Lörrach Ein-Euro-Ticket auf Prüfstand

 Foto: Kristoff Meller

Lörrach - Die zu erwartende schwierige finanzielle Lage der Stadt Lörrach führt dazu, dass die Fortführung einer Reihe auch erfolgreicher Maßnahmen auf den Prüfstand gestellt wird.

Gefährdet ist beispielsweise die Fortführung des Ein-Euro-Tickets für den öffentlichen Nahverkehr in Lörrach. Auf Antrag der SPD-Fraktion wurde das Ein-Euro-Ticket – offiziell „Ticket4Lö“ – eingeführt. Es berechtigt dazu, den öffentlichen Nahverkehr innerhalb der Stadtgrenzen für einen Euro pro Fahrt zu benutzen.

Ein-Euro-Ticket ein Verkaufsschlager

Nach seiner Einführung Anfang August 2019 entwickelte sich das Ein-Euro-Ticket sehr schnell zu einem dauerhaften Verkaufsschlager. So konnte Oberbürgermeister Jörg Lutz bereits unmittelbar nach dessen Einführung den Verkauf von 10 000 dieser Tickets pro Monat verkünden. Später pendelte sich der Absatz bei 7000 Stück im Monat ein. „Dieses Ergebnis liegt deutlich über meinen Erwartungen“, freute sich Lutz Ende 2019 im Gespräch mit unserer Zeitung und hatte auch bereits Zukunftspläne und Verbesserungsideen für das Ein-Euro-Ticket.

Kaum jemand könne verstehen, dass es die Tickets nicht an den Automaten oder wenigstens beim Busfahrer gebe, betonte er und meinte: „Daran müssen wir arbeiten“. Auf Dauer ging Lutz damals sogar davon aus, dass die Tickets elektronisch per Handy erworben und genutzt werden können.

Das Ein-Euro-Ticket war für ihn nur der Einstieg: „Wenn wir die Verkehrswende wirklich wollen, müssen wir den Menschen die Entdeckung des ÖPNV schmackhaft machen.“ Mit anderen Worten: Es sollten weitere Anreize für die Ankurbelung der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs folgen.

Jetzt, ein gutes Jahr später und mit den Auswirkungen der Corona-Krise konfrontiert, sieht die Welt möglicherweise anders aus. Nach wie vor wird das Ein-Euro-Ticket auch im Rathaus als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnet. Laut einer aktuellen Prognose – endgültige Zahlen liegen noch nicht vor – wurden im Jahr 2020 trotz der Pandemie voraussichtlich 50 000 Ein-Euro-Tickets verkauft. Derzeit werden trotz Shutdown und der damit verbundenen geschlossenen Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe 5000 Ein-Euro-Tickets pro Monat verkauft.

Ticket nicht kostendeckend

Das Ein-Euro-Ticket ist allerdings nicht kostendeckend. Im Gegenteil: Es verursacht im Haushalt der Stadt im Jahr 2021 Kosten in Höhe von rund 390 000 Euro.

Kämmerer Peter Kleinmagd schlägt deshalb vor, die Fortführung des Tickets über den zunächst beschlossenen Zeitpunkt 31. Juli 2021 hinaus zu prüfen. Die Entscheidungsgewalt darüber obliegt letztlich dem Gemeinderat.

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