Lörrach Ein musikalisches Ereignis

Eine würdige Interpretation von Louis Spohrs Oratoriums „Die letzten Dinge“ besorgten die Kantoreien Lörrach, Grenzach und Schopfheim und das Capriccio Barockorchester. Foto: Jürgen Scharf

Lörrach - Schon die Ouvertüre zum Oratorium „Die letzten Dinge“ von Louis Spohr war ein Ohrenöffner: Hier hörte man gleich zu Beginn die Vorzüge eines guten Orchesters. Ein Umstand, der sich nicht nur in dieser Einleitung, sondern in den großen sinfonischen Sätzen, die vor den beiden Teilen des Oratoriums stehen, wie der Sinfonia (Nr.10), positiv bemerkbar machte.

Zeigt dies doch, dass gerade dieses Spohr-Oratorium in seiner durchkomponierten Großform professionelle Instrumentalisten braucht. Und die hatten die Aufführungen in der Lörracher Christuskirche und in der katholischen Kirche St. Bernhard in Schopfheim (die wir besuchten) mit dem renommierten Capriccio Barockorchester aus Rheinfelden/Schweiz.

Das auf historischen Instrumenten spielende Ensemble hat sich in der Region und in der Alten-Musik-Szene einen beachtlichen Ruf erworben. Ein guter Griff von Kantor Andreas Mölder, der – anders als angekündigt - beide Aufführungen leitete, diese Originalklang-Spezialisten zu verpflichten. Ist es doch selten, dass man bei Kirchenkonzerten einen so homogenen und historisch informierten Klangkörper erlebt.

Das tat der Qualität der Spohrschen Musik mit ihrem frühromantisch sanften Idiom gut, die somit allein schon vom Instrumentalen her ins beste Licht gerückt wurde. Denn beim Capriccio Barockorchester stimmt es an allen Pulten: von den sauberen Hörnern bis zur trocken knalligen Pauke, von den prächtigen Streichern bis zu den präzisen Bläsern mit dem hörbar exponierten Blech.

Dass sich ein klangprächtiges Hörbild ergab, in diesem Werk, das doch mehr eine Trostfunktion vermittelt als eine Schreckensvision, obwohl ja Spohr sich mit der Apokalypse auseinandersetzt, lag aber auch zum Wesentlichen an den vereinten drei Chören. Die evangelische Kantorei Lörrach und der katholische Kirchenchor Schopfheim, verstärkt durch Dieter Zehs Grenzacher Kantorei, gaben im Chorraum allein schon ein imposantes Bild ab.

Unter Mölders sichtlich engagierter und prägnanter Leitung sangen die Kantoreien mit großer Überzeugung von den letzten Dingen, oft in Verbindung mit einem oder allen vier Solisten und in kantablen, durchaus melodiösen Rezitativen. Die Chöre präsentierten sich hervorragend instruiert, voller Sorgfalt und Verständnis, anschaulich, klar und deutlich in der teilweise erregten Darstellung der endzeitlichen Schilderung.

Die einzelnen Szenen kulminierten im zweiten Teil in „Gefallen ist Babylon, die Große“(Nr.15). In dieser sehr dramatischen Szene bewährten sich Chor, Orchester und Solisten aufs Beste; auch in einigen fugierten Passagen schlugen sich die Chöre wacker. Vorausgegangen war das aufwühlende Rezitativ „Die Stunde des Gerichts“, wo man die qualitätsvollen Blechbläser bewundern konnte.

Auch das stimmlich harmonisch wirkende Vokalquartett mit dem textverständlich deklamierenden, hellen Tenor Laurin Oppermann als Erzähler, der beseelt singenden Sopranistin Andrea Nübel und Altistin Heike Werner und dem opernhaft agierenden Bassisten Edward Yehenara überzeugte in den lyrischen und rezitativischen Passagen.

Im stimmigen Gesamtklang wurde durch alle Beteiligten die Eleganz und die ariosen Qualitäten der Musik, die zwischen Klassik und Romantik pendelt, deutlich gemacht. Es ist das Verdienst des ökumenischen Festivals der Kirchenmusik Lörrach, einem originären Werk mit individuellen Zügen, das unverständlicherweise in Vergessenheit geraten ist, zu einem neuen „goldenen Herbst“ zu verhelfen. Ein musikalisches Ereignis!

Aufgeregte Zeiten erfordern seriöse und umfassende Informationen und deren Einordnung! Jetzt HIER anfordern.

Umfrage

Auf gepackten Koffern

Deutschland hat die weltweite Covid-19-Reisewarnung seit dem 15. Juni für die meisten europäischen Staaten aufgehoben. Damit kann der Sommerurlaub doch noch im Ausland stattfinden. Wo werden Sie Ihre Sommerferien verbringen?

Ergebnis anzeigen
loading