Lörrach-Haagen - Die Firma Hieber hat ihr Interesse an der Ansiedelung eines Lebensmittelmarkts in Haagen bekräftigt. Indes drängen sich die hierfür zunächst angedachten Räumlichkeiten auf dem ehemaligen Quelle-Areal eher nicht auf.

Oberbürgermeister Jörg Lutz würde prinzipiell „einen größeren Wurf“ punktuellen Veränderungen des Areals vorziehen. Aber: Das bräuchte Zeit.

Dieter Hieber

Auf Anfrage unserer Zeitung erläuterte Dieter Hieber die Perspektive des Unternehmens: Die Variante, Leute mit einem Lift vom tief liegenden Parkplatz nach oben zu transportieren, sei nicht kundenfreundlich: „Das wird so nicht funktionieren.“ Ein angemessener Umbau der Immobilie – etwa mit Rolltreppen – sei dagegen sehr teuer: „Wer soll das finanzieren?“, fragte Hieber.

Stattdessen biete sich eher die Einrichtung eines gut 800 Quadratmeter großen „Lädele“ auf der Parkfläche an. „Platz genug ist da“, sagte Hieber, der das Areal Neumatt-Brunnwasser ebenfalls als Option für einen Markt sieht. Es komme nun darauf an, wie sich die Stadt in dieser Frage positioniere.

Jörg Lutz

Jörg Lutz zeigte sich im Grundsatz „für alle Optionen offen“. Allerdings nehme er als Oberbürgermeister immer auch die Frage „Wie entwickelt sich Haagen insgesamt?“ in den Blick. Und diese weise über den verständlichen Wunsch der Ansiedelung des lang ersehnten Lebensmittelmarktes hinaus.

Das Gebäudeensemble habe über das Problem der Erreichbarkeit von den Parkplätzen aus weitere Defizite – etwa mit Blick auf die Barrierefreiheit. Erst größere Umbauarbeiten oder ein Rückbau würden „eine neue Situation schaffen“, sagte Lutz. Er weiß: Ein Abriss wäre teuer, und das Areal funktioniert für die Schweizer Eigentümerin „Vacuform“ offenbar auch im aktuellen Zustand.

Aber: „Es lohnt sich auch für Investoren, langfristig zu denken“, sagte Lutz. Der Ortsteil habe ein attraktiveres Zentrum verdient. Mit dem gegenwärtigen Status quo sehe er die Zukunftsfähigkeit des Areals langfristig „in Frage gestellt“. Dagegen könne „ein größerer Wurf“ mit „einer neuen Optik und der Verbindung von Handel und Wohnen“ sowohl für Haagen als auch für Vacuform gesamthaft eine attraktive Perspektive darstellen. Deshalb gelte es nun, alle Möglichkeiten der Städtebauförderung auszuloten, um vielleicht doch noch den Ansatz für einen echten Neuanfang in Haagens Ortsmitte erarbeiten zu können.

Immerhin, so Lutz, sei in der gegenwärtigen Situation bislang kein Lebensmittelmarkt am Standort erfolgreich gewesen. „Es ist niemandem geholfen, wenn das so weitergeht“, sagte er. Deshalb sei es tendenziell sinnvoller, auf substanzielle Lösungen hinzuarbeiten, als punktuell nachzubessern.

Der Ortschaftsrat

Erst kürzlich hat sich der Ortschaftsrat Haagen in einer außerordentlichen Sitzung mit der Entwicklung der Ortsmitte und der Ansiedlung eines Lebensmittelmarkts befasst. Er forderte, einen Ortsentwicklungsplan auf den Weg zu bringen und alle Möglichkeiten zur Ansiedlung eines solchen Markts auszuschöpfen (wir berichteten).

„Die Ortschaftsräte fordern alle Beteiligten – Eigentümer, Geschäftsführung, Stadtverwaltung, Politik, Wohnbau, Architekten, Investor, Einzelhändler und Dienstleister – zu einem konstruktiven Dialog und zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Ziel der kurzfristigen Realisierung eines Lebensmittelmarkts auf. Der Rat sieht aufgrund des Auszugs des Hauptmieters auf dem Quelle-Areal ein Zeitfenster, um kurzfristig einen Lebensmittelmarkt zu realisieren“, so die damalige Mitteilung.

Mit Blick auf die Zeitschiene für Veränderungen im Ortskern dämpfte Lutz allerdings gestern die Hoffnungen ein wenig – bei allem Verständnis für die Erwartungshaltung: gesamthafte, städtebaulich überzeugende Lösungen bräuchten Zeit.

Der Ortschaftsrat verlangt darüber hinaus, dass aktiv über das ehemalige Quelle-Areal hinaus alle für eine Bebauung in Betracht kommenden Flächen ermittelt werden und auf den Prüfstand kommen, um potenzielle Markt-Standorte zu identifizieren und zu priorisieren.

In diesem Zusammenhang versicherte Lutz, dass auch das Areal Neumatt-Brunnwasser ergebnissoffen geprüft werde.