Lörrach Ein kostenloser Treffpunkt für alle

Robert Horvath vor der Baustelle am Durchgang zur Synagoge (links im Bild) Foto: Regine Ounas-Kräusel

Lörrach - Robert Horvath vom Verein „Kreuzweg Diakonische Stadtarbeit“ hat ein Ziel: Er will in der Teichstraße in bester Innenstadtlage ein Gratiscafé eröffnen. Eine coole Location für alle soll es werden, mit einem Ambiente zwischen englischem Pub und Bistro, mit Live-Musik, mit kleinen Speisen und Getränken, aber ohne Alkohol.

Das Café soll Treffpunkt werden für Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, aber auch für alle anderen, die dort einkehren wollen, für Menschen mit und ohne Behinderung.

Der Verein Kreuzweg bietet Wohnraum für Drogenabhängige, Haftentlassene, Obdachlose und andere Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt wenige Chancen haben. Seit 2009 leben 19 Menschen im Wohnprojekt in der Mozartstraße. Seit 2018 wohnen 26 weitere Menschen in zwei Häusern zwischen Teich- und Spitalstraße, unter ihnen auch zehn Flüchtlinge.

Gratis-Café, Kreativräume und Proberaum geplant

Noch wirkt der Platz davor wenig einladend: Autos parken dort. Das Haus, in dem sich früher ein Schallplattenladen befand, ist eingerüstet. Hier soll im Mai oder Juni 2020 das Gratiscafé eröffnet werden.

Vorher muss das Haus umfassend saniert werden. Aktuell reparieren Handwerker das Dach. Das Café im Erdgeschoss will Horvath mit Holzdielen und mit soliden Bistromöbeln einrichten. Eine Bruchsteinwand soll vom Putz befreit werden. Auf der Rückseite sind die Theke und eine gastrotaugliche Küche geplant. Dort soll auch eine rollstuhlgängige Toilette entstehen.

„Wir wollen niemanden ausschließen“

„Wir wollen niemanden ausschließen“, betont Horvath. Abends werden ehrenamtliche Teams das Café mit Live-Musik betreiben, so die Idee. Tagsüber sollen in den Räumen Deutschkurse, Hausaufgabenhilfe, kreative Kurse und ähnliches stattfinden. Im Keller ist ein schalldichter Bandprobenraum mit Tonstudio geplant.

Horvath berichtet, dass er und einige Mitstreiter vom heutigen Verein Kreuzweg schon 1985 die erste Wohngemeinschaft für Drogenabhängige gründeten. Er selbst arbeitete 14 Jahre als Streetworker und in der ambulanten Wohnbegleitung beim Verein Elim Diakonische Stadtarbeit in Basel. In den Lörracher Wohnprojekten gebe es klare Regeln, sagt er. Wer dort mit Drogen dealt, muss gehen.

Anschubfinanzierung von 230 000 Euro

Der Umbau des Hauses Teichstraße 24 wird an die 160 000 Euro kosten. Rund die Hälfte hat der Verein bislang eingeworben. Kreuzweg hat einen Zuschuss bei der Stadt beantragt (wir berichteten) und hofft auf weitere Spenden.

Für den Betrieb des Gratiscafés bezahlt die „Aktion Mensch“ eine Anschubfinanzierung von 230 000 Euro. Damit sollen in den ersten fünf Jahren eine 60 Prozent-Stelle für eine pädagogische und hauswirtschaftliche Fachkraft sowie eine 450 Euro Stelle bezahlt werden, außerdem ein Teil der Einrichtung. Wenn das Café dann läuft, soll es rein ehrenamtlich betrieben werden.

Horvath ist zuversichtlich, dass die überschaubaren Betriebskosten über Spenden finanziert werden können. Die Eigentümergemeinschaft, zu der er selbst gehört, überlässt dem Verein Kreuzweg das Gebäude kostenlos. Nur Nebenkosten, etwa für Strom, fallen an. Lebensmittel wird das Café kostenlos von der Lörracher Tafel beziehen. Horvath ist außerdem mit Einzelhändlern im Gespräch.

Den Platz rund um das Café würde er gerne mit den Nachbarn ansprechend gestalten, blickt Horvath voraus. Mit der jüdischen Gemeinde und dem Café Delikaktus sei man bereits im Gespräch.

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