Lörrach - So etwas wie bei der Schulvorstellung des Theater „Fusion“ aus Berlin am Mittwoch auf der heimeligen Hinterbühne im Burghof haben die Kinder sicher noch nicht gesehen: zwei ausgewachsene Engel im Weihnachtsstress.

Weihnachtsengel Serafina schmückt die Welt, was das Zeug hält mit Basteleien und Lichterketten, während ihre Kollegin Gabriele, Schutzengel, rund um die Uhr im Einsatz ist – „tatü tata“ – um kleinere und größere Katastrophen zu verhindern. Die beiden sind Engel (Anna Menzel, Susanne Olbrich), die quicklebendig sind, ganz menschlich in gewisser Weise. Sie streiten, dass die Fetzen fliegen, darüber, wer mehr zu tun hat in der Vorweihnachtszeit, und sitzen doch gleich darauf wieder in trauter Zweisamkeit beim Tee zusammen.

Beide Engel haben Hochsaison

Lebensnah und mit Humor rufen die beiden vorweihnachtliche Rituale in Erinnerung. Während ihr die eine zum größten Vergnügen der anwesenden Kinder Wunschzettel vorliest – Star Wars Laserschwert, Eiskönigin-Schminktasche und Nintendo stehen hier an erster Stelle – berichtet die andere von haarsträubend gefährlichen Situationen mit Kerzenlicht und vereisten Straßen. Beide Engel haben Hochsaison.

Werden denn auch sie in Ruhe Weihnachten feiern können? Und siehe da: Das Wunder geschieht; Friede kehrt ein, als sich die beiden darauf verlegen, die Weihnachtsgeschichte nachzuspielen. Da zeigt sich auf bezaubernde Art und Weise, was sich unter den ausladenden Gewändern der beiden Engel noch verbirgt: Gabrieles Jacke mit den vielen kleinen Taschen verwandelt sich in eine Herberge in Bethlehem mit vielen Stockwerken, unter ihrer schlabbrigen Strickmütze befindet sich eine bescheidene Schlafkammer im Dach, wo später, als alle Zimmer vergeben sind, der Wirt im Stroh Unterschlupf findet. Serafinas ausladendes Kleid birgt den Stall mit Ochs und Esel. Hier wird Maria ihr Kind zur Welt bringen und von Hirten und Königen besucht werden. Sie alle – als fantasievoll gestaltete Stoffpüppchen – finden unter den großen, auf den ersten Blick ärmlich wirkenden Stoffbahnen Platz.

Neue Interpretation: der Wirt als Held

Die Rollen sind etwas anders verteilt in dieser Berliner Interpretation der Weihnachtsgeschichte: Der Wirt, sonst oft als mürrisch und abweisend dargestellt, wird ganz unvermutet zum Helden. Den ganzen Tag ist er auf den Beinen, um seinen Gästen eine ansprechende Unterkunft und Verpflegung zu bieten. Zwar brummelt er stets heftig berlinernd vor sich hin, überlässt aber dann doch seinen Gästen schließlich sogar sein eigenes Zimmer und schläft im Stroh. Der Stall, in den er zu später Stunde Maria und Josef schickt, nicht ohne ihnen zuvor Decken mitgegeben zu haben, ist hier ein sympathischer, anheimelnder Ort.

Seien es die liebevoll zum Leben erweckten Puppen, die am Ende alle rund um die Krippe herum gruppiert stehen, seien es die sorgsam ausgewählten alten Weihnachtslieder – „Kommet Ihr Hirten”, „Still, still”, „In dulci Jubilo” – am Ende entfaltet auch dieses Krippenspiel (Idee und Ausstattung: Eva Noell und Susanne Olbrich) eine ganz besondere Wirkung bei Kindern und Erwachsenen. Am Ende scharen sich die Kinder aus dem Publikum um die Schauspielerinnen und kommen mit ihnen ins Gespräch: über Weihnachtswünsche beispielsweise. Schade, dass diese wunderschöne Weihnachts-geschichte nur im Vormittagsprogramm gezeigt wird.