Lörrach Ein gläsernes Wohnzimmer

Das gläserne Wohnzimmer am Hebelpark Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Lörrach. Was würden Sie noch schnell aufräumen, wenn in zehn Minuten Besuch käme? Die sexy Unterwäsche vom Wäscheständer holen? Die Kondome, Kontoauszüge und das Methaddict vom Nachttisch verstecken? Noch schnell das Notebook zuklappen, die Bettdecke glatt ziehen und die Killerspiele darunter verschwinden lassen? Die Lörracher Piraten haben in ihrem gläsernen Wohnzimmer am Samstag in der Innenstadt genau das nicht gemacht und gezeigt, dass grundsätzlich jeder Mensch etwas zu verbergen hat. Zahlreiche Überwachungskameras aus Pappe waren auf die fiktive gute Stube sowie die umgebende Fußgängerzone gerichtet und machten die allgegenwärtige Beobachtung für jeden spürbar.

Anlässlich der Aktionstage zum „Internationalen Tag der Privatsphäre“ wollten die Piraten auf diese Weise für die neuesten Entwicklungen der globalen Ausspähung und Möglichkeiten sensibilisierten, wie jeder Einzelne seine Privatsphäre schützen und gegen die anlasslose Überwachung aktiv werden kann, so eine Mitteilung.

Passanten konnten sich außerdem durch mitgebrachte, ausgediente Disketten und CDs an der noch bis zum 30. August laufenden Aktion „Datenflut“ beteiligen. Dabei sollen möglichst viele Datenträger an das Kanzleramt geschickt werden, um die Regierung daran zu erinnern, ihren Pflichten gegenüber den Bürger nachzukommen und die Massenüberwachung endlich zu stoppen.

Außerdem bot sich die Möglichkeit, DVDs mit dem Live-Betriebssystem „Tails“ (The Amnesic Incognito Live System) und somit auch ein Stück Privatsphäre mit nach Hause zu nehmen. Tails, welches auch von Edward Snowden verwendet wird, ist ein System, das die Anonymität des Nutzers besonders schützt und dabei keinerlei Spuren auf dem eingesetzten Computer hinterlässt.

Trotz des regnerischen Wetters war das Interesse der Passanten laut den Piraten groß. Zahlreiche Gespräche machten deutlich, dass etliche Bürger ihre Privatsphäre von der Politik nicht ausreichend geschützt sehen. Sie empfinden außerdem eine zunehmende Ohnmacht, wenn sie mit dem Thema Überwachung durch Staat und Geheimdienste konfrontiert werden.

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