler in der Bar Drei König. Das Hörspiel ist erst am Abend vor dem Sendetermin fertig geworden. Die drei einstündigen Teile wurden an Pfingsten in SWR2 gesendet.

Gelungene Neuübersetzung

Petri schwärmt von der Neuübersetzung des „Don Quijote“-Romans von Susanne Lange, der es gelungen sei, die Vielschichtigkeit der beiden Protagonisten (Don Quijote und Sancho Panza) herauszuarbeiten. Ihre Reden werden im Verlaufe des Romans immer philosophischer, Sancho Panza geistreicher, und die Gesprächskultur ändert sich.

Alonso Quijano ist ein Edelmann, an die 50 Jahre alt, mit hohlen Wangen und mit einer kühnen Idee. Das Lesen von Ritterromanen, heißt es an einer Stelle im Hörspiel, „trocknete ihm das Gehirn aus, und er verlor den Verstand.“

Die Romane faszinieren ihn so sehr, dass er beschließt, ein Ritter sein zu wollen. Er benennt sich um in „Don Quijote“ und macht sich auf den Weg, um sich todesmutig in Abenteuer und Gefahren zu stürzen, zunächst allein, später mit Sancho Panza, seinem Schildknappen, dem er die Herrschaft über ein Eiland verspricht.

Alles am „Don“ ist lächerlich: Sein Visier ist aus Pappe, sein tierischer Begleiter, Rosinante, ist ein alter Schindgaul, und auch die Menschen, denen er begegnet, haben aufgrund seines Auftretens nur ein müdes Lächeln für ihn übrig. Die Freudenmädchen, die für ihn liebliche Burgfräulein sind, wundern sich über das befremdliche Aussehen und die geschwollene Sprache des Ritters.

Sancho Panza kann ihn nicht davon abhalten, unsinnige Dinge zu tun. Und so kämpft Quijote gegen Windmühlen, in denen er grimmige Riesen erkennt, befreit Gefangene und sieht in zwei sich begegnenden Schafherden feindliche Heere. Als er die Windmühlen als solche erkennt, meint er, dass ein Zauberer die Riesen in Windmühlen verwandelt hat.

In der Matinee wird der erste Teil „Vom Auszug des geistvollen Hidalgos, seiner Rückkehr und neuen Fahrt“ vorgespielt. Den Titelhelden hat Petri mit der Hörspiel-Koryphäe Christian Brückner besetzt, der aus „Don Quijote“ einen Melancholiker macht, der unbeirrbar das tut, was sein Herz ihm sagt. Das Hörspiel glänzt durch seine feine Ironie und seinen abwechslungsreichen Mix aus Erzählung, Spielszenen und spanischen Liedern, die klangvoll vom Chilenen Adolfo Assor vorgetragen werden.

Das nächste Hörspiel von Petri ist schon in Vorbereitung: Für den Schweizer Rundfunk erzählt sie die Geschichte von Vernon Subutex.

Sie möchten alle Nachrichten aus Ihrer Gemeinde lesen?
Dann testen Sie unser ePaper – 3 Wochen völlig gratis und unverbindlich! Klicken Sie HIER.

Newsticker

blank

Umfrage

Ladestation - Elektroauto

Ein Förderprogramm der Bundesregierung soll mehr Elektroautos auf die Straße bringen. Würden Sie sich ein solches Fahrzeug kaufen?

Ergebnis anzeigen
loading